Mussolini reloaded?


17 Meter hoch und 300 Tonnen schwer ist der Marmor-Obelisk auf dem Foro Italico. Früher hieß der Platz Foro Mussolini. Der Duce wollte es in seinem Geltungswahn den römischen Kaisern Cäsar, Augustus und Trajan gleichtun. Wenn diese ihr eigenes Forum hatten, dann auch er. Dazu gehört auch der Obelisk. In der Antike kamen sie aus Ägypten, dieser hier ist aus Carrara in der Toskana. Von oben bis unten prangen ein Meter hohe Buchstaben mit dem Schriftzug „MVSSOLINI DVX“ auf der Säule. Auch heute noch. Die ganzen Jahre über hat sich niemand entscheiden können, den Namen zu entfernen.

Am 28. Oktober 1922 marschierte Benito Mussolini mit seinen Schwarzhemden nach Rom. Eigentlich war es für ihn eine Zugfahrt von Mailand in die Hauptstadt, die Anhänger des Duce versammelten sich vor der Stadt. Der schwache König unternahm nichts dagegen, Mussolini wurde zum Ministerpräsidenten berufen und die Ära des italienischen Faschismus begann, die Hitler beeindrucken und inspirieren und mehr als 20 Jahre dauern sollte.


95 Jahre später, zum Jahrestag, soll es jetzt wieder einen „Marsch auf Rom“ geben. Aufgerufen dazu hat im Netz die „Forza Nuova“, eine rechtsextreme, neofaschistische Gruppierung. Die Aufregung ist groß unter den Demokraten. „Der Marsch wird nicht stattfinden“, sagt Polizeichef Franco Gabrielli. Es sei auch noch keine Anfrage gestellt worden. Auch Bürgermeisterin Virginia Raggi hat sich auf Twitter dagegen ausgesprochen. Die Regierungspartei PD will „Forza Nuova“ verbieten lassen.

Was Sorge bereitet, ist in einem politisch aufgeheizten Klima die inhaltliche Verknüpfung der alten Ideologie mit fremdenfeindlichen Parolen. Sie wollten, so „Forza-Nuova”-Chef Roberto Fiore auf Facebook, gegen die Ausländer im Land marschieren. Und gegen das geplante Gesetz, dass in Italien geborene Kinder von Immigranten die Staatsbürgerschaft erhalten und um „die Gewalt und die Vergewaltigungen von Seiten der Ausländer zu verhindern“.  Das sind im Moment sehr sensible Themen in der italienischen Öffentlichkeit, nachdem es im Sommer Straftaten von afrikanischen Flüchtlingen gegeben hatte wie die Gruppenvergewaltigung einer polnischen Touristin in Rimini, die die populistischen und rechten Kräfte sofort als Munition für ihre Ziele aufgenommen hatten.   


Was ist los in Italien? Driftet das Land nach rechts? Natürlich, Benito Mussolini ist immer noch präsent. Es gibt regelmäßig Wallfahrten nach Predappio, seinem  Geburtsort. Fans in Schwarzhemden kaufen dort merkwürdige Souvenirs  und lassen sich am Grab des Duce mit römischem Gruß fotografieren. Auch im Stadion ist der Faschistengruß zu sehen, vor allem aber im Latium, der Provinz rund um Rom herum. Dort haben die verschiedenen rechtsextremen Kräfte ihre Hausmacht. Auch in Rom gibt es Geschäfte, wo Weinflaschen mit dem Duce-Konterfei im Schaufenster stehen. Im Netz tummeln sich Mussolini-Sites. Das ist mehr als Folklore. Aber es geht um eine Minderheit – die meisten Italiener lehnen faschistische Ideen klar ab.

Die Regierung hält gegen und verschärft die Gesetzgebung. Danach werden faschistische Symbole und Gesten verboten. Es gibt eine Strafe von sechs Monaten bis zu zwei Jahren für den römischen Gruß und die Vermarktung und den Verkauf von Devotionalien. Durch die Abgeordnetenkammer ist das Gesetz bereits, es fehlt noch das Votum des Senats.


Mussolinis Enkelin provoziert gerne

Den populistischen Kampf um die Wähler stachelt das nur weiter an. Bei der Abstimmung waren alle Parteien von Forza Italia über die Lega Nord bis zum Movimento 5 Stelle dagegen, das Votum ging mit Regierungsmehrheit durch. Die Enkelin des Duce, die Europa-Abgeordnete Alessandra Mussolini zeigte prompt ein Foto des Großvaters in einer Talkshow. Sie provoziert gern. „Werde ich jetzt dafür bestraft?“, fragte sie, „warum werden nicht die ins Gefängnis geschickt, die rauben, vergewaltigen und andere Verbrechen begehen?“

Der Antifaschismus ist In der Verfassung verankert und es gibt seit vielen Jahren entsprechende Gesetze. Das neue Gesetz ist nur eine zusätzliche Maßnahme. Doch eines zeigt die Aufregung: Italien hat es versäumt, seine Geschichte aufzuarbeiten. Auch die des Kommunismus. Mancher lebt noch in der Don-Camillo-und-Peppone-Zeit.


Die Inschrift auf dem Marmor-Obelisken bleibt vorerst weiter. Immerhin, ein anderes fragwürdiges Denkmal ist verschwunden. Ein Waldbrand zerstörte im trockenen und heißen Sommer den Berghang des Monte Giano in der Provinz von Rieti im Latium. Bis dahin war die Schrift „DVX“, geformt aus 20.000 Pinien, 1939 von Mussolini-Anhängern gepflanzt, sogar von der Autobahn zu sehen.