Muss Amazon sich Sorgen um die neue Shopping-App von Shopify machen? Weniger, als du vielleicht denkst!

John Ballard

Shopify (WKN: A14TJP) ist ein aufstrebendes Schwergewicht im E-Commerce. Mehr als 1 Million Unternehmen nutzen seine Plattform, um damit einen Onlinehandel hochzuziehen. Der Wert der Aktie ist in den letzten Jahren in die Höhe geschnellt, aber Shopify wächst immer noch schnell und investiert weiterhin in neue Möglichkeiten, um seinen Burggraben gegenüber möglichen Rivalen zu erweitern.

Kürzlich hat Shopify seine neue Shopping-App mit dem Namen Shop eingeführt. Das bedeutet, dass nun neue Saiten aufgezogen werden bei einem Unternehmen, das sich bisher in erster Linie darauf konzentriert hat, kleinen Unternehmen beim Onlinewachstum zu helfen. Mit der Shop-Software bringt Shopify sein durch die Unterstützung von Händlern erworbenes Know-how ein, um den Verbrauchern dabei zu helfen, Produkte zu entdecken und Bestellungen für diese Produkte über Shop Pay aufzugeben.

Es macht den Eindruck, als würde Shopify ständig neue Funktionen und Dienste einführen, die Amazon.com (WKN: 906866) das Leben erschweren könnten. Im vergangenen Jahr erwarb Shopify auch 6 River Systems, einen Anbieter von cloudbasierter Software und mobilen Robotern, der die Fulfillment-Tätigkeiten von Shopify erheblich verbessern wird.

Trotz dieser eindrucksvollen Entwicklungen denke ich allerdings nicht, dass Amazon deshalb beunruhigt sein muss. Warum? Ich werde versuchen, das im Folgenden genauer darzulegen.

Ein Werkzeug, um die Verkäufe von Kleinunternehmen zu fördern

So ganz neu ist die Shop App eigentlich gar nicht. Sie stellt im Grunde ein Rebranding und eine Verbesserung der Arrive App von Shopify dar, mit der Verbraucher Bestellungen bei Onlinehändlern verfolgen können, die die Dienste von Shopify nutzen. Arrive wurde von 16 Millionen Käufern genutzt. Die neue App integriert Shop Pay, das Verkäufe im Wert von über 8 Milliarden US-Dollar abgewickelt hat, und wird als Zahlungsmethode für die Bearbeitung der über die App aufgegebenen Bestellungen dienen.

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung der App während der COVID-19-Krise veranschaulicht, welcher Gedanke wirklich hinter diesem Schritt von Shopify steht. In einer Pressemitteilung erklärte das Management: „Infolge der sozialen Distanzierung und der Maßnahmen zum Verbleib in den eigenen vier Wänden sind die Kunden mehr denn je auf Onlinebestellungen angewiesen, da es immer schwieriger wird, mit den Marken, die sie lieben, in Verbindung zu bleiben.“

In diesem Umfeld leiden die kleinen Unternehmen. Großunternehmen, die allgegenwärtige Markenprodukte über Amazon verkaufen, wird es gut gehen, aber es gibt zahllose Kleinunternehmer, die sich wünschen würden, dass die Menschen jetzt schon in ihren Geschäften einkaufen und kurzfristig etwas zusätzliches Geld in die Kasse bringen, um die Betriebsausgaben, insbesondere die Gehälter etwaiger Angestellter, zu finanzieren.

Die Shop App soll genau solchen Händlern dabei helfen, ihre Verkäufe zu steigern, da sie den Kunden auf der Grundlage der Kaufhistorie neue Produkte empfiehlt. Dies ist ein anderes System als Amazon, das Werbe- und Empfehlungsfunktionen nutzt, um Kunden zu neuen Produkten von Marken zu lenken, an die sie sonst vielleicht nicht gedacht hätten.


Chart erstellt mit YCharts: Vergleich der prozentualen Kursentwicklung von Amazon.com und Shopify seit 2015

In ihrer jetzigen Form ist die Shop App im Grunde genommen ein Tool, das dir dabei hilft, bei Händlern, bei denen du bereits in der Vergangenheit eingekauft hast, Wiederholungskäufe zu tätigen. Die App-Entwicklung muss hier allerdings nicht enden: Es besteht das Potenzial, im Laufe der Zeit neue Marken zu empfehlen, basierend auf dem wachsenden Netzwerk von Unternehmen, die sich auf der Shopify-Plattform befinden. In der Pressemitteilung, in der die App angekündigt wurde, sagte Shopify: „Shop stellt sicher, dass die Kunden von Händlern die Schaufenster ihrer Lieblingsmarken sowie neue Marken immer wieder neu entdecken.“

Selbst wenn die Shop App sich also noch mehr zu einem leistungsfähigen Tool zum Entdecken von Produkten und Marken entwickeln sollte, gibt es immer noch einen Grund, warum Amazon in der Lage sein sollte, sich zu behaupten.

Die Shop App kann Prime nicht ersetzen

Amazons größter Trumpf ist sein Prime-Programm für treue Kunden, das den Mitgliedern nicht nur schnellen Versand bei unbegrenzter Bestellung gegen eine feste Gebühr bietet, sondern auch andere Extras wie Prime Video und Musik. Amazons Unterhaltungsdienste sind nicht die beliebtesten in diesem Bereich, aber sie bieten zusätzliche Vorteile für die mehr als 150 Millionen Menschen, die Prime abonnieren.

Millionen von Kunden nutzen Amazon für bestimmte Zwecke, wie zum Beispiel die Lieferung von Lebensmitteln der Tochter Whole Foods oder den schnellen Versand von Millionen anderer Artikel. Für die speziellen Artikel, die auf Amazon nicht zu finden sind, stellen viele kleine Händler über ihre eigenen Websites eine Verbindung zu den Kunden her, und die Shop App wird diesen Händlern helfen, ihre Sichtbarkeit bei den Kunden zu erhöhen.

Die Fortschritte beim Versandmanagement von Shopify werden die Händler in die Lage versetzen, der Nachfrage nach schnellem Versand nachzukommen, ein Service, durch den Amazon Prime populär wurde.

Es könnte sein, dass Shopify in einige Kategorien vordringt, die Amazon bereits bedient. Aber im Einzelhandel dreht sich alles darum, zu einem wettbewerbsfähigen Preis zu verkaufen. Amazon hat Walmart vor 25 Jahren beim E-Commerce geschlagen, aber Walmart ist immer noch da und wächst. In der weiten offenen Welt des E-Commerce gibt es offensichtlich viel Platz für mehrere große Akteure.

Die Shop App ist kein Amazon-Killer

Die Shop App ist ein Werkzeug, das dazu beiträgt, die Verbindungen zwischen Händlern und ihren Bestandskunden zu verbessern. Sie wird jedoch nicht Amazons 25 Millionen Quadratmeter an Fulfillment- und Rechenzentrumskapazität auf der ganzen Welt sowie die riesige Auswahl und den schnellen Versand ersetzen, die den Mitgliedern von Amazon Prime geboten werden.

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Dieser Artikel wurde von John Mackey auf Englisch verfasst und am 09.05.2020 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.
John Mackey, CEO von Whole Foods Market, einer Tochtergesellschaft von Amazon, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. John Ballard besitzt Aktien von Amazon und Shopify. The Motley Fool besitzt Aktien von Amazon und Shopify und empfiehlt diese Unternehmen.

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