Mutmaßlicher Messerangreifer von Kandel älter als von ihm angegeben

Gedenken in Kandel

Der im Dezember nach einer tödlichen Messerattacke auf eine 15-Jährige im rheinland-pfälzischen Kandel festgenommene Verdächtige ist älter, als er selbst angab. Der aus Afghanistan stammende Flüchtling ist laut einem medizinischen Gutachten wahrscheinlich etwa 20 Jahre alt, wie die Staatsanwaltschaft Landau am Dienstag mitteilte. Rechtlich ist er damit allerdings ein Heranwachsender und könnte nach Jugendstrafrecht verurteilt werden.

Er selbst hatte angegeben, im Dezember 15 Jahre alt gewesen zu sein. Ausweispapiere besaß er nicht. Die Staatsanwaltschaft beauftragte daraufhin einen Gutachter, sein wahrscheinliches Alter zu bestimmen. Das absolute Mindestalter schätzte der Sachverständige laut Staatsanwaltschaft auf derzeit siebzehneinhalb Jahre. Sein wahrscheinliches Alter liegt demnach bei etwa 20 Jahren. Für das Gutachten wurden unter anderem Hände, Gebiss und Schlüsselbeine des jungen Manns geröntgt.

Das Gutachten lege also nahe, dass es sich bei dem Verdächtigen um einen Heranwachsenden handle, erklärte die Staatsanwaltschaft. Als Jugendlicher gilt vor Gericht, wer zur Tatzeit 14, aber noch nicht 18 Jahre alt ist. Ein Heranwachsender ist 18 Jahre, aber noch nicht 21 Jahre alt. In diesem Fall wird Jugendstrafrecht angewendet werden, wenn der Heranwachsende in seiner Entwicklung zur Tatzeit einem Jugendlichen gleichsteht.

Das Jugendstrafrecht sieht geringere Höchststrafen als Erwachsenenstrafrecht vor. Im Jugendstrafrecht können Haftstrafen von bis zu zehn Jahren verhängt werden. Bei Heranwachsenden, die nach Jugendstrafrecht verurteilt werden, ist bei Mord und einer besonderen Schwere der Schuld eine Höchststrafe von 15 Jahren möglich. Das Erwachsenenstrafrecht sieht bei Mord eine lebenslange Haftstrafe vor.

Der nach der Messerattacke in Kandel festgenommene Verdächtige soll am 27. Dezember seine 15-jährige Exfreundin erstochen. Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich den Ermittlungen zufolge um einen Asylbewerber, der im Frühjahr 2016 unbegleitet nach Deutschland kam. Der Fall löste bundesweit Entsetzen, aber auch politische Debatten über Alterstests bei jungen Flüchtlingen aus.

Der mutmaßliche Täter sitzt in Untersuchungshaft. Er äußerte sich laut Staatsanwaltschaft bislang nicht zu den Vorwürfen. Die Anklagebehörde wertet die Tat als Mord.