Der mutmaßliche Betrugsfall um die Cannabis-Plattform Juicy Fields: Führen die Spuren zu russischen Hintermännern?

Angeblich sollte das Geld der Juicy-Field-Nutzer in den Aufbau von Cannabis-Plantagen wie dieser fließen. (Symbolbild) - Copyright: Getty Images/ skaman306
Angeblich sollte das Geld der Juicy-Field-Nutzer in den Aufbau von Cannabis-Plantagen wie dieser fließen. (Symbolbild) - Copyright: Getty Images/ skaman306

Der Fall von Juicy Fields erschüttert die Cannabis-Szene und schockiert Tausende von Anlegern. Das Unternehmen versprach Privatpersonen hohe Gewinne, wenn sie in die Plattform investierten. Angeblich, um sich an dem Züchten, Ernten und Verkaufen von Cannabispflanzen zu beteiligen. Doch seit kurzem kommen die Investoren nicht mehr an ihr Geld, vieles sieht danach aus, als ob es sich um einen der größten Betrugsfälle in der noch jungen Cannabis-Branche handelt.

Doch wer steckt hinter dem ganzen Scam? Das fragen sich natürlich auch viele Betroffene. Darüber tauschen sich die geprellten User in zahlreichen Chatgruppen und Foren aus, manche recherchieren sogar auf eigene Faust, rufen bei den angeblichen Telefonnummern der Geschäftsführer an, die noch auf der Website stehen oder fahren zu angeblichen Geschäftsadressen. Auch Business Insider ist den Spuren der Hintermänner gefolgt.

Zwei Lager im Firmengeflecht von Juicy Fields

Es scheint, als hätten sich innerhalb des Geflechts von Juicy Fields zwei Seiten herausgebildet, die sich nun gegenseitig vorwerfen, die Kunden betrogen zu haben. Immer wieder tauchen Dokumente auf, die jeweils die gegnerische Seite belasten und die eigene Unschuld angeblich beweisen sollen.

Das Firmengeflecht ist kompliziert: Zum einen ist da die Juicy Grow GmbH. Die Berliner Firma stand ursprünglich im Impressum von juicyfields.io. Gegründet wurde sie laut Handelsregister von einem Mann namens Viktor Bitner im Jahr 2020. Bitner trat jedoch niemals öffentlich in Erscheinung. Als CEO und Aushängeschild der Firma fungierte lange Zeit ein US-Amerikaner namens Alan Glanse. Laut Handelsregister war er jedoch nie eingetragener Geschäftsführer. Im März 2022 schmiss Glanse plötzlich hin und hat seither gegenüber verschiedenen Medien behauptet, selbst Opfer des Betrugs geworden zu sein.

Anfang des Jahres tauchte außerdem eine neue Firma im Impressum der Plattform auf. Statt der Juicy Grow GmbH ist dort seither die Juicy Holdings B.V. mit Sitz in Amsterdam vermerkt. Gegen diese niederländische Holding wandte sich die deutsche Finanzaufsicht Bafin auch, als sie im März dieses Jahres zunächst eine Warnung zu Juicy Fields veröffentlichte und im Juni das Geschäft in Deutschland ganz verbot.

Staatsanwaltschaft und Bafin haben sich anscheinend nicht abgestimmt

Der Grund für den Bafin-Bann: Die Firma hatte keinen Prospekt vorzuweisen, den eigentlich jeder Finanzdienstleister benötigt. Ein rein formaler Grund, der anscheinend auch nichts mit den Ermittlungen der Berliner Staatsanwaltschaft zu tun hat. Die ermittelt nämlich laut eines Sprechers ebenfalls, allerdings gegen die Juicy Grow GmbH und deren Geschäftsführer Bitner. „Die Staatsanwaltschaft informiert die Bafin nicht zwangsläufig über laufende Ermittlungen“, so eine Sprecherin der Finanzaufsicht zu Business Insider.

Weil sich die Firma nicht an das Verkaufsverbot hielt, forderte die Bafin das Unternehmen Anfang Juli außerdem in einem Schreiben zu einer Zwangsgeldzahlung in Höhe von einer Million Euro auf. Dieses Schreiben lässt sich mittlerweile auch auf der Startseite von Juicy Fields abrufen, sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch. Einige Nutzer vermuteten zunächst, dass die Seite gehackt worden wäre. Doch es sieht ganz danach aus, als hätten die Betreiber das Dokument selbst hochgeladen. Eine Sprecherin der Bafin bestätigte gegenüber Business Insider die Echtheit des Schreibens.

Die Bafin richtet sich in ihrem Brief an keine einzelne Person, sondern an eine deutsche Anwaltskanzlei mit Sitz in Hamburg. Ein Partner der Kanzlei schrieb Business Insider jedoch in einem Statement, dass man die Juicy Holdings nicht mehr als Mandantin vertrete und nicht wisse, wer die neuen Anwälte seien. Die Kanzlei streitet außerdem jede Verwicklung mit den Betrugsvorwürfen ab.

Juicy Fields wies die Zahlungsaufforderung der Bafin zurück

Wer auch immer die Juicy Holdings aktuell vertritt – die Zwangsgeldforderung der Bafin hat das Unternehmen mittlerweile zurückgewiesen, wie Business Insider aus Finanzkreisen erfahren hat. Nun wird die Finanzaufsicht den Widerspruch prüfen, gegebenenfalls wird der Fall daraufhin vor Gericht verhandelt.

Geleakte Dokumente wie etwa das Bafin-Schreiben lassen vermuten, dass sich innerhalb dieses Firmengeflechts von Juicy Fields zwei Seiten herausgebildet haben, die sich nun gegenseitig vorwerfen, die Kunden betrogen zu haben.

Auf einem weiteren geleakten Dokument, das Business Insider einsehen konnte, befinden sich die Passkopien einiger Personen, die die eigentlichen Eigentümer von Juicy Fields sein sollen. Der ehemalige CEO Alan Glanse bestätigte gegenüber der spanischen Zeitung "El País Financeiro" die Echtheit der Passkopien, sie sollen die eigentlichen Besitzer der Firma zeigen.

Der Hauptanteilseigner von Juicy Fields soll demnach ein Russe namens Paul Bergolts sein, dem laut dem Dokument 51 Prozent der Firmenanteile gehören. Auch zwei weitere Gesellschafter, Vasily Kandinski und Alex Vaimer, sind russische Staatsbürger.

Die geprellten Juicy-Fields-Anleger haben derweil vergangene Woche eine E-Mail bekommen, die anderen die Schuld zuschiebt. Ob hinter der E-Mail Bergolts und Co. stecken, ist unklar. Einen konkreten Absender gibt es nicht, unterzeichnet ist die Nachricht lediglich von den „Juicy Fields Founding Members“.

Darin heißt es, dass die Gründer vergangenes Jahr von einem gewissen Frederich Graf von Luxburg (laut Unternehmensregisterdaten Friedrich Graf von Luxburg, Anm. d. Red) angesprochen worden seien, der ihnen bei den regulatorischen Anforderungen der Bafin helfen wollte. Der sei es auch gewesen, der ihnen vorgeschlagen habe, Juicy Fields in den Niederlanden zu registrieren. Mit diesem Schritt habe der Graf aber versucht, die Plattform zu übernehmen, das sei den Gründern im Nachhinein klar geworden.

Laut niederländischem Handelsregister wurde die Juicy Holdings B.V. vergangenes Jahr gegründet und führt als eingetragenen Geschäftsführer einen gewissen Robert Michael Müller. Auch ein Deutscher namens Daniel Detlef Walter Dank war dort zwischenzeitlich als Geschäftsführer eingetragen. Hundertprozentiger Besitzer der niederländischen Holding ist jedoch eine Schweizer Firma. Die heißt mittlerweile JuicyFields AG, noch bis Ende des Jahres 2021 hieß sie Luxburg Carolrath. Präsident der Schweizer Firma ist ein Stefan Ludwig Graf von Luxburg, laut der E-Mail der Juicy-Fields-Gründer angeblich der Bruder von Frederich.

Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit mehr als einem Jahr

In der E-Mail heißt es außerdem weiter, dass man notgedrungen alle Accounts habe abschalten müssen, weil der Graf versucht habe, sich Zugang zu den Bankkonten der Firma zu verschaffen. Um ein Schneeballsystem handle es sich jedoch keinesfalls, beteuern die anonymen Absender. Man arbeite daran, die Zugänge wieder zu aktivieren.

Für manche der geprellten Nutzer ein kleiner Hoffnungsschimmer. Vielleicht sei ja doch noch nicht alles verloren, schreibt einer von ihnen an Business Insider, ein Rentner, der eigenen Angaben zufolge insgesamt 26.500 Euro seines Ersparten in die Plattform investiert hat. Die meisten anderen glauben jedoch nicht daran und bereiten indes Sammelklagen vor – gegen die Banken, an die das Geld der Nutzer ging, und gegen die bislang unbekannten Drahtzieher.

Welche der beiden Seiten aktuell über das Vermögen der geprellten Anleger verfügt, dazu scheint auch die Berliner Staatsanwaltschaft noch zu keinem Ergebnis gekommen zu sein. Laut Informationen von Business Insider beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft bereits seit über einem Jahr mit Juicy Fields. Auf die Frage, weshalb es trotz dieses langen Zeitraums nicht bereits zu einem Verbot gekommen sei, wollte sich der Pressesprecher nicht äußern und verwies auf die laufenden Ermittlungen.

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