Moskauer Polizei nimmt dutzende Ultranationalisten bei Märschen fest

Demonstranten am Samstag in Moskau

In Moskau hat die Bereitschaftspolizei am Samstag dutzende Teilnehmer an ultranationalistischen Märschen festgenommen. An den genehmigten Demonstrationen zum Tag der Einheit des Volkes beteiligten sich unter anderen rassistische Gruppen und Skinheads. Sie bezeichneten Staatschef Wladimir Putin in Sprechchören als "Dieb" und forderten Freiheit für inhaftierte Gesinnungsgenossen.

Wegen eines Streits der Organisatoren gab es in diesem Jahr zwei Märsche. An dem Marsch im Süden der Hauptstadt nahmen nach Polizeiangaben 200 Ultranationalisten teil. Ein AFP-Reporter schätzte die Zahl der Demonstranten, überwiegend junge Männer, auf 300. Bei dem anderen Marsch im Nordwesten Moskaus zählte der unabhängige Fernsehsender TV Doschd rund 200 Teilnehmer. Dort wurden demnach acht Menschen festgenommen, weil sie vermummt gewesen seien.

Für den Marsch im Süden Moskaus gab ein Polizeibeamter die Zahl der Festnahmen gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Tass mit 32 an, eine Nichtregierungsorganisation sprach von 25 Festgenommenen. Ein Mitorganisator des Marsches sagte der Nachrichtenagentur Interfax, mehr als 70 Menschen seien abgeführt worden.

Mit Helmen und Schutzkleidung ausgerüstete Polizisten nahmen im Süden Moskaus zahlreiche Demonstranten fest, als diese ein Verbot missachteten, Banner mit Parolen mitzuführen. Ein Sprecher für die Partei der Nationalisten sagte, mit dem sogenannten Russischen Marsch werde auf die "Verletzung unserer Rechte" hingewiesen. Die Partei spricht von "Überfremdung" durch Muslime und einem "Völkermord" an ethnischen Russen.

Der 4. November ist in Russland der Tag der Einheit des Volkes, mit dem der Befreiung Moskaus von der polnisch-litauischen Besatzung im Jahr 1612 gedacht wird. Alljährlich marschieren Ultranationalisten an diesem Tag durch Moskau.

Der Oppositionspolitiker und Anwalt Alexej Nawalny, der bei der Präsidentschaftswahl im März 2018 gegen Putin antreten will, trat früher als Redner beim Russischen Marsch auf. Er prägte den Begriff "Partei der Gauner und Diebe" für Putins Partei Einiges Russland.

Regelmäßig ruft Nawalny zu Protesten gegen Putin auf und prangert Korruption in Russland an. Der Wahlkommission zufolge darf er wegen einer Verurteilung zu einer fünfjährigen Bewährungsstrafe wegen Veruntreuung im Februar dieses Jahres nicht an der Wahl teilnehmen.