Mutmaßlicher Schütze des Blutrachemords von Visselhövede in Niederlanden gefasst

·Lesedauer: 2 Min.
Blaulicht

Vier Jahre nach einem Blutrachemord an einem 46-Jährigen im niedersächsischen Visselhövede haben Ermittler in den Niederlanden den mutmaßlichen Schützen gefasst. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft in Verden und Rotenburg an der Wümme am Mittwoch mit. Auch ein weiterer Verdächtiger sei bei den Zugriffen von niederländischen Spezialeinheiten in Amsterdam und Rotterdam festgenommen worden.

Nach Angaben der Ermittler handelt es sich bei dem mutmaßlichen Schützen um einen 34-Jährigen. Ihm wird vorgeworfen, im Januar 2017 in Visselhövede von einem fahrenden Motorrad aus auf den 46-Jährigen geschossen zu haben. Opfer wie Täter sind Albaner. Hintergrund der Tat war nach den Erkenntnissen der deutschen Sicherheitsbehörden eine sogenannte Blutrache zwischen Familien.

Das Verbrechen ist bereits seit längerem in Teilen aufgeklärt, bereits 2018 verurteilte das Landgericht im niedersächsischen Verden einen 23-Jährigen aus dem Raum Hannover wegen Mordes. Bei ihm handelte es sich um den Fahrer des Motorrads. Bereits kurz nach der Tat gab es auch Razzien in den Niederlanden und Albanien. Bisher war jedoch unklar, wer die Schüsse abfeuerte.

Die jüngsten Festnahmen in den Niederlanden folgten nur wenige Tage nach dem überraschenden Fund der vergrabenen mutmaßlichen Tatwaffe an einer Autobahnböschung bei Bad Fallingbostel. Ganz in der Nähe hatten die Täter vor vier Jahren das bei dem Mord verwendete Motorrad zurückgelassen. Zuletzt erhielt die immer noch aktive Mordkommission der Polizei Hinweise, dass diese in dem Bereich damals offenbar noch weitere Dinge zurückließen.

Bei einer neuerlichen Suchaktion fanden die Beamten zunächst Kleidung mit Schmauch- sowie DNA-Spuren und dann die im Boden vergrabene Pistole, bei der es sich um die mutmaßliche Tatwaffe handelte. Die beiden Festgenommenen befinden sich derzeit in Untersuchungshaft. Der zweite Mann soll an der Planung der Tat beteiligt gewesen sein. Weitere Details wurden nicht genannt.

Der 46-jährige Familienvater war damals tagsüber auf offener Straße nahe einer Grundschule niedergeschossen und so schwer verletzt worden, dass er im Krankenhaus starb. Der Schütze gab von einem dicht vorbeifahrenden Motorrad aus zwölf Schüsse auf das Opfer ab. Nach Angaben der Ermittler war der Mann aus Angst vor Blutrache nach Deutschland geflohen und hier untergetaucht.

Demnach hatte der Getötete 2011 in Albanien einen Mann in einer notwehrähnlichen Situation getötet und dafür selbst einige Jahre im Gefängnis gesessen. Die Verwandten des Toten forderten nach den Regeln der Blutrache drei Leben von seiner Familie. Die Beteiligten stammen aus dem sehr abgelegenen Nordalbanien. Blutrache wird dort trotz staatlichen Verbots noch praktiziert.

bro/cfm