Musk wirft Twitter weiteren Verstoß gegen Übernahme-Vereinbarung vor

In seinem Rechtsstreit mit Twitter führt der US-Milliardär Elon Musk nun einen weiteren Grund für das Zurückziehen seines Übernahmeangebots für den Kurzbotschaftendienst ins Feld. Musks Anwälte schrieben am Freitag (Ortszeit) an die Rechtsabteilung von Twitter, das Unternehmen habe am 28. Juni eine Vereinbarung über eine Millionen-Abfindung für den früheren Twitter-Sicherheitschef Peiter Zatko getroffen, ohne Musk darüber zu informieren.

Zatko und seinen Anwälten wurden demnach von Twitter 7,75 Millionen Dollar zugessprochen. Musks Anwälte werfen dem Unternehmen vor, gemäß der Übernahme-Vereinbarung hätte es Musk um Zustimmung zu dieser außergewöhnlichen Ausgabe bitten müssen.

Musk hatte im April eine Übernahme von Twitter für 44 Milliarden Dollar angekündigt, noch im selben Monat schlossen beide Seiten dazu eine Vereinbarung. Anfang Juli ließ Musk den Deal jedoch wegen angeblich "falscher und irreführender" Angaben des Kurzbotschaftendienstes platzen.

Hintergrund ist die Zahl von Spam- oder Fake-Konten auf Twitter. Musk wirft Twitter vor, die tatsächliche Zahl der Nutzer zu hoch zu beziffern. Twitter weist Musks Anschuldigungen zurück und pocht auf den Vollzug der Übernahme.

Zatko spielt in dem Rechtsstreit eine zentrale Rolle. Der ehemalige Sicherheitschef von Twitter hat in einem Bericht an die US-Börsenaufsicht, an das Justizministerium und die US-Wettbewerbsbehörde von "schweren und schockierenden Schwachstellen" bei dem Onlinedienst gesprochen. Er wirft seinem früheren Arbeitgeber auch falsche Angaben zur Zahl der Nutzer vor. Twitter weist die Anschuldigungen zurück.

Der eigentliche Prozess im Übernahme-Streit zwischen Musk und Twitter beginnt am 17. Oktober vor einem spezialisierten Gericht im Bundesstaat Delaware an der US-Ostküste. Musk ist mit einem Vermögen von mehr als 270 Milliarden Dollar der reichste Mensch der Welt.

yb