Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold wird neue erste stellvertretende Ministerpräsidentin in Kiel. Sie ersetzt den neuen Grünen-Chef Robert Habeck.

Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold wird neue erste stellvertretende Ministerpräsidentin in Kiel. Sie ersetzt den neuen Grünen-Chef Robert Habeck.


Acht Monate hatte sich Robert Habeck ausbedungen, der neue Parteichef der Grünen. Acht Monate, um seine Nachfolge in Schleswig-Holstein als Vize-Regierungschef und Umweltminister zu organisieren. Jetzt scheint alles schneller zu gehen. Am heutigen Dienstag wurde seine Parteikollegin und Landesfinanzministerin Monika Heinold im Rahmen der Kabinettssitzung zur neuen ersten stellvertretenden Ministerpräsidentin ernannt. „Ich schätze Monika Heinold nicht nur als erfahrene, durchsetzungsstarke und klug handelnde Finanzministerin, sondern auch als zuverlässige Kabinettskollegin und angenehmen Menschen“, sagte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU).

In Kiel regiert seit vergangenem Sommer eine Jamaika-Koalition. Zweiter stellvertretender Ministerpräsident ist Sozialminister Heiner Garg (FDP). Anders als im Bund hatten sich CDU, FDP und Grüne zu einem Bündnis zusammengefunden, das seitdem ohne große Streitigkeiten regiert. „Dass die Jamaika-Koalition in Kiel so gut funktioniert, liegt daran, dass wir eng und kollegial zusammenarbeiten und mit Freude bei der Sache sind“, sagte Heinold schon am Montag dem Handelsblatt. „Vertrauen und Respekt vor der Meinung des jeweils anderen trägt uns durch die Herausforderungen des Alltags.“

„Jamaika“, äußerte sie sich überzeugt, „wird auch ohne Robert Habeck stabil sein.“ Habeck sei zwar ein großer Sympathieträger, der auch von der konservativen Klientel akzeptiert werde. „Auch das trägt zum guten Klima in der Koalition bei.“ Durch die intensiven Koalitionsverhandlungen habe sie aber ebenfalls ein sehr gutes Verhältnis zu CDU und FDP. „Das Dreierteam Günther, Garg und Heinold könnte bei Bedarf auch gemeinsam Pferde stehlen gehen.“


Wer Habeck als Umweltminister in Schleswig-Holstein nachfolgt, ist noch unklar. Heinold, die in den Landtagswahlen vor einem Jahr alleinige Spitzenkandidatin der Grünen war, warb dafür, „dass wir uns innerhalb des ersten Quartals für einen Nachfolger entscheiden“ – was allerdings keinen sofortigen Amtsantritt bedeuten muss. Habeck verlässt das Kabinett bis spätestens bis zum 30. September. So steht es auch in der Pressemitteilung des Kieler Regierungssprechers.

Als ein möglicher Nachfolger, gar Wunschkandidat im hohen Norden, gilt Konstantin von Notz. Der 47-Jährige, geboren in Mölln, ist Fraktionsvize der Grünen im Bundestag und leitet den Arbeitskreis III, der sich mit Bürgerrechten und Demokratie sowie Rechts- und Gesellschaftspolitik beschäftigt.

Innen- und Netzpolitik, Digitalisierung, das sind seine großen Themen. „Konstantin von Notz ist für mich ein erstklassiger Kandidat: Er ist hoch kompetent und in Schleswig-Holstein tief verwurzelt“, sagte Heinold dem Handelsblatt. Von Notz selbst, seit 2009 Mitglied des Deutschen Bundestags, äußert sich zurückhaltend. Er schließe nichts aus, sagte er bislang lediglich.

Als potentielle Nachfolgerin gilt auch Habecks Staatssekretärin Anke Erdmann – zumindest was ihre Qualifikation und Person anbelangt. Mit ihr verbindet sich jedoch ein familiäres ‚Problem‘: Erdmann ist verheiratet mit Ulf Kämpfer, seines Zeichens Oberbürgermeister von Kiel, mit SPD-Parteibuch. Damit nicht genug: Kämpfer wird in Schleswig-Holstein als heißer Kandidat für die nächste Spitzenkandidatur der Sozialdemokraten gehandelt.


Diese Entscheidung steht zwar frühestens in zwei bis drei Jahren an – dennoch wäre Erdmann in der Jamaika-Koalition „sozusagen ein U-Boot der Sozialdemokraten“, sagte ein Kieler Insider. Eine weitere Option wäre der frühere grüne Umweltminister Klaus Müller, aktuell Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentrale.