Putin: Russland verzichtet trotz IOC-Entscheidung auf Olympia-Boykott

Putin bei seiner Rede im GAZ-Automobilwerk

Der russische Präsident Wladimir Putin hat einen Boykott der Olympischen Winterspielen in Südkorea ausgeschlossen. "Wir werden mit Sicherheit keinerlei Boykott erklären", sagte Putin am Mittwoch bei einem Werksbesuch in Nischni Nowgorod. Das IOC hatte Russland am Dienstagabend wegen staatlichen Dopings von den Spielen in Pyeongchang im Februar ausgeschlossen. Russische Athleten dürfen aber unter der olympischen Flagge antreten, wenn sie nachweislich nicht gedopt sind.

"Wir werden unsere Olympioniken nicht daran hindern, am Wettbewerb teilzunehmen", sagte Putin während seiner Ansprache in einer Automobilfabrik, in der er auch seine Kandidatur für eine vierte Amtszeit als Staatschef ankündigte. "Wir müssen uns dennoch mit den getroffenen Entscheidungen sowie mit den Dokumenten und ihren Einzelheiten auseinandersetzen", fügte Putin hinzu.

Das letzte Wort habe "natürlich" das Olympischen Team. Für ihn sehe die IOC-Entscheidung "absolut inszeniert und politisch motiviert aus", sagte Putin. Es gebe in Russland kein staatlich gefördertes Dopingprogramm.

Putin hatte vor der IOC-Entscheidung vor einer "ernsthaften Schädigung der olympischen Bewegung" gewarnt. Es gebe "zwei Optionen". "Entweder Russland zu zwingen, unter neutraler Flagge anzutreten, oder es überhaupt nicht zu den Olympischen Spielen zuzulassen", erklärte Putin. "Jede ist eine Erniedrigung für das Land."

Putins Sprecher Dmitri Peskow kündigte vor den Äußerungen des Präsidenten allerdings an, dass Moskau mit kühlem Kopf auf Russlands Ausschluss von den Spielen reagieren werde. Es "wäre falsch, hier den Emotionen nachzugeben", sagte er.

Dem IOC liegen nach eigenen Angaben Beweise vor, wonach russischen Sportlern mit einem staatlich unterstützten Dopingprogramm zu Medaillengewinnen verholfen wurde. Zentrale Erkenntnisse finden sich im sogenannten McLaren-Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), der nach dem kanadischen Juristen Richard McLaren benannt ist.

Russische Medien reagierten enttäuscht auf die IOC-Entscheidung. "Es ist sehr schwer, die Anschuldigungen und Strafen anzunehmen", schrieb die Tageszeitung "Sport Express". "Aber das Schicksal unserer Athleten sowie unsere Stellung in der olympischen Familie zu erhalten, ist wichtiger", hieß es dort weiter. Die Zeitung kritisierte die IOC-Entscheidung als "sehr harsch und in mancher Hinsicht sogar erniedrigend für Russland".

Die regierungstreue Zeitung "Istwestija" titelte, dass es ohne Russland nicht gehe. Das Blatt betonte, die russischen Athleten würden "den Stolz des Mutterlandes unter jeder Fahne verteidigen".

Russische Sportler riefen dazu auf, trotz der Entscheidung weiter zu trainieren. Eishockey-Stürmer Ilja Kowaltschuk sagte der Nachrichtenagentur Tass, nicht zu Olympia zu gehen, käme einem Aufgeben gleich. Stabhochspringerin Jelena Isinbajewa sagte, Sportler sollten "nicht verzweifeln und ihr Training für die Spiele fortsetzen".

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) begrüßte am Mittwoch die IOC-Entscheidung. "Das IOC hat systematisches russisches Doping während der Olympischen Winterspiele in Sotschi festgestellt", erklärte er. "In Anbetracht dieses Ergebnisses ist die Entscheidung des IOC konsequent." Der für Sportpolitik zuständige Minister begrüßte "das damit verbundene klare Signal an alle Staaten: Wer systematisch dopt, hat keinen Platz in der olympischen Familie."

Die IOC-Entscheidung überschattet auch Russlands Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr, zumal gegen den lange Zeit für den Spitzensport zuständigen russischen Vize-Regierungschef Witali Mutko ein lebenslanges Olympia-Verbot ausgesprochen wurde. Dieser steht dem Organisationskomitee der Fußball-WM vor.