„Wer motiviert ist, kommt auch mal ohne Schlaf zurecht“: Christoph Gröner gibt Einblick in seine Welt als einer der größten Bauunternehmer Deutschlands

Aufhören zu arbeiten kommt für den 55-Jährigen nicht infrage: „Ich habe nicht mal ein Viertel von dem erreicht, was ich will.“ - Copyright: Lisa Kempke für Business Insider
Aufhören zu arbeiten kommt für den 55-Jährigen nicht infrage: „Ich habe nicht mal ein Viertel von dem erreicht, was ich will.“ - Copyright: Lisa Kempke für Business Insider

Früher trug er Zement auf seinem Rücken, heute ist er einer der größten Bauunternehmer in Deutschland: Christoph Gröner, CEO der Gröner Group. Der 55-Jährige baut mit seiner Firma Wohnungen, Hochhäuser und ganze Quartiere. Business Insider traf den Baulöwen zu einem Interview.

Business Insider: Sie haben mal erzählt, dass Sie 20 Stunden am Tag arbeiten. Da bleiben nur vier Stunden Schlaf. Wie schafft man das?

Christoph Gröner: „Wenn Sie motiviert sind, kommen Sie auch mal ohne Schlaf zurecht. Drei, vier Stunden Schlaf sind dann eben an der Tagesordnung. Ich hole es dann am Wochenende nach.“

BI: Machen Sie auch Urlaub?

Gröner: „Ja, ich mache Urlaub. Aber Urlaub eines Unternehmers sieht anders aus, als man sich es im Allgemeinen so vorstellt. Wenn die Kinder zu Bett gegangen sind, dann wird noch mal der Laptop aufgeklappt. Es werden drei, vier Stunden E-Mails beantwortet, Telefonate geführt – auch gerne mal in die Nacht. Unternehmer sind Sie 24 Stunden, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr.“

BI: Muss man so arbeiten, um erfolgreich zu sein?

Gröner: „Nein. Ich glaube, es gibt viele Möglichkeiten, erfolgreich zu sein. Es gibt Menschen, die bessere und einfachere Konzepte haben und mit weniger Arbeit viel erfolgreicher geworden sind, als ich es bin. Bei mir hat Erfolg viel mit Zähigkeit, Durchhaltekraft und Fleiß zu tun. Und viel Glück, sonst kommt man da nicht hin, wo ich heute bin.“

BI: Wie wichtig ist eine gesunde Work-Life-Balance?

Gröner: „Ich habe während meiner Arbeit noch nie auf die Uhr geschaut und überlegt, wann es wieder nach Hause geht. Das Gegenteil ist der Fall. Ich schaue abends um 18:00 Uhr auf die Uhr und denke: Um Gottes willen, dieser Tag ist ja schon wieder vorbei. Insofern hat Unternehmersein, beziehungsweise erfolgreich sein, auch etwas mit Berufung zu tun. Wer erfolgreich sein will, muss was dafür tun. Es geht nicht, dass Sie morgens ins Büro gehen und darüber nachdenken, wann es wieder nach Hause geht.“

BI: Wann haben Sie gemerkt, dass es der richtige Job für Sie ist?

Gröner: „Das ist schwierig. Ich glaube, so was entsteht nicht bewusst. Nach dem abgebrochenen Studium habe ich eine Aufgabe gesucht und angefangen, Keller zu sanieren. Dann hat mich jemand gefragt, ob ich das auch in der Wohnung kann. Ich habe mich vom Bauhelfer zum Facharbeiter langsam hochgearbeitet und mich selbstständig gemacht. Meine Karriere geht über 30 Jahre. Das darf man sich nicht vorstellen, dass ich vor 30 Jahren das Bild von mir heute im Kopf hatte, sondern ich wollte einfach Geld verdienen.“

Früher arbeitete Gröner selbst auf den Baustellen

BI: Wie sah Ihr Arbeitsalltag als Bauhelfer aus?

Gröner: „Bäder sanieren, Estrich verlegen, Wände verputzen, Häuser von innen sanieren, Zement tragen. Wenn Sie meinen Orthopäden fragen, der sieht es heute noch an meinem Kreuz.“

BI: Beim Kauf Ihrer ersten Immobilie waren Sie 20 Jahre alt. Was war das für ein Objekt?

Gröner: „Das war ein Altbau in Karlsruhe, ein verfallenes Haus. Am Schluss ist ein Banker-Pärchen eingezogen, die das von uns fertig saniert erworben haben.“

Business-Insider-Redakteur Leo Ginsburg im Gespräch mit Christoph Gröner.  - Copyright: Lisa Kempke für Business Insider
Business-Insider-Redakteur Leo Ginsburg im Gespräch mit Christoph Gröner. - Copyright: Lisa Kempke für Business Insider

BI: Wie teuer war das Haus?

Gröner: „Das Haus kostete insgesamt 280.000 DM. Zusätzlich hatte ich die Möglichkeit, einen kleinen Neubau daraufzusetzen, das war das Geschäft. Die Sanierung kostete auch etwa 200.000 DM. Das Haus hatte ungefähr 150 Quadratmeter. Wenn man dann 540.000 bis 580.000 DM verdient hat, war das eine zufriedenstellende Größenordnung. So konnte man an einem Haus umgerechnet von etwa 50.000 bis zu 100.000 Euro verdienen.“

BI: Woher kam das Geld?

Gröner: „Das habe ich mir zusammen geliehen. Ein bisschen von guten Bekannten, die Geld hatten, ein bisschen Sparkasse und das war's.“

BI: Heute zählen Sie zu den größten Bauunternehmern in Deutschland. Wie viele Immobilien gehören Ihnen?

Gröner: „Insgesamt werden es ungefähr 80 bis 100 Projekte sein, allerdings ist es schwer zu sagen, da viele der Projekte aus einer Handvoll oder mehreren Immobilien bestehen können.“

Der Tag beginnt mit Sport um 5:30 Uhr

BI: Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Gröner: „Ich stehe jeden Morgen zwischen fünf und sechs Uhr auf. Wenn ich nicht auf Reisen bin, gehe ich zum Sport. Ich trainiere am liebsten morgens zwischen 5:30 und 7:00 Uhr. Gegen 7:30 will ich im Büro sein, aber ich bin nicht allzu streng mit dieser Zeitplanung. Ansonsten stehe ich um sieben Uhr am Flughafen und fliege zu einem meiner Standorte in Köln, Karlsruhe, Stuttgart oder München, um mich vor Ort mit meinen Mitarbeitern zu treffen. Wir besprechen die Probleme mit den Niederlassungsleitern, die Strategie und ich möchte auch als Unternehmer sichtbar und greifbar sein. Danach setze ich mich hin und bearbeite E-Mails. Wir arbeiten gemeinsam mit unseren Vorstandskollegen an Lösungen, schreiben Briefe, machen Angebote, sprechen mit Investoren und gehen zu Banken, um Finanzierungen zu besprechen.“

BI: Sie sind verheiratet, haben vier Kinder. Wie vereinbaren Sie Ihr Arbeitspensum mit Ihrer Familie?

Gröner: „Wenig schlafen. Wenn Sie viel arbeiten und oft abwesend sind, wird Ihnen Ihre Familie das nicht verzeihen. Sie sollten nicht glauben, dass Ihre Familie Sie für Ihre Leistungen bewundert, wenn Sie nach Hause kommen. Kinder fordern natürlich ein. Jetzt, wo meine Kinder älter sind, brauchen sie weniger Aufmerksamkeit. Das verlagert sich jetzt mehr auf die Wochenenden, wenn sie von der Schule oder dem Studium zurückkehren. Es war mir immer wichtig, dass ich Zeit für sie habe.“

Bauunternehmer Christoph Gröner mit Partnerin Nicole Berger auf dem Roten Teppich des 27. Leipziger Opernballs.  - Copyright: picture alliance/dpa | Heiko Rebsch
Bauunternehmer Christoph Gröner mit Partnerin Nicole Berger auf dem Roten Teppich des 27. Leipziger Opernballs. - Copyright: picture alliance/dpa | Heiko Rebsch

BI: Gab es Abende in Ihrem Leben, wo Sie nach einem harten Arbeitstag sich aufs Sofa gelegt und gedacht haben: Ich arbeite zu viel.

Gröner: „Nein, das habe ich nie gedacht. Man kommt eher in eine Situation, dass wenn man mal um sieben nach Hause kommt und nicht um neun, man sich fragt: Oh, hätte ich nicht noch eine Stunde was Produktives machen können?“

An Rente denkt Gröner nicht: „Nicht mal ein Viertel von dem erreicht, was ich will“

BI: Bei einem Immobilieninvestor stellt sich natürlich die Frage, wie er selbst wohnt.

Gröner: „Ich lebe in einer überschaubaren Immobilie - ein Einfamilienhaus – ein Altbau, wie ich es am liebsten mag. Ich hoffe, dass auch meine Kritiker mir eine Wohnfläche von etwa 300 Quadratmetern zugestehen.“

BI: Ihr privates Vermögen wird auf 80 Millionen Euro geschätzt. Stimmt das?

Gröner: „Heute Morgen vielleicht, heute Abend nein. Darüber zu spekulieren ist jedoch sinnlos, da der größte Teil meines Vermögens in Immobilien investiert ist, diese schwanken im Wert. Es ist reine Spekulation.“

BI: Sie sind 55 Jahre alt. Gehen Sie in zehn Jahren in Rente?

Gröner: „Ich habe nicht mal ein Viertel von dem erreicht, was ich will.“