Mordanschlag auf aserbaidschanischen Journalisten in Südfrankreich

Bei einem Mordanschlag in Südwestfrankreich ist ein Journalist aus Aserbaidschan schwer verletzt worden. Seine Ehefrau wurde getötet

Ein Journalist aus Aserbaidschan ist im französischen Exil Ziel eines Mordanschlags geworden. Bei der Tat in Südwestfrankreich am Freitagmorgen wurde der Journalist Rahim Namazov schwer verletzt, seine Ehefrau Aida wurde getötet, wie die Ermittler mitteilten. Die Täter hätten sieben Schüsse auf das Ehepaar abgegeben, das im Auto in der Kleinstadt Colomiers bei Toulouse unterwegs war. Die Behörden hielten einen politischen Hintergrund für möglich.

Die beiden aserbaidschanischen Regierungskritiker lebten seit 2010 im französischen Exil. Nach Angaben der Journalistenvereinigung von Toulouse hatte Namazov in Aserbaidschan im Gefängnis gesessen. Er habe zudem Morddrohungen erhalten und sei schließlich ausgewiesen worden. Nach Behördenangaben erhielt er 2012 in Frankreich offiziell politisches Asyl. Das Paar hat drei Kinder.

Ersten Ermittlungen zufolge hatten Rahim und Aida Namazov am Freitagmorgen gerade ihre jüngste Tochter an der Schule abgesetzt und waren wieder vor ihrem Wohngebäude angekommen, als aus einem anderen Auto auf sie geschossen wurde.

Die Staatsanwaltschaft von Toulouse erklärte, der Schütze habe mit einem Komplizen im Auto auf die beiden gewartet und sieben Schüsse auf das Auto des Ehepaars abgegeben. Rahim Namazov sei im Rücken getroffen worden und habe seine schwer am Kopf verletzte Frau noch zum Krankenhaus gefahren. Dort sei die 39-jährige Aida Namazov am Freitagnachmittag verstorben.

Es werde in mehrere Richtungen ermittelt, erklärte die Staatsanwaltschaft. Wahrscheinlich handle es sich um eine organisierte Tat. Der Behörde zufolge hatte das Ehepaar am 13. März wegen "Todesdrohungen per Telefon" Anzeige erstattet. Gegenüber der Polizei habe der Journalist gesagt, die Drohungen hingen möglicherweise mit seiner Arbeit zusammen, die er in Frankreich über soziale Netzwerke fortsetzte.

Nach seiner Ankunft im französischen Exil hatte Namazov Ende 2010 ein Video auf Youtube veröffentlicht, in dem er die Wahlen in Aserbaidschan als "gefälscht und illegal" bezeichnet hatte und in denen er über Morddrohungen gegen sich und seine Familie berichtete.

Die Bürgermeisterin von Colomiers, Karine Traval-Michelet, sagte, möglicherweise habe es sich um eine "politische Vergeltungsmaßnahme" gehandelt. Namazov sei als Journalist in Aserbaidschan "gefoltert und inhaftiert" worden.

Der 15-jährige Sohn des Ehepaars hielt sich zum Tatzeitpunkt zu Hause auf und hörte die Schüsse. Er wurde psychologisch betreut. Während die Jüngste in der Schule war, befand sich die zweite Tochter des Paares auf einer Skifreizeit.

Die ehemalige Sowjetrepublik Aserbaidschan wird seit Jahrzehnten von der Alijew-Familie beherrscht. Der autoritär regierende Ilham Alijew rückte 2003 nach dem Tod seines Vaters Heidar Alijew an die Staatsspitze und wurde 2008 und 2013 wiedergewählt.

Die Opposition sprach jedes Mal von Wahlbetrug. Die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen führt das Land in ihrer Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 162 von 170.