Monster-Comeback und Beton-Defense: Das Steelers-Märchen

Markus Bosch
·Lesedauer: 3 Min.

Bei der Frage, welches Team nach sieben Wochen in der NFL noch ungeschlagen ist, wären im Vorfeld einige Namen genannt worden.

Die Pittsburgh Steelers wären aber wohl nicht dabei gewesen.

Schließlich hatte die Franchise in der Vorsaison mit Ben Roethlisberger ihren Quarterback und Superstar mit einer komplizierten Ellbogenverletzung verloren. Kurzzeitig war sogar unklar, ob "Big Ben" überhaupt seine Karriere fortsetzen kann, schließlich kam zuvor noch kein Quarterback von einer solchen Verletzung zurück.

Aber der 38-Jährige ließ die Zweifler verstummen und hat großen Anteil daran, dass die Steelers (6-0) das einzige Team mit weißer Weste sind. So waren seine Werte nach Woche sechs bei der Completion Rate (69,1), beim Verhältnis von Touchdowns zu Interceptions (11:1) und beim Passer Rating (109,1) jeweils Karrierebestwerte – und das in seiner 17. NFL-Saison. (NFL: Spielplan und Ergebnisse der Saison 2020/21)

Roethlisberger mit drei Interceptions gegen Titans

Diese Zahlen gingen zwar nach dem Spiel gegen die Tennessee Titans (drei Interceptions) etwas nach unten, Werte von 68,2 Prozent, 13:4 und 99,6 sind aber weiterhin stark. Dabei profitiert "Big Ben" allerdings auch von der Qualität seiner Passempfänger. Rookie-Sensation Chase Claypool, JuJu Smith-Schuster, James Washington und Diontae Johnson können jederzeit auftrumpfen.

Vor allem Smith-Schuster hat bislang noch nicht wirklich sein komplettes Potenzial gezeigt, wird aber in den Playoffs aufgrund seiner Erfahrung wohl ein wichtiger Faktor werden. Denn die Offense der Steelers ist noch relativ unerfahren. Mit Ausnahme von Smith-Schuster spielen die restlichen Ballempfänger ihre erste oder zweite NFL-Saison.

Defense als Prunkstück bei Pittsburgh Steelers

Daher muss auch Head Coach Mike Tomlin Respekt gezollt werden. Nach den Abgängen der Stars Le'Veon Bell (2018) und Antonio Brown (2019), die in Pittsburgh noch nicht ihre Marotten dieser Tage zeigten, hat es Tomlin erneut geschafft, eine starke Offensive zu formen. Größtenteils mit Spielern, die noch nicht die klangvollsten Namen in der NFL haben, aber in Zukunft noch echte Stars werden können. (Tabellen der NFL)

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Aber den oftmals zutreffenden Leitspruch "Offense wins games, defense wins championships" haben sich auch die Steelers mit Coach Tomlin zu Herzen genommen. Der "Steel Curtain", die Erfolgs-Formation aus den 70er Jahren, als die Steelers vier Super Bowls gewannen, ist quasi zurück.

Vor allem die Passverteidigung ist bei Pittsburgh herausragend. 160 Mal konnte die Defense bislang direkten Druck auf den gegnerischen Quarterback ausüben und dessen Entscheidung maßgeblich beeinflussen – Ligahöchstwert. Da der Druck auf den Quarterback so hoch ist, haben Cornerbacks und Safetys, die zumeist tief stehen, mehr Zeit, um Routen oder Pässe zu antizipieren.

Roethlisberger mahnt: "Langen Weg vor uns"

Gleicht acht Mal erzwangen die Steelers in dieser Saison bereits eine Interception. Aber auch die Laufverteidigung zählt zu den Besten der Liga. So kam Derrick Henry von den Titans, bis dato der überragende Laufspieler der Liga, gerade einmal auf 75 Rushing Yards gegen die Steelers.

Doch trotz der starken Leistungen bisher tritt Leader Roethlisberger als Mahner auf. "Ich denke, wir haben noch einen langen Weg vor uns", sagte er auf die Frage, wie weit das Team von einem "perfekten Spiel" entfernt sei.

"Wir versuchen immer noch, uns jede Woche zu verbessern. Das fängt bei mir an", ergänzte der 38-Jährige. Die nächste Chance dazu bietet gegen die Baltimore Ravens (Sonntag, 19 Uhr in den LIVESCORES), ein Duell, das in der Liga-Historie schon für reichlich Zündstoff sorgte. Die Ravens mit ihrem laufstarken Quarterback Lamar Jackson werden sicherlich alles daran setzen, ihrem Erzrivalen die erste Saisonniederlage beizubringen.

Unterschätzt werden die Steelers nicht (mehr), von Woche zu Woche wächst dort aber auch das Selbstvertrauen. Beim Wettanbieter "William Hill" stehen sie bei der Frage, welches Team Super Bowl LV in Tampa erreicht, bereits auf Rang vier. Nur die Kansas City Chiefs, die Tampa Bay Buccaneers und eben die Ravens liegen vor dem Tomlin-Team.