Moskauer Polizei nimmt dutzende Teilnehmer an ultranationalistischem Marsch fest

Demonstranten am Samstag in Moskau

In Moskau hat die Bereitschaftspolizei am Samstag dutzende ultranationalistische Teilnehmer am sogenannten Russischen Marsch festgenommen. An der jährlichen, von den Behörden genehmigten Demonstration beteiligen sich regelmäßig unter anderen rassistische Gruppen und Skinheads.

Dieses Jahr gab es nach Polizeiangaben 200 Teilnehmer. Ein AFP-Reporter schätzte die Zahl der Demonstranten, überwiegend junge Männer, auf 300. Sie bezeichneten Staatschef Wladimir Putin in Sprechchören als "Dieb" und forderten Freiheit für inhaftierte Gesinnungsgenossen. Ein Polizeibeamter gab die Zahl der Festnahmen gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Tass mit 30 an, eine Nichtregierungsorganisation sprach von 41 Festgenommenen. Ein Mitorganisator des Marsches erklärte, mehr als 70 Menschen seien abgeführt worden.

Mit Helmen und Schutzkleidung ausgerüstete Polizisten nahmen zahlreiche Demonstranten fest, als diese ein Verbot missachteten, Banner mit Parolen mitzuführen. Die Veranstalter sagten den Marsch daraufhin ab. Ein Sprecher für die Partei der Nationalisten sagte, mit dem Russischen Marsch werde auf die "Verletzung unserer Rechte" hingewiesen. Die Partei spricht von "Überfremdung" durch Muslime und einem "Völkermord" an ethnischen Russen.

Der 4. November ist in Russland der Tag der Einheit des Volkes, mit dem der Befreiung Moskaus von der polnisch-litauischen Besatzung im Jahr 1612 gedacht wird.

Der Oppositionspolitiker und Anwalt Alexej Nawalny, der bei der Präsidentschaftswahl im März 2018 gegen Putin antreten will, trat früher als Redner beim Russischen Marsch auf. Regelmäßig ruft er zu Protesten gegen Putin auf und prangert Korruption in Russland an. Der Wahlkommission zufolge darf er wegen einer Verurteilung zu einer fünfjährigen Bewährungsstrafe wegen Veruntreuung im Februar dieses Jahres nicht an der Wahl teilnehmen.