"Die Mumie": Völlig unnötig wieder ausgegraben

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"Die Mumie": Völlig unnötig wieder ausgegraben

Zur Abwechslung befindet sich Hollywoods nimmermüde Allzweckwaffe Tom Cruise auf einer "Mumie: Impossible". Doch begeht der Film einige Fehler zu viel.

Hollywood-Recke Tom Cruise (54) hat in "Mission: Impossible" schon die halsbrecherischsten Stunts hingelegt. Ist in "Edge of Tomorrow" unzählige Tode gestorben. Durfte in "Interview mit einem Vampir" das charismatische Monster spielen. Bei "Krieg der Welten" vor einem übermächtigen Feind davonsprinten. Von alldem entleiht sich sein neuer Film "Die Mumie" einzelne Versatzstücke und schmeckt sie mit überraschend viel Humor sowie dem titelgebenden Bandagen-Zombie ab. Aber nicht immer entsteht aus vielen Zutaten auch schmackhafte Filmkost...

Sehr alt und sehr stinkig

Vor Jahrtausenden hätte die ägyptische Prinzessin Ahmanet (Sofia Boutella) eigentlich den Königsthron besteigen sollen. Das heißt, bevor ihre Eltern sehr zu ihrem Ärger männlichen Nachwuchs zeugten, der sich vor sie in die Thronfolge quetschte. Als sie daraufhin ihre gesamte Familie kaltblütig meuchelte, erging es ihr wenig später nicht besser: Um die Welt vor der Tyrannin zu bewahren, wurde sie kurzerhand lebendig mumifiziert und tief in der Erde begraben.

In der Gegenwart weiß man nichts von dem schlummernden Monster, das nach der Ewigkeit in Gefangenschaft zum puren Bösen gereift ist - bis eine Explosion ihr Grab freilegt und die Mumie weckt. An dieser verhängnisvollen Befreiung ist der leichtsinnige Abenteurer Nick Morton (Tom Cruise) nicht ganz unschuldig - folgerichtig ist er es auch, den die Mumie als ihren Auserwählten wähnt, der an ihrer Seite der Schreckensherrschaft beiwohnen soll. Doch der Verfluchte hat dagegen etwas auszusetzen und versucht gemeinsam mit der Archäologin Jenny Halsey (Annabelle Wallis) sowie Doktor Henry Jekyll (Russell Crowe) das drohende Unheil aufzuhalten.

"Die Mumie" ist nicht totzukriegen

Haben wir es uns doch gedacht: nicht etwa ausgesprochen gute Gene sind für Tom Cruises jugendliches Aussehen und seine erstaunlichen Sprint-Fähigkeiten mit 54 Jahren verantwortlich - der Mann wurde einfach nur von einer Mumie verflucht! Die Energie, mit der sich der Mime nimmermüde von Action-Szene zu Action-Szene schmeißt, kugelt, springt, ist schlichtweg unglaublich. Wenn, ja wenn es doch nur für einen besseren Film wäre...

Ebenfalls unglaublich: es ist schon fast wieder 20 Jahre her, dass sich Brendan Fraser im gleichnamigen Film eines gleichnamigen Gegners erwehren musste. Doch im Gegensatz zu Frasers Karriere ist "Die Mumie" einfach nicht totzukriegen. Durchaus verwunderlich ist aber, dass der neue Streifen weitestgehend dieselbe Tonalität des Films von 1999 an den Tag legt, soll heißen: düstere, nicht gerade zimperliche Wesen im Blutrausch treffen auf mitunter ziemlichen Klamauk. Anscheinend fand auch im Jahr 2017 der Regisseur Alex Kurtzman ("Zeit zu leben") keine Möglichkeit, die Geschichte einer rachsüchtigen Mumie in einen reinrassigen Horrorfilm zu verbauen.

Dummerweise ist das Ergebnis somit weder Sphinx noch Pharao. Angesichts der Scharen von Untoten und optisch sehr überzeugenden Handlangern des Titelscheusals zu schaurig für Zartbesaitete. Angesichts der bizarren (und zur rechten Zeit wirkungslos verpuffenden) Humor-Einlagen aber zu albern für die Gegenseite. Im Versuch, es irgendwie allen recht machen zu wollen, passiert bei "Die Mumie" das genaue Gegenteil.

Dr. Jekyll und Russell Crowe

Den Vogel abgeschossen haben Regisseur Kurtzman und seine Drehbuchschreiber aber bei der Figur Doktor Henry Jekyll alias Russell Crowe. Ganz recht, es handelt sich dabei tatsächlich um DEN Dr. Jekyll - jenen Wissenschaftler, der gerne mal Besuch von seinem bösen Alterego Mister Hyde bekommt. Die ohnehin schon aufgeblasene Fantasyhandlung wird durch ihn komplett unnötig zum Platzen gebracht.

In jeder Sekunde bangt man daraufhin, dass noch irgendwoher Dorian Gray und Kapitän Nemo aus ihrem Versteck springen und erneut "Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen" bilden. Ein Film, der genauso tief begraben gehört, wie die fiese Prinzessin Ahmanet zu Beginn von "Die Mumie". Schon klar: mit dem Film als Auftakt soll à la "Avengers" die Riege des sogenannten "Dark Universe" auf die Leinwand kommen - als nächstes offenbar Dracula. Große Vorfreude darauf will aber nicht aufkommen.

Die Lichtblicke

Einige gute Haare lassen sich aber auch an der neuen alten Mumie finden. Einige der Action-Szenen, allen voran die Sequenz eines Flugzeugabsturzes zu Beginn des Films, sind nervenaufreibend inszeniert. Die Computereffekte sind ebenfalls überzeugend, das 3D stört zumindest nicht - was wahrlich nicht immer der Fall ist. Zudem ist die Hassliebe zwischen Nick Morton (Cruise) und Jenny Halsey (Wallis) ein durchgehender Pluspunkt. Er ist halt einfach ein charmanter Schelm, dieser Cruise, dem man selbst seinen Scientology-(Irr)Glaube irgendwie nicht böse nehmen will.

Fazit:

Tom Cruise reißt sich auch im Kampf gegen "Die Mumie" seinen Allerwertesten auf - wie eigentlich immer. Doch so beeindruckend die Physis des 54-Jährigen ist, so erschreckend kalt lassen einen weite Teile seines neuen Filmes. Mit welcher Finanzkraft Russell Crowe davon überzeugt wurde, eine derartige Rolle anzunehmen, wird zudem auf ewig ein Geheimnis bleiben.

Foto(s): Universal Pictures Germany, Universal Pictures Germany, Universal Pictures Germany