Multi-Asset-ETFs: Fluch oder Segen?

Christof Welzel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.
Aktien und ETfs in der Corona Krise zum Vermögensaufbau nutzebn
Aktien und ETfs in der Corona Krise zum Vermögensaufbau nutzebn

ETFs erfreuen sich einer zunehmenden Beliebtheit. Von 2005 bis 2019 wuchs ihr verwaltetes Vermögen von 417 auf 6.181 Mrd. (6,2 Bio.) US-Dollar. Ein Ende der Zuflüsse und des Wachstums ist derzeit nicht absehbar, denn die Indexfonds besitzen einen entscheidenden Vorteil gegenüber aktiv gemanagten Fonds, wie wir sie aus der Vergangenheit kennen: Sie sind deutlich günstiger in ihrer Verwaltung, was in den meisten Fällen auch der Anlegerrendite zugutekommt.

Günstig, aber nicht unbedenklich

Dennoch gibt es auch hier jede Menge Fallstricke, die nicht außer Acht gelassen werden sollten. So werden die Indizes von ETFs oft über sogenannte Swaps nachgebildet. Der Anleger investiert dann nicht in die Aktien des Index, sondern in ein besichertes Derivat. Erkennbar sind diese ETFs an der Bezeichnung „synthetisch“.

Auch, wenn ETFs sehr günstig sind, sollten Anleger immer kritisch bleiben und genau prüfen, was sie tatsächlich kaufen. Die Anbieter möchten weiterhin Geld verdienen und entwickeln deshalb jede erdenkliche Art von Indexfonds, die 1) gefährlich sein können und 2) für den Vermögensaufbau nicht benötigt werden.

Vorteile der Multi-Asset-ETFs

Ein Trend sind die sogenannten Multi-Asset-ETFs, was übersetzt bedeutet, dass der angebotene Fonds gleich in mehrere andere ETFs aus verschiedenen Anlageklassen (Aktien, Anleihen, Rohstoffe usw.) investiert.

Der Grundgedanke dabei ist, dass Anleger nur noch einen ETF (entsprechend der gewünschten Gewichtung) auswählen müssen. Wahrscheinlich möchte man so den Beratern das Leben erleichtern, die den Kunden dann ganz praktisch eine vorgegebene Aktien-Anleihen-Gewichtung im Bereich 20 % / 80 % bis 80 % / 20 % anbieten können.

Für den Anleger entfällt der Aufwand einer regelmäßigen Neugewichtung der Depotzusammensetzung und der ETF-Auswahl. Vanguard bietet beispielsweise seit Kurzem unter dem Namen Vanguard LifeStrategy verschiedene Portfolio-Strategien an. Die Gesamtkostenquote liegt hier bei jährlich 0,25 %. Dies ist genau der Preis, den wir für das Komplettangebot zahlen. Bei 100.000 Euro Anlagesumme kämen wir also jährlich auf 250 Euro.

Nachteile der Multi-Asset-ETFs

Dennoch muss berücksichtigt werden, dass die im Fonds enthaltenen ETFs ebenfalls eine ähnliche jährliche Gebühr erheben, sodass unser Anlagebetrag dann in Summe jährlich mit etwa 0,5 % belastet würde. Wer also sparen möchte, wählt seine ETFs weiterhin selber aus.

Ein Nachteil könnte zudem sein, dass wir den Überblick über die Transaktionen und die Fonds im Portfolio-ETF verlieren, denn in der Regel werden wir nicht bemerken, wie oft und warum Fonds getauscht werden. Wir müssen also am Ende trotzdem weiterhin kontrollieren, was im Multi-Asset-ETF vor sich geht, um nicht plötzlich Fonds zu halten, die wir nicht mögen. Damit ist der Vorteil des geringeren Kontrollaufwandes bereits neutralisiert.

Ein weiterer Nachteil wird die geringere Rendite gegenüber einem reinen Aktien-ETF-Depot sein. Dieser ergibt sich zum einen aus den höheren Kosten und zum anderen aus der Beimischung von Anleihen, die – wie wir wissen – derzeit so hoch bewertet sind wie noch nie und fast keine Zinsen mehr einbringen.

Fazit

Multi-Asset-ETFs sind ein Versuch, die Anlage zu standardisieren und es den Beratern und Anlegern einfacher zu machen. Wer aber Kosten sparen, langfristig eine bessere Rendite erzielen und die volle Kontrolle über seine Anlagen behalten möchte, sollte seine ETFs weiterhin besser selber auswählen. Der Aufwand dafür ist gering und meist nur einmal notwendig. Zudem entscheiden dann nur wir, wann und ob wir einen ETF tauschen, bleiben kritisch und lernen über die Zeit hinzu.

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