Mutmaßliche IS-Anhängerin nach Rückkehr aus Türkei in Hamburg festgenommen

Erneut hat die Türkei eine mutmaßliche Anhängerin der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) mit ihren Kindern nach Deutschland abgeschoben. Die 30-Jährige wurde nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft in Hamburg am späten Mittwochabend nach ihrer Ankunft am Flughafen der Hansestadt verhaftet. Sie soll 2013 nach Syrien gegangen und nacheinander mit zwei IS-Kämpfern zusammengelebt haben, ihr wird deshalb unter anderem Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung vorgeworfen.

Wie eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft am Donnerstag weiter sagte, war die zuletzt in Hamburg lebende Verdächtige in Begleitung ihrer beiden Kinder im Alter von zwei und vier Jahren. Diese wurde von den zuständigen Jugendbehörden in staatliche Obhut genommen.

Gegen die Frau lag demnach ein von der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe beim Bundesgerichtshof beantragter Haftbefehl vor. Der Fall wird inzwischen aber von der Hamburger Justiz bearbeitet. Am Donnerstag verkündete der zuständige Ermittlungsrichter am Hamburger Oberlandesgericht der Frau ihren Haftbefehl, sie kam in Untersuchungshaft.

Nach Erkenntnissen der Ermittler war die 30-Jährige im September 2013 nach Syrien gereist und hatte dort mit ihrem damaligen Mann zusammen gelebt, bei dem es sich um einen ausgebildeten IS-Kämpfer handelte. Nachdem dieser 2014 getötet wurde, lebte sie in einem IS-Frauenhaus und heiratete danach 2016 einen weiteren IS-Kämpfer.

Ende 2017 wurde sie demnach beim Versuch, die Grenze von Syrien in die Türkei zu überqueren, von kurdischen Milizen gefangengenommen und in einem Lager interniert. Von dort gelang ihr etwa um den vergangenen Oktober die Flucht in die Türkei, wo die dortigen Behörden sie aufgriffen und abschoben. Einzelheiten zu den letzten Monaten waren laut Staatsanwaltschaft zunächst unklar.

Die türkischen Behörden schicken bereits seit einiger Zeit mutmaßliche ausländische IS-Anhänger in deren Heimatstaaten zurück. Schon mehrfach kamen dadurch auch mutmaßliche Dschihadisten in Deutschland an, teils mit ihren Familien. Inzwischen gehen die Anklagebehörden in Deutschland auch im Fall von Frauen, die in Syrien mit IS-Mitgliedern zusammenlebten, von einer Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung aus.

Dem liegt der Vorwurf zugrunde, dass die Verdächtigen durch logistische und emotionale Unterstützung das Wirken der mit ihnen meist nach islamischem Ritus verheirateten IS-Kämpfer bewusst und entscheidend förderten. Auch der 30-Jährigen aus Hamburg wird laut Generalstaatsanwaltschaft zur Last gelegt, ihren Männern durch ihre Rolle im Haushalt die Teilnahme an Kämpfen und Verbrechen des IS ermöglicht zu haben.

Die Vereinten Nationen riefen am Donnerstag dazu auf, die in Syrien festsitzenden Kinder von IS-Dschihadisten in ihre Heimatländer zu bringen. Etwa 28.000 von ihnen befänden sich in höchst prekärer Lage in Lagern innerhalb des Bürgerkriegslands, hieß es in einem Bericht von Syrien-Experten. Mutmaßlich mehrere weitere tausend lebten sogar in Gefängnissen, wo sie mit inhaftierten Eltern untergebracht seien.

Mehrere Länder begannen bereits damit, Kinder von Islamisten mit ihrer Staatsangehörigkeit aus Syrien zurückzuholen. Dies erfolgte aus humanitären Gründen, teilweise mit und teilweise ohne ihre Eltern. Laut UNO wird die Rückholung von Kindern oftmals durch fehlende offizielle Dokumente zur Identitätsklärung erschwert. Dafür müssten die Staaten Lösungen finden.