Mordanschlag? Schüsse auf St. Paulis Ex-Profi Naki

Deniz Naki spielte von 2012 bis 2013 für den FC St.Pauli

Deniz Naki steckte der Schrecken tief in den Gliedern, als er nach den Schüssen auf seinen Wagen auf dem Standstreifen der A4 ausgerollt war.

"Es hat nicht viel gefehlt. Ich hatte Todesangst", sagte der frühere Bundesligaprofi der Tageszeitung Die Welt und beschrieb das Schockerlebnis. Nahe Düren, Geburts- und Heimatstadt des Deutsch-Türken kurdischer Abstammung, hat ein Unbekannter in der Nacht zu Montag zweimal auf das Auto des Fußballers gefeuert. 

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Staatsanwaltschaft Aachen ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Noch ist unklar, wer hinter der feigen Tat steckt. Doch der Verdacht liegt nahe, dass die Kontroverse um den Kritiker des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan eine ganz neue Dimension erreicht hat. Im April war Naki in der Türkei wegen angeblicher "Terrorpropaganda" zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten verurteilt worden.

Naki glaubt, dass ein Agent des türkischen Geheimdienstes "oder ein anderer, dem meine politische Haltung nicht passt" für die Schüsse verantwortlich ist. Konkrete Drohungen habe es zuletzt zwar nicht gegeben, "Anfeindungen bekomme ich über soziale Netzwerke aber ständig", so Naki.

Naki nach Besuch auf Heimweg

Am späten Sonntagabend hatten sich Szenen wie aus einem Agentenfilm auf der Autobahn in Fahrtrichtung Köln abgespielt. Naki war nach dem Besuch bei einem Freund in Aachen auf dem Heimweg, gegen 23.00 Uhr passierte es. "Ich bin auf der Spur ganz rechts gefahren, als ich plötzlich Schüsse hörte. Ich habe mich sofort weggeduckt und bin auf den Standstreifen gerollt. Dann rief ich die Polizei", sagte Naki.

Ob der Täter auf Deniz Naki oder "nur" auf dessen SUV gezielt hat, womöglich als Drohung, ist nicht bekannt. Der ehemalige U21-Nationalspieler kam unverletzt davon. "Links von mir, leicht diagonal hinter mir, ist ein schwarzer Kombi gefahren. Eine Kugel traf mein Auto in der Mitte am Fenster, der andere Schuss landete nahe den Reifen. Die haben mich zum Glück nicht getroffen." 

Der Angriff kam für Naki aus dem Nichts. Er sei zwar in der Türkei "eine laufende Zielscheibe, weil ich mich pro-kurdisch äußere", sagte der 28-Jährige dem Online-Portal bento: "Aber dass mir so etwas in Deutschland passiert, damit hätte ich nie gerechnet."

Unterstützung aus Hamburg

Naki, einst beim FC St. Pauli aktiv, bekam wie schon beim Prozess Unterstützung aus Hamburg. "Wir sind schockiert und fassungslos, aber heilfroh, dass Du wohlauf bist. Für immer mit Dir. Venceremos! (Wir werden siegen!)", schrieb der Kiezklub bei Twitter. Naki, der von 2009 bis 2012 beim heutigen Zweitligisten unter Vertrag stand, spielt derzeit beim kurdischen Drittliga-Verein Amed SK in Diyarbakir.


Trotz der drohenden Haftstrafe in der Türkei hat Naki bislang nicht an eine Rückkehr nach Deutschland gedacht. "Ich bin keiner, der abhaut. Würde ich gehen, wäre das ein Eingeständnis eines Fehlers. Aber ich habe nichts Falsches gemacht", sagte er vor einigen Monaten. Grund für die Strafe waren vermutlich Beiträge in sozialen Medien, in denen er die Kurdenpolitik der türkischen Regierung kritisiert hatte.

Trotz seiner schlimmen Nacht auf der A4 will der Stürmer seine Einstellung nicht ändern. "Ich bleibe der Deniz Naki, der ich bin. Ich lasse mich nicht einschüchtern. Auch nicht von diesem Anschlag."