Mord an chinesischer Studentin : Yangjie Li litt stundenlang - lebenslange Haft

Sebastian F. ließ sein Opfer in seine Wohnung locken. Es folgte ein Gewaltexzess.

Die Vorsitzende Richterin sprach von einem „unfassbaren Verbrechen“: Das Landgericht Dessau-Roßlau hat den Vergewaltiger und Mörder einer chinesischen Studentin zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Seine mitangeklagte Ex-Partnerin erhielt eine Jugendstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten wegen sexueller Nötigung. Zudem wurden beide zu einer Schmerzensgeldzahlung in Höhe von insgesamt 60.000 Euro verurteilt. Die Geschichte der Tat erschüttert. 

Eine kleine Frau steht vor dem Haus mit der graugestrichenen Holztür. Ihr pausbäckiges Gesicht wird von rötlichen Locken gerahmt, es erinnert an das eines Engels. Xenia I., 20 Jahre alt, hat nichts Gutes im Sinn an diesem 11. Mai 2016.

Es ist 21.30 Uhr, als sich Xenia I. vor dem Haus in der Dessauer Johannisstraße 7 einer Joggerin in den Weg stellt. Es ist Yangjie Li, eine 25-jährige Chinesin, die nur 100 Meter entfernt wohnt. Seit zwei Jahren studiert sie an der Hochschule Anhalt Architektur – auf Englisch. Deutsch spricht sie kaum. Gestikulierend bedeutet ihr Xenia I., sie benötige Hilfe. Die Angesprochene zögert, schaut sich kurz um. Ihre Hilfsbereitschaft siegt, sie folgt der Bittstellerin.

Hinter der grauen Tür wartet Sebastian F., der Lebensgefährte der Frau mit den roten Locken. Der 20-Jährige ist groß, muskulös – und sexbesessen.

Er stürzt sich von hinten auf die zierliche Yangjie Li. Sie versucht, ihn zu treten. Sie schreit, doch im Haus wohnt niemand außer F. und I. mit ihren Kleinkindern. Sebastian F. schleppt sein Opfer die Treppen hinauf, in eine Wohnung im ersten Stock. Die steht leer bis auf einen Stuhl, einen Tisch und ein Sofa. Dort beginnt für die Studentin ein stundenlanges Martyrium, das sie nicht überlebt.

Ein Gewaltexzess

Ihre Mitbewohner vermissen sie, am nächsten Tag gehen sie zur Polizei. Die sucht das Viertel rund um den Wohnort der Studentin ab. Am darauffolgenden Morgen findet ein Beamter eine unbekleidete Leiche hinter dem Haus in der Johannisstraße 7. Sie liegt unter den Zweigen einer Konifere und hinter einer Dixi-Toilette, die für Bauarbeiter aufgestellt worden ist.

Zehn Tage später werden Sebastian F. und Xenia I. verhaftet. Im November 2016 beginnt vor einer Jugendstrafkammer im Landgericht Dessau-Roßlau ein langwieriger Strafprozess; an diesem Freitag soll das Urteil fallen. Zahlreich sind die Dessauer zu jedem der 37 Verhandlungstage erschienen. Auch am Dienstag, als die Plädoyers gehalten werden, sind sie da, kommentieren zustimmend, raunen empört, je nachdem.

Die Vorsitzende Richterin Uda Schmidt führt die Beweise für das Verbrechen an, referiert über den Zustand der Leiche. Nüchtern hatten Rechtsmediziner zuvor die Gewalt, der Yangjie Li ausgesetzt war, registriert. Ihr Schädel war gebrochen, ein Halswirbelkörper, ihre Rippen serienweise. Ihr Hals wies Würgemale auf, ihr Mund war malträtiert worden, ihre Brüste, ihre Scheide. „Das Verletzungsmuster hat sich grausam und brutal gelesen“, stellt die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer fest.

Die erfahrene Anklägerin beschreibt die Ermittlungen der Polizei und erklärt, warum die Mutter von Sebastian F., eine Polizistin, daran mitgewirkt hat. „Es war Freitag vor Pfingsten, die Ermittlungsgruppe wurde verstärkt.“ Unter den Beamten sei nach Freiwilligen gesucht worden. Ramona S. hatte sich gemeldet. Sie ahnte zu diesem Zeitpunkt nicht, welchem Verdacht sie sich damit aussetzen würde: dem Verdacht nämlich, dass sie möglicherweise Beweismittel vertuscht haben könnte. Sie sollte...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung