In Mordfall Johanna kamen Ermittler durch andere Sexualstraftat auf Verdächtigen

Suche nach Johanna im September 1999

In dem nach 18 Jahren mutmaßlich aufgeklärten Sexualmordfall Johanna sind die Ermittler durch eine andere Sexualstraftat auf den nun festgenommenen Tatverdächtigen gekommen. Der des Mordes an dem acht Jahre alten Mädchen verdächtige Mann sei im August vergangenen Jahres zufällig Passanten bei sexuell motivierten Fesselungsspielen mit einem 14-jährigen Mädchen in einem Maisfeld aufgefallen, sagte Staatsanwalt Thomas Hauburger am Donnerstag im hessischen Gießen vor Journalisten.

Dies habe umfangreiche Ermittlungen gegen den 41-Jährigen ausgelöst, die nun zu seiner Festnahme führten. Die Polizei hatte am Mittwoch die Festnahme des Tatverdächtigen in Friedrichsdorf bekannt gegeben. Laut Hauburger ließ dieser sich gegenüber dem Haftrichter "überwiegend geständig" ein. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord und besonders schwere sexuelle Nötigung vor.

Demnach brachte er das achtjährige Kind am 2. September 1999 in seine Gewalt, legte es in den Kofferraum seines Wagens, nötigte es sexuell und tötete das Mädchen. Anschließend habe er die Leiche in einem Waldstück abgelegt, wo sie im April 2000 gefunden wurde.

Dem Staatsanwalt zufolge gibt es neben dem weitgehenden Geständnis auch zwei konkrete Spuren, die dem Verdächtigen zugeordnet werden konnten. An einem Klebeband, mit dem er Johanna gefesselt habe, sei ein Teilabdruck seines linken Daumens nachgewiesen worden. Außerdem seien an in seiner Wohnung gefundenen Klebebändern Fasern gefunden worden, die identisch seien mit Fasern vom Tatort im Mordfall Johanna.

Der Fall beschäftigte Ermittler in der betroffenen Region seit Jahren, wiederholt gab es neue Versuche zur Aufklärung. Der Polizei zufolge wurde zwar bereits Anfang 2000 bei einer Reihenuntersuchung ein Fingerabdruck des nun festgenommenen Verdächtigen genommen. Da es bei diesem Abdruck aber "minimale Abbildungsstörungen" gegeben habe, habe der Abgleich mit den Tatortspuren keinen Treffer ergeben.

Bei dem Festgenommenen handelt es sich den Ermittlern zufolge um einen vorbestraften, arbeitslosen, ledigen Mann. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung im Februar dieses Jahres als Folge des Missbrauchs der 14-Jährigen in einem Maisfeld bei Nidda sei auch umfangreiches kinderpornografisches Material gefunden worden.

Bei dem Mann seien 17 Millionen Dateien beschlagnahmt worden, davon sechs Millionen Bild- und Videodateien, sagte Ermittler Roland Fritsch. Das umfassende, aufwändig ausgewertete Material umfasse insgesamt sieben Terabyte.

Im Zusammenhang mit der Festnahme prüft die Polizei auch zwei nicht aufgeklärte Fälle von verschwundenen Mädchen aus der Region. Eines der Kinder - eine damals Elfjährige - ist seit 1996 vermisst. Das andere Mädchen verschwand 1999 mit 13 Jahren und wurde zehn Jahre später tot gefunden. Es gebe aber "zum heutigen Tag keine belastbaren Hinweise", dass der Verdächtige etwas mit dem Verschwinden und dem Tod zu tun habe, sagte Fritsch.