Munich Re hat weiter Risikoappetit

Die Hurrikans in der Karibik und im Golf von Mexiko bescheren den Rückversicherern historisch hohe Schäden. Die Munich Re rechnet im dritten Quartal mit einem Verlust - will ihr Geschäft aber trotzdem ausbauen.


Das Branchentreffen der Rückversicherer im September in Monte Carlo stand ganz im Zeichen der Hurrikans Harvey, Irma und Maria wenige Tage vorher. Dass die teuer für die Branche werden würden, war bereits nach Ansicht der Bilder in den Nachrichten klar.

Die Gewinnwarnung des Branchenriesen Munich Re wenige Tage später war dann keine Überraschung mehr. „Trotz der ansonsten guten Geschäftsentwicklung könnte das bislang angepeilte Ziel eines Jahresgewinns von bis zu 2,4 Milliarden Euro verfehlt werden“, hieß es da aus der Münchener Zentrale. Im dritten Quartal rechnen die Münchener wegen der schweren Stürme in der Karibik und im Golf von Mexiko sogar mit einem Verlust.
Einen Strategieschwenk bedeutet das aber nicht, stellte Munich Re-Vorstand Hermann Pohlchristoph beim Branchentreff am Montag in Baden-Baden klar. „Das waren keine Ereignisse, die unseren Risikoappetit schmälern“. Stattdessen wollen sie solchen Katastrophen bei der Munich Re künftig mit einem besseren Risikomanagement begegnen.


Die Münchener sehen ihre Rolle dabei künftig deutlich breiter und umfangreicher angelegt. Statt nur dann einzuspringen, wenn ein Großschaden entstanden ist, wollen sie schon vorher quasi als Servicedienstleister in Prävention und Schadenminimierung auftreten. Potenzielle Gefahren in den traditionell akut gefährdeten Gebieten wie im Golf von Mexiko, aber auch in Südostasien, Australien oder Japan sollen frühzeitig erkannt werden. Dass ein solches Vorhaben nur mit hohen Ausgaben in die IT-Infrastruktur möglich ist, versteht sich. Pohlchristoph macht daraus auch kein Hehl. „Gleichzeitig erwarten wir hier auch das höchste Marktpotenzial“, rechnet er dagegen.

In diesem Jahr dürften die Schäden für die Branche so hoch sein wie selten in den Geschichte. Die Belastungen für die Branche dürften die Marke von 100 Milliarden Dollar überschreiten, rechnen Experten. Das gab es bislang lediglich in den Jahren 2005 und 2011. „Die Serie von sehr starken Hurrikans ist ungewöhnlich, aber auch nicht außerhalb der Bandbreite verglichen mit früheren Jahren“, wertet Pohlchristoph die jüngsten Naturkatastrophen.

Ob damit auch die Preise für Versicherungsleistungen dauerhaft wieder anziehen werden, ist fraglich. In der Vergangenheit führten sie lediglich zu einer kurzzeitigen Erholung. Kam es im Folgejahr wieder zu weniger Schäden, dann gerieten sie erneut unter Druck. Pohlchristoph ist deshalb vorsichtig. Die Preise müssten künftig nachhaltig adäquat sein. Dass er damit nur andere Worte für höhere Preise wählt, ist offensichtlich.