Mutmaßlicher Paris-Attentäter Abdeslam in Belgien zu 20 Jahren Haft verurteilt

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Abdeslam während des Prozesses

Der mutmaßliche Paris-Attentäter Salah Abdeslam ist wegen Schüssen auf belgische Polizisten zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein Gericht in Brüssel sprach den französischen Islamisten am Montag wegen terroristisch motivierter Mordversuche schuldig. Es ist das erste Urteil gegen den 28-Jährigen. Wegen seiner Beteiligung an den Pariser Anschlägen vom November 2015 mit 130 Toten soll ihm zu einem späteren Zeitpunkt in Frankreich der Prozess gemacht werden.

Monate nach den Anschlägen in Paris war der international gesuchte Abdeslam am 15. März 2016 in Brüssel in eine Schießerei verwickelt, bei der mehrere Polizisten verletzt wurden. Deswegen wurde dem Franzosen mit marokkanischen Wurzeln in der belgischen Hauptstadt der Prozess gemacht.

Das Gericht befand auch Abdeslams 24 Jahre alten tunesischen Komplizen Sofiane Ayari der Beteiligung an der Schießerei mit den Polizisten für schuldig und verurteilte ihn ebenfalls zu 20 Jahren Gefängnis. Die Richter entsprachen mit dem Strafmaß der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Die beiden Angeklagten wurde zudem verurteilt, Schadenersatz in Höhe von insgesamt etwa 500.000 Euro insbesondere an den belgischen Staat sowie an einen schwer verletzten Polizisten zu zahlen. Abdeslam und Ayari blieben der Urteilsverkündung fern. Abdeslams Verteidiger Sven Mary wird nun nach eigenen Angaben mit seinem Mandanten erörtern, ob er in Berufung gehen will.

Der in Belgien geborene Abdeslam, der einzige überlebende Attentäter der Pariser Anschläge, war nach monatelanger Fahndung am 18. März 2016 in Brüssel festgenommen und später an die französische Justiz überstellt worden. Seine Festnahme erfolgte vier Tage vor den Selbstmordanschlägen in der belgischen Hauptstadt, bei denen 32 Menschen getötet wurden. Dazu bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Bei einer Hausdurchsuchung im Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris hatten am 15. März 2016 drei Verdächtige im Brüsseler Stadtteil Forest das Feuer auf belgische und französische Polizisten eröffnet. Zwei der Angreifer - Abdeslam und Ayari - konnten in der Folge fliehen, der dritte wurde von einem Scharfschützen der Polizei getötet.

Während des im Februar im Brüsseler Justizpalast begonnenen Prozesses hatten sich weder Abdeslam noch Ayari zur Sache geäußert. Abdeslam beantwortete keine Fragen und erklärte: "Ich habe keine Angst vor euch - ich vertraue auf Allah".

Die Hinweise auf Abdeslams Beteiligung an den Anschlägen in Paris sind erdrückend: Sein Bruder Brahim war einer der Selbstmordattentäter, die sich dort am 13. November 2015 in die Luft sprengten. Salah Abdeslam selbst organisierte nach Erkenntnissen der Ermittler Mietautos und Zimmer für die Kommandos, die ein Blutbad in der Konzerthalle Bataclan und auf den Terrassen mehrerer Restaurants und Bars anrichteten.

Sie scheiterten aber mit ihrem Plan, in das Fußballstadion Stade de France einzudringen, wo die deutsche Nationalmannschaft gegen Frankreich spielte. Und auch Abdeslams Plan ging nicht auf: Laut einem Brief, der ihm zugeschrieben wird, zündete sein Sprengstoffgürtel nicht. "Auch ich wollte als Märtyrer sterben, aber Allah hat anders entschieden", wird er zitiert.

Am 14. November 2015, kurz nach den Anschlägen von Paris, hatten französische Gendarmen Abdeslam auf der Autobahn kontrolliert. Dieser überquerte danach die Grenze nach Belgien. Frankreich und Belgien beschuldigten sich später gegenseitig, beim Austausch von Informationen über "Gefährder" versagt zu haben.

Reue empfindet Abdeslam offenbar nicht. "Ich schäme mich nicht dafür, wer ich bin", antwortete er einer Frau, die ihm vor Beginn des Verfahrens ins Gefängnis schrieb.