Musste sich Heynckes das wirklich noch mal antun?

SPORT1-Moderator Thomas Helmer beleuchtet das Comeback von Jupp Heynckes

Die Entscheidung für Jupp Heynckes hat mich ehrlich gesagt gar nicht so überrascht.

Die Verhandlungen mit Thomas Tuchel haben so lange gedauert, dass ich Zweifel bekommen habe, dass sich die Bayern mit ihm einig werden.

Offenbar haben die Probleme in Dortmund im zwischenmenschlichen Bereich da den Ausschlag gegeben. Deshalb hatte ich auch Ottmar Hitzfeld und Jupp Heynckes auf dem Zettel.

Problematisch war bei der Trainersuche sicher, dass die Bayern-Führung keinen Plan B hatte.


Dabei muss die Entwicklung unter Carlo Ancelotti ja schon vorher nicht besonders positiv beurteilt worden sein, wenn man bereits nach sechs Spielen den Trainer entlässt.

Alles zu Bayerns Trainerwechsel am Sonntag im CHECK24 Doppelpass ab 11 Uhr LIVE im TV und STREAM auf SPORT1. Gäste von Moderator Thomas Helmer sind u.a. Christoph Daum und der frühere Weltklasse-Schiedsrichter Urs Meier.

Die Frage ist natürlich, ob sich Heynckes diesen Job als Übergangslösung bis zum Sommer nochmal antun musste.

Er ist als erfolgreichster Trainer bei Bayern abgetreten und hat in den letzten vier Jahren ein sehr ruhiges, sehr zurückgezogenes Leben geführt.

Aber ich denke, wenn Uli Hoeneß anruft, geht man immer ans Telefon. Gerade weil beide so gut befreundet sind. Vermutlich wusste Heynckes schon, worum es geht, als Hoeneß' Name auf dem Display stand.


Aus Sicht der Bayern macht die Lösung in jedem Fall Sinn. Heynckes kennt den Verein und weiß, was erwartet wird. Er kann mit den Spielern umgehen und wird für Ruhe sorgen. Weil er Respekt ausstrahlt und weiß, wie er sich in der Öffentlichkeit, gegenüber den Fans und den Medien verhalten muss.

Ich glaube auch nicht, dass Heynckes die Rückkehr schaden kann. Er ist einfach ein Sympathieträger und der Gewinn des Triples wird immer mit ihm verbunden sein. 

Vielleicht möchte er sogar noch ein Jahr länger machen, wenn es gut läuft. In jedem Fall gehe ich davon aus, dass er voll motiviert ist – sonst würde er das mit 72 Jahren nicht mehr machen.

Ich bin gespannt, ob die Bayern unter Heynckes sportlich die Kurve kriegen. Wenn Du fünf Mal in Folge Meister wirst, schleift sich alles ein. Das hat man in den letzten Wochen deutlich gesehen. Aber eine kleine Durststrecke tut der Bundesliga vielleicht mal ganz gut.