Motorsport: Neustart oder Totalschaden - DTM kämpft um ihre Zukunft

Vier Wochen nach dem großen Knall war nur auf der Strecke alles ganz normal. Das Gebrüll der Boliden hallte über die Dünen an der Nordsee, die DTM bot in Zandvoort durchaus spannenden Rennsport. Doch wenn die Motoren schwiegen, war Gerhard Berger gefordert - im beinahe vergeblichen Kampf um eine positive Grundstimmung.

Vier Wochen nach dem großen Knall war nur auf der Strecke alles ganz normal. Das Gebrüll der Boliden hallte über die Dünen an der Nordsee, die DTM bot in Zandvoort durchaus spannenden Rennsport. Doch wenn die Motoren schwiegen, war Gerhard Berger gefordert - im beinahe vergeblichen Kampf um eine positive Grundstimmung.

"Nochmal", sagte der neue DTM-Boss und klang schon etwas genervt, "ich sehe keine Krise. Mercedes hat alles fair gemacht, wir haben eineinhalb Jahre Vorlaufzeit." Am ersten Rennwochenende nach der Ausstiegsankündigung des Herstellers aus Stuttgart war dieser Schock das Hauptthema.

Die DTM scheint ernsthaft in ihrer Existenz bedroht, doch die Vertreter der Rennserie gaben sich in Zandvoort betont kämpferisch. "Die Rennen, die wir hier gesehen haben, sind der klare Beweis", sagte BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt dem SID: "Das ist die beste Tourenwagenserie der Welt. Die ist es wert, dafür zu kämpfen."

Am Wochenende nahm der extrem ausgeglichene Titelkampf eine weitere Wendung: Der zweimalige Champion Mattias Ekström (Audi) erkämpfte trotz Reifenproblemen die Gesamtführung zurück - und gleich hinter ihm liegt nun Titelverteidiger Marco Wittmann (BMW), der durch seinen ersten Saisonsieg am Sonntag plötzlich wieder zu den Favoriten zählt.

Die Show stimmte also in Zandvoort. Und auch Dieter Gass, DTM-Chef bei Audi, will die Serie erhalten. "Dieser Tourenwagensport auf einem hohen Level ist ein wichtiger Bestandteil unserer Motorsportstrategie", sagte er in der ARD: "Man muss jetzt schauen, was es für Alternativen gibt."

Mercedes verabschiedet sich 2019 aus der DTM

Denn nach der Saison 2018 verabschiedet sich Mercedes in die Elektroserie Formel E, Stand jetzt bleiben dann nur noch zwei Hersteller, und damit sind in der Tat alle Szenarien denkbar: Von der Geburt einer internationalen Premiumserie - bis zum jähen Ende aller Hoffnungen.

Sogar über das Aus der DTM schon nach der laufenden Saison wird eifrig spekuliert, da allerdings widersprechen die Beteiligten doch vehement. Auch Berger sagte am Wochenende viel zu diesem Thema, am deutlichsten äußerte er sich bei Sport1: "Ich kann garantieren, dass es die DTM auch 2018 mit diesen drei Herstellern gibt."

Und es gibt für die Zeit danach durchaus Alternativen. So ist eine ohnehin seit Jahren angedachte Kooperation mit der japanischen Super GT der wohl logischste Weg zur Rettung. Das gemeinsame "Class-One-Reglement" für diesen Schritt liegt quasi in der Schublade, dazu müsste die jetzige Motorenformel der DTM (Vierliter-V8) auf einen Zweiliter-Vierzylinder-Turbo umgestellt werden.

BMW hat "Plan A und B"

"Wir haben einen Plan A und einen Plan B", sagt BMW-Mann Marquardt: "Der Fokus liegt auf dem Plan A, auf unserem Format. Und mit der Super GT sind wir relativ nah beisammen." In Japan fahren Toyota (mit Lexus), Honda und Nissan jetzt schon den entsprechenden Motor.

Ansonsten müsse man sich "Plan B anschauen", dieser ist allerdings deutlich schwammiger. Möglich erscheint die völlige Neuerfindung der Serie, etwa mit dem Einsatz von GTE-Fahrzeugen.

Bei aller Begeisterung der Motorsport-Abteilungen bleibt allerdings eins zu bedenken: Die finale Entscheidung wird wohl eine Stufe höher getroffen, auf Konzernebene. Das neue Produkt muss sich für ein weltweit agierendes Unternehmen als PR-Plattform lohnen. Auch das bringt nun gewaltigen Druck für die Entwickler.

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