Münster-Anschlag: Twitter-User entsetzt über Reaktion von AfD-Politikern

Beatrix von Storch fällt regelmäßig mit Twitter-Provokationen auf. (Bild: Getty Images)

Während die meisten Politiker nach dem Auto-Anschlag in Münster trauern, reagieren einige Bundestagsabgeordnete der AfD mit verstörenden Twitter-Beiträgen. Dahinter steckt eine Strategie.

Es war noch nicht einmal richtig klar, was eigentlich genau in Münster geschehen war, da reagierte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag bereits auf Twitter. In Großbuchstaben schrieb Beatrix von Storch „Wir schaffen das!“. Zu diesem Zeitpunkt stand weder fest, ob es sich bei dem Auto-Anschlag auf Gäste des Restaurants Kiepenkerl um Terrorismus, einen Unfall oder eine Amok-Fahrt handelte.

Der Tweet von Storch lässt keine Interpretationen zu: Die Politikerin ging offensichtlich davon aus, dass ein Muslim beziehungsweise ein Flüchtling für die Schreckenstat verantwortlich sei. Denn „Wir schaffen das“ war jener Satz, mit dem Bundeskanzlerin Angela Merkel im Sommer 2015 verdeutlichen wollte, dass das reiche Deutschland die Kraft habe, zehntausenden Flüchtlingen zu helfen.


Die Reaktionen auf den Tweet von Storch fallen eindeutig aus. So schreibt etwa ein User: „Statt Empathie oder Mitgefühl zu zeigen oder wenigstens auf sichere Informationen zu warten, haben Sie sich ungefähr zum 20. Mal als menschenfeindliche, herablassende, gefühlslose Lebensversagerin geoutet. Glückwunsch zu so viel Widerlichkeit.“ Für diesen Beitrag bekam der User mittlerweile mehr als drei Mal so viele Likes wie Storch für ihr Originalposting.

Ein weiterer User meint: „Ohne Anstand, Mitgefühl und Empathie – Beatrix von Storch muss ein Bot sein!“ Noch heftiger fällt die Reaktion einer anderen Userin aus: „Die Frau hat eine schwarze Seele und einen braunen Geist. Das erstickt alle Ansätze von Anmut im Keim.“

Auch andere AfD-Politiker nahmen den Auto-Anschlag von Münster zum Anlass, um ihre Agenda in Sachen Islam voranzutreiben. Der Bundestagsabgeordnete Markus Frohnmaier fragte auf seinem Twitter-Account ironisch: „Was folgt aus Münster? Nicht die Täter – überwiegend Muslime – sind das Problem, sondern Tatmittel. In Hamburg hat EDEKA (nach dem ein Mann von einem Asylanten „gemessert“ wurde) diese aus dem Sortiment entfernt. Also wird diese verrückte Bundesregierung auch bald PKWs verbieten.“ Auch ihm fliegen nun auf Twitter heftige Reaktionen um die Ohren. Ein User schreibt etwa: „Gott, wie arm muss man sein, um derart dümmliche Aussagen zu posten.“


Mit Norbert Kleinwächter hat ein Bundestagsabgeordneter der AfD seinen Tweet inzwischen wieder zurückgezogen, nachdem bekannt wurde, dass ein Mann deutscher Herkunft mit psychischen Problemen den Anschlag begangen hatte. Der Politiker hatte am Samstagabend gepostet: „Wann begreift die Regierung, dass diese verblendeten Islamisten, diese irren Zeitbomben, schlichtweg nicht nach und erst recht nicht zu Deutschland gehören?“

Wie das Recherchezentrum Correctiv auf Twitter schreibt, handelt es sich bei den Äußerungen von AfD-Politikern nach Anschlägen um ein erkennbares Muster: „1. Merkel angreifen & islamistischen Anschlag verteufeln. 2. Zurückrudern & Polizei unterstützen. 3. Das Argument: Deutscher Täter ändert nix an Islam-Gewalt. Das Ziel des Musters: Verunsicherung & Hass streuen“.


Dazu postete Correctiv noch die Tweets, die Beatrix von Storch nach ihrem ersten Wut-Posting veröffentlicht hat. Darin schreibt Storch, dass selbst wenn es sich in diesem Fall um keinen islamistsichen Anschlag gehandelt habe, der Islamismus dennoch ein Problem darstelle. Storch schlachtet also die Amok-Fahrt eines psychisch gestörten Einzeltäters aus, um damit auf ein ähnliches aber dennoch vollkommen anderes Thema umzuschwenken.

Einen Beitrag, in dem sie ihr Mitgefühl mit den Angehörigen der Opfer ausdrückt, hat Storch bisher nicht gepostet.