MONTE CARLO/ROUNDUP: Munich Re stellt sich auf Schäden durch Harvey und Irma ein

dpa-AFX

MONTE CARLO (dpa-AFX) - Die Hurrikan-Saison in der Karibik und den USA dürfte auch in der Bilanz des weltgrößten Rückversicherers Munich Re ihre Spuren hinterlassen. "'Harvey' und 'Irma' werden erhebliche Ereignisse für den Versicherungsmarkt", sagte Munich-Re-Vorstand Torsten Jeworrek am Sonntag beim alljährlichen Branchentreffen in Monte Carlo. Wie teuer die Schäden durch die Hurrikans "Harvey" und "Irma" den Dax-Konzern aus München zu stehen kommen, konnte der Manager noch nicht einschätzen. Das Zentrum von "Irma" hatte erst wenige Stunden zuvor die Südspitze Floridas erreicht.

Die versicherten Schäden durch den vorigen Hurrikan "Harvey" schätzt Jeworrek auf insgesamt 20 bis 30 Milliarden US-Dollar - etwa so viel wie bei Wirbelsturm "Sandy" im Jahr 2012. Jeworrek hat in der Summe allerdings auch diejenigen Schäden eingerechnet, die von dem staatlichen Flutversicherungsprogramm NFIP abgedeckt werden. Die Aufteilung zwischen den Versicherern und dem NFIP werde einige Zeit in Anspruch nehmen, sagte der Manager.

Versicherer und Rückversicherer müssen bei "Harvey" vor allem für Wind- und Sturmschäden geradestehen. Allerdings hat auch das NFIP bei Rückversicherern Schadendeckungen eingekauft, die sich laut der Ratingagentur Standard & Poor's auf rund eine Milliarde US-Dollar belaufen. Auch die Munich Re sei einer dieser Rückversicherer, sagte Jeworrek.

Inwieweit die Sturmfolgen die Gewinnprognose des Münchner Konzerns in Gefahr bringen könnten, ließ der Manager offen. Dies hänge nicht nur von "Harvey"- und "Irma"-Schäden ab, sondern auch davon, wie viele Schadenreserven aus früheren Jahren der Konzern 2017 auflöse, sagte er. Noch Anfang August sah der neue Vorstandschef Joachim Wenning die Munich Re "auf einem sehr guten Weg", 2017 wie geplant einen Gewinn von 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro zu erreichen. Jeworrek stellte nun klar: Durch Reserveauflösungen könnte der Konzern dank seiner starken Rücklagen eigentlich "jedes Ergebnis" darstellen.

Der Chef der Rückversicherungssparte erwartet, dass infolge der immensen Sturm- und Flutschäden in den USA und auf karibischen Inseln jetzt die Nachfrage nach Ersatz-Deckungen steigt. Die vonseiten der Erstversicherer bisher rückversicherten Schadensummen seien voraussichtlich nach den Stürmen aufgezehrt. Die Hurrikan-Saison sei aber noch nicht vorüber. Zudem rechnet der Manager damit, dass die Preise für Katastrophen-Deckungen in den betroffenen Gebieten deutlich anziehen. Offen ließ er jedoch, ob die schweren Sturmschäden den seit Jahren grassierenden Preiskampf in der Branche insgesamt beenden werden.

"Irma" ist der schwerste jemals in der Region registrierte Tropensturm und kam in den vergangenen Tagen auf Spitzen-Windgeschwindigkeiten von 290 Kilometern pro Stunde. Nach Angaben von US-Meteorologen zog der Hurrikan der zweithöchsten Kategorie vier am frühen Sonntagmorgen über die Inselkette der Florida Keys hinweg. Der Kurs von "Irma" hatte sich kurz zuvor etwas Richtung Westen verlagert und sollte nun an Floridas Westküste entlangführen. Von Fort Myers bis nach Tampa bereiteten sich die verbliebenen Menschen auf bis zu 4,5 Meter hohe Sturmfluten vor.

Beim "Rendez-vous de Septembre" in Monte Carlo an der Côte d’Azur treffen sich Rückversicherer wie Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück seit diesem Wochenende wie jedes Jahr mit Erstversicherern wie Allianz und Axa sowie Maklern, um Preise und Konditionen für die Vertragserneuerung zum folgenden Jahreswechsel abzustecken. Die Erneuerung zum 1. Januar gilt in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung als die wichtigste eines jeden Jahres.