Ein "Monster" für den BVB

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Ein "Monster" für den BVB
Ein "Monster" für den BVB

Gregor Kobel trat vor die Mikrofone, der VfB Stuttgart hatte gerade mit 0:2 bei RB Leipzig verloren. Dennoch wurde der VfB-Keeper am 31. Spieltag der abgelaufenen Saison von den anwesenden Experten mit Lob überschüttet – eine ungewöhnliche Situation.

"Danke, danke", wies Kobel die Würdigungen der Reporter bescheiden zurück. "Ich versuche natürlich immer, meinem Team zu helfen, so gut ich kann. Es kamen gute Bälle für mich, sodass ich gut ins Spiel reinkam."

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Nun wird jener hochgelobte Torhüter ab der neuen Saison zwischen den Pfosten von Borussia Dortmund stehen. Der Schweizer unterschrieb einen Vertrag bis 2026 und wurde vom BVB am Montag vorgestellt.

"Wir freuen uns sehr, dass sich Gregor Kobel für Borussia Dortmund entschieden hat. In ihm sehen wir großes Potenzial. Gregors Zielstrebigkeit, sein Ehrgeiz und seine Konstanz sind bemerkenswert, das Profil seines Torhüterspiels passt zu uns", erklärte BVB-Sportdirektor Michael Zorc in der Vereinsmitteilung. (SERVICE: Alles zur Bundesliga)

Kobel kommt als Stuttgarter Leistungsträger

In Dortmund soll Kobel zu mehr Stabilität auf der Torwart-Position beitragen. Der einstige Stammkeeper Roman Bürki hatte seinen Platz in der abgelaufenen Saison an Marwin Hitz verloren. Beide mussten sich allerdings immer wieder Kritik gefallen lassen. Wird Kobel zur langfristigen Lösung im BVB-Tor?

Die Vorzeichen stehen durchaus positiv, dass der BVB mit Kobel einen guten Fang gemacht hat. Der 23-Jährige kann auf eine starke Entwicklung in der jüngsten Vergangenheit zurückblicken. In der abgelaufenen Saison war der Keeper neben Sasa Kalajdzic und Wataru Endo der Dauerbrenner in Stuttgart, stand in 33 Bundesligaspielen auf dem Platz.

"Es macht mich stolz, für den BVB auflaufen zu dürfen. Ich möchte meinen Teil zu den zukünftigen Dortmunder Erfolgen beitragen", meinte Kobel, der sich als "sehr emotionalen Typen" beschrieb: "Nach der Pandemie vor mehr als 80.000 Zuschauern in Dortmund auf dem Rasen zu stehen, in dieser Atmosphäre – dem fiebere ich schon jetzt entgegen!"

VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo schwärmte während der letzten Monate mehrfach von Kobel. "Er ist ein extrem ehrgeiziger Athlet, ein Monster im Tor", zeigte sich der 43-Jährige sehr zufrieden über den Schlussmann. Auch der zukünftige Bayern-Trainer Julian Nagelsmann zollte nach besagtem Leipzig-Spiel seine Anerkennung: "Gregor Kobel hat ein tolles Spiel gemacht und Bälle gehalten, die auch nicht jeder Torwart hält."

Mit eben solchen Aktionen hat sich Kobel als absoluter Leistungsträger bei den Schwaben etabliert. Auf dem Platz wurde er für die junge Mannschaft der Stuttgarter zum Anker. Mit lauten Kommandos und seinem kompletten Torwartspiel trieb er das ganze Team voran.

Kobel "ein sehr kompletter Torhüter"

Es kam nicht von ungefähr, dass einige Fans und Beobachter Kobel als den besten VfB-Torhüter seit Timo Hildebrand, der 2007 mit Stuttgart Meister wurde, bezeichneten. Neben klaren Anweisungen für seine Vorderleute ist Kobel sicher am Ball, auf der Linie reaktionsschnell und glänzt mit guter Sprungkraft. Seine 1,94 Meter Körpergröße lassen den Torwart im Strafraum zur Lufthoheit werden.

Unter Experten gilt Kobel schon seit geraumer Zeit als guter Rückhalt. "Er ist ein sehr kompletter Torhüter, verfügt über eine sehr gute Spieleröffnung und Raumverteidigung sowie ein gutes eins gegen eins", konstatierte Trainer Michael Rechner, der seit vielen Jahren in Hoffenheim die Torhüter, unter anderem auch Kobel, formt, in der NZZ.

So verwundert es nicht, dass Kobel mittlerweile auch in der Schweizer Nationalmannschaft zu einer ernsthaften Option aufgestiegen ist. Im Vergleich zu seinen Konkurrenten Bürki oder Yann Sommer aus Gladbach gehört Kobel aufgrund seiner 23 Jahre die Zukunft im Tor der Eidgenossen.

Bürki und Sommer als Vorbilder

Als Jugendspieler blickte Kobel zu den beiden genannten Keepern auf. "Später habe ich sie auch in der Nationalmannschaft beobachtet, sie waren in gewisser Hinsicht immer Vorbilder für mich", wurde er in der NZZ zitiert.

In seiner Heimatstadt Zürich liegt zudem der Ursprung von Kobels Torhüter-Karriere. Mit sieben Jahren absolvierte er seine ersten Schritte beim FC Zürich-Seefeld. Stets gefördert von seinem Vater Peter, ein ehemaliger Eishockey-Profi, wechselte er anschließend zu den Grasshoppers Zürich.

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"Dass er unbedingt Torhüter werden wollte. Das wäre mir als Eishockey-Stürmer nie in den Sinn gekommen ...", erklärte Kobel senior jüngst bei SWR Sport.

Kobel ordnete alles dem Fußball unter

Mit 16 Jahren erhielt der Torwart ein Angebot von der TSG Hoffenheim für die Nachwuchs-Akademie. "Wenn ich zurückschaue, sehe ich, dass es ein wirklich großer Schritt war. Das war mir damals aber gar nicht so bewusst. Ich wollte einfach nach Deutschland gehen und Fußball spielen", verriet Kobel.

Ab diesem Zeitpunkt ordnete der ehrgeizige Züricher alles dem Fußball unter. Er brach das Gymnasium ab und zog alleine nach Deutschland.

Auch heute noch will sich Kobel immer weiter entwickeln, sucht stets nach Optimierungsmöglichkeiten. "Mein Ehrgeiz verleitet mich manchmal dazu, zu viel zu wollen. Dadurch kann ich nicht immer unbeschwert mein ganzes Potenzial entfalten", offenbarte der Profi im Blick eine kleine Schwäche von sich.

Abseits des Platzes ist Kobel ein ruhiger Zeitgenosse

Dafür lässt er es abseits des Fußballgeschäfts umso ruhiger angehen. Kobel meditiert und liest viel. "Etwas für den Kopf tun", so bezeichnet er es. Auch in den sozialen Medien hält sich Kobel zurück. Anders als viele seiner Mitspieler teilt er nur Bilder aus Trainingseinheiten und Spielen. Schnelle Autos und wilde Partys? Fehlanzeige.

Diesen Fokus auf den Sport zeigte Kobel auch schon in Hoffenheim. "Gregor war sehr fleißig, fast schon positiv besessen im Training", blickte sein dortiger Trainer Rechner zurück.

Obwohl Kobel 2018 erfolgreich sein Bundesliga-Debüt für die TSG Hoffenheim gefeiert hatte, blieb er im Kraichgau Ersatztorwart hinter Oliver Baumann. So folgte für ihn eine halbjährige Ausleihe zum FC Augsburg, wo er sich prompt gegen zwei andere Keeper behauptete.

Im Sommer 2019 schloss sich Kobel dann dem VfB Stuttgart an, schaffte mit dem Team den direkten Wiederaufstieg aus der 2. Liga und zeigte jüngst seine Qualitäten auch in der Bundesliga.

Jetzt kann der selbstbewusste Schlussmann diese Stärken auch auf der internationalen Bühne mit dem BVB präsentieren.

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