Mutmaßlicher Kriegsverbrecher aus Mali erstmals vor Gericht erschienen

Al-Hassan vor Gericht

Mehr als fünf Jahre nach dem zerstörerischen Wüten einer Islamistengruppe in der malischen Wüstenstadt Timbuktu ist einer der mutmaßlichen Verantwortlichen erstmals vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag erschienen. Drei Tage nach seiner Überstellung durch die malischen Behörden stand Al-Hassan Ag Abdoul Aziz Ag Mohamed Ag Mahmoud am Mittwoch für eine kurze Anhörung vor Gericht.

Dem mutmaßlichen Islamisten werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt. Ihm wird auch Folter und Vergewaltigung vorgeworfen. Der Angeklagte bestätigte dem Gericht seine Identität und verzichtete auf eine Verlesung der Vorwürfe. Allerdings beschwerte sich sein Verteidiger über eine in der Zelle installierte Kamera. Das Verfahren wird am 24. September fortgesetzt.

Al-Hassan soll als Leiter einer 40 Mann starken Schariapolizei im besetzten Timbuktu das islamische Recht nach Lesart der Islamistengruppe Ansar Dine durchgesetzt haben. Die Anklage um Chefanklägerin Fatou Bensouda stuft ihn als führenden Kopf ein bei den Verbrechen der Islamistengruppe in der Weltkulturerbestadt.

Al-Hassan ist der zweite malische Islamist, der in Den Haag vor Gericht steht. Im September 2016 hatte der IStGH den Ex-Dschihadisten Ahmad Al Faqi Al Mahdi wegen der Zerstörung der Weltkulturerbestätten in Timbuktu zu neun Jahren Haft verurteilt. Er hatte sich im Prozess schuldig bekannt.

Die Islamistengruppe Ansar Dine kontrollierte zwischen April 2012 und Januar 2013 den Norden Malis. In dieser Zeit zerstörte die Gruppe Mausoleen und Moscheen, weil sie die in Timbuktu verbreitete Verehrung von Heiligen strikt ablehnt. Zudem versuchte sie mit Gewalt eine ultrakonservative Auslegung des Islam im Alltagsleben bei Timbuktus Bewohnern durchzusetzen.

Wegen der vielen Mausoleen gilt Timbuktu als "Stadt der 333 Heiligen". Die Handelsstadt war über Jahrhunderte ein Zentrum der islamischen Gelehrsamkeit. Die zerstörten Mausoleen, die zumeist aus Holz und Lehmziegeln errichtet waren, wurden mit internationaler Unterstützung wieder aufgebaut.