Musikalische Meditation: Die Isländer Sigur Rós spielen ihre Publikum in Trance

Sphärische Klänge: Sigur Rós spielten im Tempodrom (Archivbild)

Der Oscar für die besten visuelle Effekte geht an die Lichtdesignerin von Sigur Rós. Ihr Name ist Sarah Hopper. Sie hätte beim Schlussapplaus mit auf der Bühne stehen sollen. Was im Tempodrom hinter, neben und auf der isländischen Band an Bilderregen niederging, war kinoreif. Star Wars meets rot blinkende Neuronennetze, die sich zu Landschaften auffalten, dann in Gesichter transformieren. Aufgehende Galaxien, schwarze Sonnen oder einfach nur Kameraflüge über isländische Küstenstreifen in Schwarz-Weiß.

Genauso abstrakt und körperlich zugleich wie die Musik von Sigur Rós: dieser Slow Motion Rock, der klingt, als hätte sich Pink Floyd Mitte der 70er Jahre in Island verlaufen und einzig Roger Waters wäre zu uns zurückgekommen. Warme E-Piano-Bässe laufen durch Plattenknistern. Die von Sänger Jónsi Birgisson mit einem Bogen gespielte, abgewetzte Gibson-Gitarre flirrt und knarzt. Nach dreißig Minuten spielt Drummer Orri Páll Dýrason zum erstem Mal einen Beat auf dem Becken. Dann folgt ein Lärmausbruch, der einen fast umwirft. Ein paar Takte später ist alles wieder ruhig, als wär nichts passiert.

Jónsis Falsett scheint selbst in den wuchtigsten Passagen aus einen anderen Welt herüber zu singen, durch eine Art Membran – meist auf Isländisch oder in einer Fantasiesprache, die er "Vonlenska" nennt: Hoffnungsländisch. Dem ungebildeten Mitteleuropäer verschwimmt das zu einem freien Vokalisieren, einer Stimme als Instrument. Ganz verkehrt ist das nicht: So wie Sigur Rós keine herkömmlichen L...

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