Warum Muhammad Ali in München zum Würger wurde

·Lesedauer: 2 Min.
Warum Muhammad Ali in München zum Würger wurde
Warum Muhammad Ali in München zum Würger wurde

In Kinshasa besiegte er George Foreman beim "Rumble in the Jungle", auf den Philippinen Joe Frazier im "Thrilla in Manila". Was weniger bekannt ist: Auch in München machte Muhammad Ali einst für einen Titelkampf Station.

Ein ähnlich schmissiger Name für den Fight gegen Richard Dunn heute vor 45 Jahren ist nicht überliefert. Er war - man muss es bei allem Lokalpatriotismus einräumen - auch nicht für die Ewigkeit gemacht. Wenngleich er dennoch auf eigene Weise Geschichte schrieb.

Die deutschen Weltmeister von 1974 fieberten mit Ali

Es war der 24. Mai 1976, Jahr zwei nach dem "Rumble", Jahr eins nach dem "Thrilla", Ali setzte seine gut vermarktete Weltmeister-Welttournee in Deutschland fort, wo er zehn Jahre zuvor schon Karl Mildenberger besiegt hatte.

Diesmal gastierte "The Greatest" im Münchener Olympiastadion, ein Ereignis, das viele prominente Fans anlockte, unter ihnen die Fußball-Weltmeister Sepp Maier, Günter Netzer und Paul Breitner sowie auch Ski-Liebling Rosi Mittermaier.

Die Münchener Society musste für Ali ihren Schlafrhythmus umstellen, der erste Ringgong des Ali-Kampfs schlug erst um 3.26 Uhr nachts Ortszeit. Dass die Live-Übertragung in die USA dort die beste Sendezeit hatte, war den Promotern wichtiger als die Bedürfnisse der deutschen Fans.

Ali gab aber dennoch in gewohnter Manier sein Bestes, allen Zuschauerinnen und Zuschauern Unterhaltung zu liefern.

Richard Dunn als "Frankenstein" verhöhnt

Gegner Dunn, der sich einen Monat zuvor gegen den Deutschen Bernd August zum Europameister gekrönt hatte, wurde wie schon Frazier, Foreman und Co. bereits im Vorfeld Zielscheibe von Alis kreativen Spielchen. Der heute 76-Jährige aus Leeds wurde von Ali als "Frankenstein" verspottet, in Anspielung auf sein etwas unvorteilhaftes Äußeres und seinen Mangel an Agilität.

Bei einer Pressekonferenz, bei der die beiden Trash-Talk austauschten, packte Ali Dunn vor den verdutzten Reportern gar plötzlich am Kragen. Es war aber recht klar ersichtlich, dass es eine Spielerei war, um den Kampf anzuheizen, auch Dunn war amüsiert statt erbost.

Eine weitere Vermarktungsmaßnahme Alis - zu dessen Pressetross damals auch der junge Waldemar Hartmann gehörte - waren Showtrainings im berühmten Circus Krone. Zehn D-Mark Eintrittspreis halfen dabei, dass Ali vier Millionen Mark an dem Kampf verdiente.

Muhammad Ali landete in München seinen letzten K.o.

Sportlich war er eine eindeutige Angelegenheit, obwohl Ali nach dem zermürbenden dritten Fight gegen Frazier eindeutig nicht mehr in Bestform war, reichte es für Dunn noch locker.

Nach insgesamt fünf Niederschlägen gegen den Briten brach der Ringrichter in der fünften Runde ab. Es war der letzte K.o.-Sieg für Ali, zwei Jahre ehe der in diesem Jahr verstorbene Leon Spinks ihn entzauberte.

Dunn, der nach seiner Boxkarriere Gerüstbauer wurde, blickte in einem TV-Interview 2016 dennoch "mit großer Freude" auf den Kampf zurück. Die Ehre, dem Größten aller Zeiten begegnet zu sein, war ihm nicht mehr zu nehmen.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.