Monaco 2005: Eine neue Hoffnung für McLaren und Kimi Räikkönen

Adam Cooper

Am 22. Mai 2005 gewann Kimi Räikkönen zum einzigen Mal in seiner Karriere den Großen Preis von Monaco. Es war ein besonderer Erfolg und ein besonderes Rennen, nachdem Fernando Alonso und Renault den Auftakt der Saison 2005 dominiert hatten. Den Auftakt in Melbourne hatte noch Teamkollege Giancarlo Fisichella gewonnen, anschließend triumphierte dreimal in Folge der Spanier.

Räikkönen startete beim vierten Rennen in Imola von der Pole, fiel allerdings früh aus. Beim fünften Saisonlauf in Barcelona holte er anschließend endlich seinen ersten Sieg. Es folgte das Rennen in Monaco, wo Räikkönen sich mit einem weiteren Erfolg ernsthaft in den Kampf um den WM-Titel einschalten sollte. Doch bis zu seinem Triumph an jenem Sonntag war es ein langer Weg.

2005 war das Jahr, in dem Reifenwechsel verboten waren. Das sorgte für einige kuriose Situationen und in Monaco sogar für etwas, was man nur dort selten sieht: Überholmanöver! Ebenfalls ungewohnt war an jenem Wochenende die Red-Bull-Lackierung. Der RB1 kam in einem besonderen Star-Wars-Design daher, weil in jener Woche der neue Film in den Kinos angelaufen war.

Im Rahmen des Deals war außerdem Star-Wars-Schöpfer George Lucas zu Gast, und die Mechaniker trugen bei den Boxenstopps Sturmtruppen-Outfits. Mit dem "Krieg" um den Sieg hatte das damals noch junge Red-Bull-Team allerdings nichts zu tun. Der entwickelte sich zwischen Räikkönen und Alonso - und wurde letztendlich nicht nur auf der Strecke sondern auch in Woking entschieden.

Zum ersten Mal wurde deutlich, dass das Personal in der heimischen Fabrik sich nicht nur Telemetriedaten anschaut. Sie lieferten Input, der direkten Einfluss auf die Entscheidungen an der Boxenmauer hatte. Strategen waren damals nicht nicht neu, und Paddy Lowe erinnert sich, dass McLaren diese Rolle bereits 1996 geschaffen hatte. Allerdings waren sie zu Beginn immer bei den Rennen dabei.

Es war einmal vor langer Zeit ...

Erst nachdem man 2003 ins neue McLaren-Technology-Center (MTC) umgezogen war, arbeitete man teilweise auch von dort aus. Es war der Beginn der Kontrollräume im NASA-Stil, die wir heute kennen. Gleich mehrere Strategiespezialisten sitzen dort vor einer Reihe von Bildschirmen und schauen sich die Zahlen an, die die Personen an der Strecke vielleicht nicht mitbekommen.

Obwohl das besagte Monaco-Rennen erst 15 Jahre her ist, war das Konzept damals noch sehr frisch. Und bei McLaren wollte man die Gegner logischerweise auch nicht unbedingt darauf aufmerksam machen. Erst nach dem Rennen wurde es ein Thema, weil Technikchef Adrian Newey sich für die zusätzliche Unterstützung bedankte, die man an jenem Tag aus der Fabrik bekam.

"Wir haben ein paar Jungs in Woking", verriet er damals und erklärte: "Sie sprechen Strategieempfehlungen aus, die uns an der Boxenmauer helfen. Es ist nicht ihr Hauptjob, eigentlich arbeiten sie in der Simulationsabteilung unter der Woche in anderen Bereichen. Aber am Wochenende haben sie diese Aufgabe. Sie schauen ITV, und uns ist aufgefallen, dass man dort manchmal Dinge sieht [...], die wir selbst nicht sehen."

"Es ist sehr nützlich, denn in der Boxengasse ist es sehr laut, es sind sehr viele Leute dort, und da ist es manchmal schwierig, klar zu denken. In einem ruhigen Raum hat man es da viel leichter, auch die Kommunikation ist einfacher", sagte Newey und stellte klar: "Wir treffen die Entscheidungen weiterhin an der Strecke. Aber sie sprechen Empfehlungen aus, die wir annehmen können oder nicht."

"Wenn es um Kimis Auto geht, dann entscheidet Ron [Dennis], und wenn es um Juan Pablos [Montoya] Auto geht, dann entschieden Ron und ich", verriet Newey und ergänzte: "Es sollten nicht zu viele Leute beteiligt sein, denn dann dauert es zu lange. Gleichzeitig klingt es auch etwas arrogant, wenn man Leute in verantwortliche Positionen bringt [...] und dann sagt: 'Wir machen den Job selbst.'

Tu es oder tu es nicht

Im Training am Donnerstag fehlte den McLaren-Piloten noch etwas Vertrauen in die Bremsen. Am Samstag war das allerdings kein Thema mehr, Räikkönen stürmte mit rund einer halben Sekunden Vorsprung zur provisorischen Pole-Position. Damals wurden die Zeiten von Q1 und Q2 addiert, und am Sonntagmorgen war Alonso deutlich schneller, sodass es für den Finnen nur minimal zur Pole reichte.

Das lag daran, dass man bei McLaren für das Rennen eine Spritmenge gewählt hatte, die fast schon etwas zu optimistisch war. Teamkollege Montoya startete nach einer Strafe von hinten, weshalb McLarens komplette Hoffnungen auf Räikkönen ruhten. Beim Start lief zunächst alles nach Plan. Bis zu einem Dreher von Christijan Albers konnte der Finne seinen Vorsprung vor Alonso graduell ausbauen.

Für den Finnen war es sein bis heute einziger Sieg in Monaco

Für den Finnen war es sein bis heute einziger Sieg in Monaco Motorsport Images

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Der Minardi-Unfall warf dann plötzlich alles über den Haufen. In Runde 25 kam das Safety-Car raus. Das passte zeitlich einigen Fahrern gut, die auf ein oder zwei Stopps unterwegs waren. Der Führende - also Räikkönen - hat in so einem Fall immer die schwierigste Entscheidung zu treffen. Denn einerseits können die anderen dahinter auf das reagieren, was der Spitzenreiter tut.

Außerdem hat man als Führender weniger Zeit für Kalkulationen und eine Entscheidung, als die Autos dahinter. Diese Sekunden können einen großen Unterschied ausmachen. Letztendlich blieb Räikkönen draußen, während Alonso und Fisichella dahinter zum Service kamen, und auch das dahinter liegende Williams-Duo aus Nick Heidfeld und Mark Webber kam rein.

Während die Williams-Fahrer allerdings auf einer Zweistoppstrategie unterwegs waren, stoppten die Renaults länger, was für nur einen Stopp sprach. McLaren-CEO Martin Whitmarsh bestätigte später, dass es an der Boxenmauer etwas Verwirrung gab, was unter anderem daran lag, dass die FIA das Safety-Car erst auf die Strecke schickte, als diese eigentlich schon wieder frei war.

Es gibt kein Versuchen

Da war es allerdings schon zu spät, den Safety-Car-Einsatz noch abzubrechen. Ein weiteres Problem: Damals gab es in Monaco noch die alten Boxengebäude und das Management hatte keinen direkten Blick auf die Boxengasse. So hätte man mit einem Blick sehen können, ob sich die anderen Teams auf einen Stopp vorbereiten. Das hätte natürlich eine Auswirkung auf die eigene Entscheidung gehabt.

"Es bestanden einige Zweifel", gestand Whitmarsh nach dem Rennen. "Aber wir glaubten an unsere Entscheidung. Das Safety-Car wurde zunächst auf den Monitoren angezeigt, dann nicht mehr, und dann doch wieder. Also musste wir dem armen Fahrer erst sagen, dass es ein Safety-Car gibt, dann wieder nicht und dann doch wieder." Ein weiteres Problem war die schlechte Funkqualität in Monaco.

Fernando Alonso kam nach der Safety-Car-Phase nicht mehr richtig in Fahrt

Fernando Alonso kam nach der Safety-Car-Phase nicht mehr richtig in Fahrt Motorsport Images

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Hier wählten die Teams unterschiedliche Lösungen, weshalb gar nicht alle Autos die Möglichkeit hatten, zu diesem Zeitpunkt ohne weiteren Stopp ins Ziel zu kommen. Alonso musste 53 Runden absolvieren, darunter einige langsame hinter dem Safety-Car. McLaren verriet nie, wie groß der eigene Tank war. Doch Teamkollege Montoya kam letztendlich nur auf 47 Runden.

Das spricht dafür, dass Räikkönen es bei einem Stopp zu diesem Zeitpunkt nicht bis ins Ziel geschafft hätte. Er hätte dann eine riskantere Zweistoppstrategie wählen müssen. Als sich das Feld hinter dem Safety-Car sortierte, lag Räikkönen vor den überrundeten Autos von Michael Schumacher und Albers und dem Toyota von Jarno Trulli, der ebenfalls noch nicht gestoppt hatte.

Hinter dem Italiener lagen Alonso und Webber. Während sich die Autos hinter dem Safety-Car sortierten, versuchten einige Piloten, Benzin zu sparen. Deswegen hatten sie kein großes Interesse daran, die Lücke vor ihnen schnell zu schließen. Kimi und seine Crew nutzten diese tote Rennzeit, um darüber nachzudenken, wie man nun vorgehen würde.

Ich finde ihren Mangel an Glauben beklagenswert

"Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass wir nicht etwas nervös waren", gestand Newey später und erklärte: "Wir waren uns nicht sicher, ob [die Renaults] es bis ins Ziel schaffen würden oder nicht." Whitmarsh stellte klar: "Als wir das Safety-Car sahen, trafen wir die Entscheidung, nicht an die Box zu kommen. Aber wenn der größte Gegner dann reinkommt, dann fragt man sich schon, wer nun recht hat."

"Wir wussten, dass die Williams-Fahrer noch einmal stoppen würden. Aber wir dachten, dass Alonso es bis ins Ziel schaffen könnte", so Whitmarsh. Und selbst Dennis gestand, dass es "einen gewissen Zweifel" gab. "Aber klar ist auch, dass man es in Monaco schwer hat, wenn die Reifen stark abbauen und man einen vollen Tank hat [wie die Renaults]", so Dennis.

Das besondere Star-Wars-Design brachte Red Bull in Monaco kein Glück

Das besondere Star-Wars-Design brachte Red Bull in Monaco kein Glück Motorsport Images

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"Es geht zum Beispiel darum, wie die Traktionskontrolle funktioniert. Gegen Ende des Rennens leuchtete ihr Regenlicht. Ich vermute, dass sie so verzweifelt waren, dass sie auf das Regenmapping umstellten", sagte Newey, und Whitmarsh ergänzte: "Sie haben es für ihre Reifen noch schwerer gemacht, weil sie das Auto bis oben hin vollgetankt haben."

"Zu Kimi kann man nur sagen, dass er jetzt bereits das dritte Wochenende in Folge perfekt gefahren ist. Es ist surreal, wie stark er war. Er war schnell in Imola, auf einer technischen Strecke wie Barcelona und jetzt in Monaco", so Whitmarsh. Für Alonso war der vierte Platz währenddessen nur Schadensbegrenzung. Doch Renault sollte schon bald zurückschlagen.

Und Red Bull? Denen brachten die Sturmtruppen nicht viel Glück. David Coulthard schied nach einer Kollision mit Schumacher aus, und Teamkollege Vitantonio Liuzzi musste seinen Boliden kurz vor Schluss ebenfalls abstellen. Es sollte noch einige Jahren dauern, bevor die Macht mit den Bullen war ...

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.