MotoGP-Fahrermanager erklärt, wie schwierig das Training aktuell ist

Juliane Ziegengeist

Aktuell weiß niemand genau, wann die MotoGP in ihre Saison starten kann. Das Coronavirus breitet sich weiterhin rasant aus, sodass mit einem regulären Rennbetrieb in absehbarer Zeit wohl nicht zu rechnen ist. Viele Fahrer leben in häuslicher Isolation, an eine normale Saisonvorbereitung ist kaum zu denken.

Auch für Simone Battistella, der als Manager unter anderem MotoGP-Pilot Andrea Dovizioso betreut, ist die Situation völlig neu. Im Videochat mit Niki Kovacs hat er verraten, was ihn momentan beschäftigt. "Es ist für uns alle seltsam, vieles wurde gecancelt oder verschoben", sagt der Italiener, der in London lebt.

"Was wir im Moment tun, ist, die Logistik zu reorganisieren. Für den ersten Teil der Saison war ja bereits alles gebucht. Außerdem geht es darum sicherzustellen, dass die Fahrer in der Lage sind zu trainieren und sich fit zu halten, während sie die neuen Regeln in ihren Ländern einhalten", erklärt der Fahrermanager.

Training auf dem Motorrad nur mit negativem Test

Seine Schützlinge sollen sicher sein, aber auch trainiert und motiviert bleiben. "Wir stehen jeden Tag mit ihnen in Kontakt, um zu sehen, wie es ihnen geht und was sie tun. Viel mehr können wir im Moment nicht machen." Ihre Trainingsmöglichkeiten sind aufgrund geltender Ausgangssperren in vielen Ländern begrenzt.

"Wir versuchen, ihnen dabei zu helfen, ihr Training zu organisieren. Weil uns dafür nicht die gewohnten Mittel zur Verfügung stehen, müssen wir neue finden", weiß Battistella. "Aktuell können sie nur zu Hause trainieren, also wenn sie einen eigenen Fitnessraum oder dergleichen haben. Öffentliche Studios sind geschlossen."

Privates Motorradtraining ist aktuell nur unter strengen Auflagen erlaubt

Privates Motorradtraining ist aktuell nur unter strengen Auflagen erlaubt LAT

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"Was das Motorradfahren angeht, benötigen sie eine medizinische Bestätigung darüber, dass sie nicht infiziert sind. Für den Fall können sie auf einem Bike trainieren, aber ohne Kontakt zu anderen. Das macht es schwierig, denn wenn du trainieren gehst, brauchst du in der Regel einen Mechaniker oder Assistenten."

MotoGP-Fahrermanager empfiehlt mentales Training

Und als wäre das nicht schon kompliziert genug, seien zudem auch noch alle Strecken geschlossen. "Ich weiß nicht, wie die Situation in Spanien ist, aber ich schätze sehr ähnlich zu der in Italien", sagt Battistella. Beide Länder stellen die mit Abstand meisten Fahrer in den drei Klassen der Motorrad-WM 2020.

Um die freie Zeit sinnvoll zu füllen, empfiehlt der Manager mentales Training: "Die Fahrer, mit denen ich arbeite, machen das. Ich halte es für wichtig, denn so ist man nicht nur beschäftigt, sondern kann die extra Zeit nutzen, um an Details zu feilen, um die man sich im Winter oder während der Saison nicht kümmert."

"Aber wenn es darum geht zu bewerten, wie sich die Situation auf die Fahrer auswirkt, werden wir erst dann mehr wissen, wenn sie wieder auf die Strecke gehen und Rennen fahren. Ob sie dann auf den Punkt genau da sind, zurückliegen oder vielleicht sogar übermotiviert sind...", blickt Battistella gespannt voraus.

Mit Bildmaterial von LAT.