Monsanto geht an Bayer: ein Teilerfolg mit Hindernissen

Die EU-Wettbewerbsbehörde hat die Übernahme von Monsanto durch Bayer unter strengen Auflagen genehmigt. Noch stehen die Genehmigungen anderer Kartellbehörden aus. Danach beginnen für Bayer ganz neue Probleme.

Ein Meilenstein, ein großer Erfolg sei die Genehmigung durch die EU-Kommission, freute sich Bayer-Konzernchef Werner Baumann. Allerdings hat er auf den Erfolg viel länger warten müssen als geplant. Zudem muss er sich von mehr Geschäft trennen als ursprünglich vorgesehen.

Eigentlich wollte Baumann die Monsanto-Übernahme bereits bis Ende 2017 abgeschlossen haben. Das war sehr optimistisch gedacht. Inzwischen geht der Bayer-Boss davon aus, den Monsanto-Zukauf im zweiten Quartal beenden zu können. Denn die Genehmigung durch die EU ist zwar ein wichtiger Schritt, aber längst noch nicht das Ende. Wichtige Kartellbehörden in aller Welt, unter anderem in den USA, müssen noch ihre Zustimmung erteilen. Bislang liegt Bayer erst etwa die Hälfte der erforderlichen Genehmigungen vor – neben Europa unter anderem aus Brasilien und China. Insbesondere die Erlaubnis der US-Kartellwächter könnte sich noch als schwierig erweisen. Dem Vernehmen nach fordert die Behörde, dass sich Bayer von deutlich mehr Geschäft trennt als bisher geplant. Der Prozess kann sich noch Monate hinziehen.

Und auch bei der EU musste Bayer kräftig Federn lassen. Die Brüsseler Kartellwächter haben die Genehmigung nur unter strengen Auflagen erteilt: Bayer muss sich praktisch von seinem gesamten Saatgutgeschäft trennen, einige Pflanzenschutzmittel abgeben und Lizenzen abtreten, etwa im Digitalgeschäft – viele Bauern bestimmen bereits mit iPad und GPS den optimalen Dünger- und Pflanzenschutzmittel-Eintrag. Als Käufer schlägt Bayer die BASF vor, die in den meisten Bereichen noch erheblichen Nachholbedarf hat. Unter dem Strich muss Bayer-Chef Baumann deutlich mehr als die 1,6 Milliarden Euro Geschäft abgeben, die er ursprünglich vorgesehen hatte, um die Bedenken der Wettbewerbshüter zu zerstreuen.


Doch trotz der zeitlichen Verzögerung und den zahlreichen Zugeständnissen: Letztendlich wird Bayer sein Ziel – die Übernahme von Monsanto - wohl erreichen. Danach beginnen dann allerdings ganz andere Probleme. Die Integrationsaufgabe wird gewaltig. Das schlechte Image von Monsanto könnte auf Bayer abfärben. Tausende Amerikaner klagen etwa gegen Monsanto – wegen angeblicher Krebsgefahr durch das Pflanzenschutzmittel Roundup. Künftig sind dies Bayers Probleme. Und dann wird sich auch zeigen, ob Monsanto mit seinen Produkten wirklich weiterhelfen kann: Die Pflanzenschutzmittel Roundup und Dicamba stehen in keinem guten Ruf, das gentechnisch veränderte Saatgut von Monsanto ist nicht in allen Teilen der Welt gern gesehen. Der Freude über die Genehmigung durch die Wettbewerbsbehörde könnte bald Ernüchterung folgen.