Motorsport am Abgrund? ADAC-Boss schlägt Alarm

Sportinformationsdienst

Seit mehr als 50 Jahren ist Hermann Tomczyk im Motorsport aktiv. Er hat viel gesehen und mitgemacht - aber eine solche Situation ist selbst für den erfahrenen Sportpräsidenten des ADAC neu.

Eigentlich hätte Tomczyk das vergangene Wochenende in Oschersleben beim Saisonstart des ADAC GT Masters verbracht. Für Tomczyk ist dies seit vielen Jahren ein Pflichttermin, doch in Zeiten der Coronakrise ist alles anders.


ADAC-Chef: Dann wird es schwer, zu überleben

Der Motorsport steht still - und bei Tomczyk und Co. wachsen angesichts der ungewissen Zukunft die Sorgen. "Es ist eine schwierige Zeit für den gesamten Motorsport", sagte der 69-Jährige und forderte: "Wir müssen daran arbeiten, dass wir die Basis des Sports wieder zum Laufen bringen. Das ist der Grundstock des ganzen Motorsports in Deutschland."

Andernfalls stünden Existenzen auf dem Spiel. "Daran hängen viele Teams, die auf die Finanzierung durch ihre Sponsoren angewiesen sind. Wenn wir nicht fahren können, dann wird es für viele Teams schwer, zu überleben", sagte Tomczyk. Keine Rennen, keine Einnahmen, keine Zukunft? Um zu verhindern, dass dieses Szenario Realität wird, sei es "extrem wichtig, dass in diesem Jahr noch Motorsport in Deutschland stattfindet", meinte der Funktionär.

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Lösung sind Rennen 2020

Tomczyk weiß, wovon er spricht. Erst unter der Woche wurde der vom ADAC veranstaltete Große Motorrad-Preis von Deutschland auf dem Sachsenring gestrichen. Bei einer Veranstaltung mit diesen Dimensionen die einzige logische Konsequenz. "Kein Mensch kann etwas dagegen machen", so Tomczyk: "Der Schutz aller Teilnehmer, ob Zuschauer, Fahrer oder Funktionäre, muss im Vordergrund stehen."

Während der Spitzensport derartige Tiefschläge zumindest für eine gewisse Zeit verkraften kann, droht in den unteren Klassen ohne Aussicht auf Besserung langsam, aber sicher der Kollaps.

Die Lösungen sind Rennen, und damit diese in absehbarer Zeit wieder stattfinden, braucht es "viel Fingerspitzengefühl bei der Planung und Umsetzung". Und die nötige Unterstützung, um ein umfassendes Sicherheitskonzept, Hygienestandards und genügend Testkapazitäten auf die Beine zu stellen.

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Tomczyk fordert baldiges Ende der Beschränkungen

Dafür stehen der ADAC, der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) im Austausch. Allerdings muss auch die Politik grünes Licht geben. "Wir haben alle noch die Chance, dass der Sport gut weiterläuft", sagte Tomczyk: "Aber es muss ein Ende der Beschränkungen absehbar sein."


Weil Großveranstaltungen in Deutschland derzeit bis zum 31. August verboten sind, wird der ADAC den Start seiner Rennserien vermutlich in den Herbst verlegen. Man prüfe derzeit alle Optionen für einen Saisonbeginn im August, sagte Tomczyk, wohlwissend, dass die "Kalenderplanung natürlich aktuell extrem schwierig" sei und man "nicht jede Überschneidung vermeiden" könne.

Dies sei in Zeiten von Corona aber unvermeidbar. "Das Wichtigste ist jedoch", sagte Tomczyk, "dass die Fahrzeuge in diesem Jahr wieder rollen und der Sport weiterlebt." Alle Rennen werden live und in voller Länge von SPORT1 übertragen.