Mordanschlag auf Deniz Naki: Fußballer geht von politischem Motiv aus

Tobias Huch
Journalist und Englandkorrespondent
Deniz Naki wurde als Stürmer bei St. Pauli bekannt (Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

In der Nacht zum Montag wurde auf der A4 bei Düren ein Mordanschlag auf den deutsch-kurdischen Profifußballer Deniz Naki verübt. Gegen 23 Uhr wurde aus einem fahrenden schwarzen PKW-Kombi ohne Kennzeichen wurde zweimal auf Nakis Fahrzeug geschossen. Der Deutsch-Kurde blieb durch viel Glück unverletzt.

Der Fußballspieler rief umgehend die Polizei und erstattete Anzeige. Die Staatsanwaltschaft Aachen ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Von Naki bereitgestellte Bilder zeigen Einschusslöcher am Fenster und in der Nähe eines Reifens.

Einschussloch am Fenster von Nakis Auto (Bild: Deniz Naki)

In prokurdischen Kreisen wurde umgehend der Verdacht eines politischen Mordanschlages laut. Auch Naki selbst geht von einem politischen Motiv aus: “Der Arm der türkischen Politik reicht weit – bis nach Deutschland. Dies musste ich diese Nacht auf schlimme Art und Weise erfahren. Ich werde mich jetzt mit meiner Familie besprechen, wie ich weiter vorgehe”, sagte er Yahoo Nachrichten.

Einschussloch oberhalb des Reifens (Bild: Deniz Naki)

Die Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft Cansu Özdemir (Die LINKE) kommentierte noch in der Nacht den Anschlag mit harten Worten: “Der feige Mordanschlag auf Deniz Naki macht deutlich, dass Erdoğans Mordkommandos Oppositionelle in Deutschland ernsthaft eliminieren möchten. Ich befürchte, sie werden nicht aufgeben, bis jeder auf ihrer Todesliste stirbt. Die Bundesregierung hat bis jetzt die ernste Bedrohungslage ignoriert und verharmlost. Es müssen sofort Schutzmaßnahmen ergriffen werden.”

Der frühere St.-Pauli-Star Naki spielt heute in dem kurdischen Verein Amed SK in Diyarbakır. Er erhält regelmäßig Morddrohungen aus regierungsnahen und rechtsradikalen Gruppen, einmal wurde er während eines Spiels von einem Zuschauer niedergeschlagen. Der Fußballspieler setzt sich für Frieden in den kurdischen Gebieten ein und kritisierte das harte Vorgehen der Regierung im Kampf gegen die PKK, dem immer wieder Zivilisten zum Opfer fallen. Die türkische Justiz warf ihm deshalb “Terrorpropaganda” vor und verurteilte ihn zu 18 Monaten und 22 Tagen auf Bewährung.

Es ist auffällig, dass der Mordversuch nahezu exakt auf den Todestag von PKK-Mitbegründerin Sakine Cansız und der beiden jungen Aktivistinnen Fidan Doğan und Leyla Şaylemez fällt. Die drei Frauen wurden am 09.01.2013 in Paris per Kopfschuss regelrecht hingerichtet. Am Wochenende hatten Tausende Kurden und Unterstützer in Paris für eine lückenlose Aufklärung der Morde demonstriert. Zuvor hatte die PKK-Führung erneut den türkischen Geheimdienst MIT belastet. Dabei berief sie sich auf angebliche Aussagen von MIT-Agenten, die die PKK im Sommer gefangengenommen hatte.

Demonstranten forderten am Wochenende die Aufklärung der Morde an den drei kurdischen Aktivistinnen (Bild: AP Photo/Christophe Ena)

Erst vor wenigen Wochen warnten Aktivisten, dass auch in Deutschland sogenannte “Todesschwadronen” des MIT unterwegs sein sollen. Recherchen des ZDF und der “Stuttgarter Nachrichten” belegten zudem eine enge Zusammenarbeit der türkischen Regierung mit rechtsextremen Gruppen, insbesondere der Rocker-ähnliche Bande “Osmanen Germania”.