Moskau räumt inzwischen 89 Tote bei Raketenangriff auf russische Armee ein

Moskau hat den Tod weiterer russischer Soldaten nach dem ukrainischen Raketenangriff in der ostukrainischen Stadt Makijiwka eingeräumt. "Die Zahl unserer toten Kameraden ist auf 89 gestiegen", teilte das russische Verteidigungsministerium am Mittwoch mit. Laut ukrainischer Armee waren bei dem Angriff in der Silvesternacht allerdings fast 400 russische Soldaten ums Leben gekommen. Derweil kündigte Frankreich an, den ukrainischen Streitkräften erstmals Panzer westlicher Bauart liefern zu wollen.

Nachdem unter den Trümmern des Gebäudes in Makijiwka weitere Leichen gefunden worden seien, liege die Opferbilanz des ukrainischen Angriffs nun bei 89 Toten, sagte General Sergej Sewrijukow in einem Video, das vom russischen Verteidigungsministerium veröffentlicht wurde.

In einem ungewöhnlichen Schritt hatte Moskau am Montag zunächst den Tod von 63 Soldaten eingeräumt. Die Verluste gehören zu den schwersten, die Russland seit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine im vergangenen Februar bei einem einzelnen Angriff erlitten hat. Die Ukraine bekannte sich zu dem Angriff.

Eine Kommission untersuche die Umstände des Angriffs, führte Sewrijukow aus. Die Schuld sieht er bei russischen Soldaten in dem Stützpunkt in Makijiwka, die trotz eines Verbots ihre Handys benutzt hätten. Es sei "bereits klar", dass die Hauptursache des Angriffs "das Einschalten und die massive Verwendung von Handys durch das Personal in Reichweite feindlicher Waffen" gewesen sei.

Dadurch habe die ukrainische Armee den russischen Stützpunkt orten können. Sewrijukow kündigte die Bestrafung der Verantwortlichen an sowie Maßnahmen, damit sich derartige Vorfälle nicht wiederholten.

Die einflussreiche Chefredakteurin des russischen Staatssenders RT, Margarita Simonjan, lobte die Ankündigung der Armee, Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen. "Ich hoffe, dass die Namen dieser Menschen" veröffentlicht werden, sagte sie. "Es ist an der Zeit zu verstehen, dass Straflosigkeit nicht zu sozialer Harmonie führt. Straflosigkeit führt zu neuen Verbrechen. Und damit zu öffentlichem Dissens."

Der pro-russische Separatistenführer in der Ostukraine, Denis Puschilin, lobte indessen den "Heldenmut" der russischen Soldaten. Ähnlich äußerte sich der Gouverneur der Region Samara, Dmitri Asarow, aus der einige der Soldaten stammten. Er erklärte, die Verletzten besuchen zu wollen, die in die südrussische Stadt Rostow nahe der Grenze zur Ukraine gebracht wurden.

Der Vorfall löste im Internet in Russland Kritik an der Militärführung aus. "Nicht die Mobiltelefone und ihre Besitzer sind Schuld, sondern die banale Fahrlässigkeit der Kommandeure, die, da bin ich mir sicher, nicht einmal versucht haben, die Menschen aus dem Gebäude zu verlegen", hieß es in der Gruppe "Notizen eines Veteranen" im Onlinedienst Telegram, der 200.000 Konten folgen.

Zudem gab es Forderungen nach einer transparenten Untersuchung des Vorfalls. "Sie werden es in die Länge ziehen und im schlimmsten Fall jemandem in die Schuhe schieben", schrieb ein Nutzer auf VKontakte.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte kündigte unterdessen in einem Telefonat mit seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj an, Paris werde Kiew "leichte Kampfpanzer" aus französischer Produktion liefern. Es handelt sich um Panzer des Typs AMX-10 RC.

Es sei das erste Mal, dass Panzer westlicher Bauart an die ukrainischen Streitkräfte geliefert würden, hieß es nach dem Telefonat  beider Präsidenten aus der französischen Regierung. Wann und wieviele Panzer geliefert werden sollen, wurde zunächst nicht bekanntgegeben.

Beide Kriegsparteien in der Ukraine meldeten weitere Tote bei den Kämpfen. Nach Angaben eines vom Kreml installierten Beamten in der Südukraine wurden zwei Zivilisten bei einem ukrainischen Angriff in der Region Saporischschja getötet. Der ukrainische Generalstab sprach von russischen Angriffen auf Kramatorsk, Saporischschja und Cherson. Ukrainischen Angaben zufolge wurden innerhalb von 24 Stunden fünf Menschen getötet.

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