Mourinhos Wochen der Wahrheit

Philip Kearney
·Lesedauer: 3 Min.

Im Schatten der strauchelnden Riesen Liverpool und Manchester City sind die Tottenham Hotspur gut in die Saison gestartet.

Die Mannschaft von Trainer José Mourinho liegt nach acht Spieltagen mit starken 17 Punkten auf Tabellenplatz zwei.

Vorne läuft es dank der Ausnahmekönner Heung-Min Son und Harry Kane, hinten besticht man durch neu gefundene Stabilität (nur neun Gegentore).

In Matt Doherty, Sergio Reguilón und Pierre-Emile Hojbjerg schlugen zudem gleich drei Neuzugänge ein (alle Stammspieler).

Auch Königstransfer und Rückkehrer Gareth Bale deutete seine Extraklasse bereits an, erzielte gegen Brighton den späten Siegtreffer.

Spurs im Stile eines Champions

Beeindruckend ist jedoch nicht nur die Transferpolitik der Spurs oder der derzeitige Tabellenplatz, sondern auch die Art und Weise, wie die Mannschaft aus dem Norden Londons ihre Spieler gewinnt.

Die letzten drei Partien in der Premier League gewann Tottenham jeweils mit einem Tor Differenz. Eine Tugend, die nicht selten Top-Mannschaften auszeichnet.

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Dass diese Resultate jedoch kein Zufall, sondern das Ergebnis einer neuen Marschroute sind, erklärte Mourinho jüngst nach dem 1:0-Sieg am vergangenen Sonntag gegen West Brom: "Dieses Spiel hat Ähnlichkeiten zu dem gegen Burney, wo uns die null hinten im Rennen um die drei Punkte gehalten hat. Wenn du dann ein Tor schießt, ist es an der Zeit, kompakt zu stehen und für den Sieg zu kämpfen. Wir haben den Schmerz gegen West Ham gefühlt, seitdem verhält sich diese Mannschaft strategisch in einer anderen Art und Weise."

Mourinho verzichtet auf Kampfansage

Doch die Spurs können auch Spektakel. So feierte man sowohl in der Europa League gegen Maccabi Haifa (7:2) einen Kantersieg als auch in der Liga gegen Southampton (5:2) und Manchester United (6:1).

Auch mit Rückschlägen weiß die Mannschaft offenbar umzugehen. So folgten beispielsweise auf die überraschende Pleite in der Europa League gegen Antwerpen zuletzt wettbewerbsübergreifend drei Siege in Folge.

Trotz all dem will Mourinho (noch) nichts von einem Titelkampf wissen. "Es ist mir egal", sagte der Portugiese jüngst auf die Frage, ob die Spurs nun Titelanwärter seien.

Tottenham erwartet Mammutprogramm

Das Desinteresse des Portugiesen nach rund einem Fünftel der Saison kommt jedoch nicht von ungefähr.

Denn Mourinho weiß, dass auf die Spurs nach der Länderspielpause ein Mammutprogramm wartet, das für den restlichen Saisonverlauf richtungsweisend sein könnte.

Den Auftakt macht am 21. November das Heimspiel gegen Manchester City, in dem "The Special One" auf seinen ewigen Rivalen Pep Guardiola trifft.

Eine Woche später gastieren die Nord-Londoner im ersten von drei aufeinanderfolgenden Stadt-Derbys beim wiedererstarkten FC Chelsea.

Holen Spurs ersten Liga-Titel seit 60 Jahren?

Anfang Dezember wartet dann Erzrivale Arsenal, wiederum eine Woche später Crystal Palace, derzeit immerhin Tabellenachter.

Das Kalenderjahr endet mit einem Duell gegen den derzeitigen Tabellenführer Leicester City sowie einem Gastspiel bei den Wolverhampton Wanderers.

Sollten die Spurs dann immer noch vor Liverpool und Manchester City liegen, dürfte das Desinteresse des Special One am Titelrennen sinken.

Und die Hoffnung der Spurs-Fans auf den ersten Liga-Titel seit 60 Jahren in die Höhe schnellen.