Molly Ringwald: Ihr schonungsloser Blick auf "The Breakfast Club"

Die Schauspielerin Molly Ringwald galt lange als die Muse von Regisseur John Hughes. (Bild: AP Photos)

Im Zuge der #MeToo-Debatte knöpft sich eine US-Schauspielerin nun ihre alten Werke vor. Etliche ihrer Filme wirken heute ganz anders auf sie: Sexismus, Homophobie und Rassismus blieben früher völlig unbemerkt. Trotzdem haben die Filme für sie noch Wert.

Die US-Schauspielerin Molly Ringwald hat sich alte Filme angeschaut, in denen sie selbst mitspielt. Darunter die Kult-Trilogie „Das darf man nur als Erwachsener“, „The Breakfast Club“ und „Pretty in Pink“. Für die renommierte Zeitschrift „The New Yorker“ hat die 50-Jährige nun einen nachdenklichen Essay verfasst, in dem sie die komplizierten Gefühle schildert, die manche Szenen heute in ihr hervorrufen.

Ringwald arbeitet sich in ihrem Artikel vor allem an dem 2009 verstorbenen Regisseur John Hughes ab, der für alle drei Teenie-Filme das Drehbuch schrieb, bei zweien Regie führte. Seine Filme könne man teilweise als „rassistisch, frauenfeindlich, und manchmal als homophob“ bewerten. Das Wort „Schwuchtel“ werde häufig verwendet, so Ringwald.

Bei der Oscar-Verleihung 2010 wurde John Huhghes posthum für sein Werk geehrt. (Bild: AP Photos)

Ganz besonders negativ war Ringwald eine Szene in „The Breakfast Club“ aufgefallen. In besagter Szene versteckt sich ein Mitschüler namens John Bender unter einem Tisch, um sich vor einem Lehrer zu verstecken. Dabei schaut der Schüler der von Ringwald verkörperten Figur Claire direkt unter den Rock. Doch es sei nicht nur diese Szene: „Ich erkenne nun, dass John Bender den ganzen Film über Claire belästigt.“ Dennoch bekomme dieser Badboy am Ende das Mädchen.

Sie erzählt auch, wie sie den Regisseur John Hughes überredete, eine völlig unnötige Szene aus dem Film zu schneiden, in der ein Lehrer heimlich eine nackte Kollegin beobachtet. Ihre Mutter wiederum stellte den Regisseur zur Rede, als der Filmvater von Ringwalds Figur Samantha in “Das darf man nur als Erwachsener” eine unpassende Bemerkung über deren fehlende Unterwäsche machen sollte. Im gleichen Film kommt es zu einer Sequenz, in dem ein Charakter einem anderen seine betrunkene Freundin für eine Nacht “übergibt”. Am nächsten Morgen sagt sie, sie glaube, ihr habe es gefallen – weil sie sich nicht erinnern kann. Es soll eine lustige Szene sein; doch Ringwald geht sie nicht mehr aus dem Kopf, weil heutzutage kaum ein Zweifel daran besteht, dass das Mädchen vergewaltigt wurde.

Nachdem im Zuge der #MeToo-Debatte etliche Frauen über ihre Erfahrungen mit sexuellen Missbrauch an die Öffentlichkeit gegangen waren, wirft Ringwald einen neuen Blick auf ihr Jugendwerk. „Wenn das unterdrückende Verhalten gegenüber Frauen System hat – und ich glaube das ist es – dann kann es gut sein, dass die Kunst, die wir konsumieren, diese Verhaltensweisen bestärkt.“

Molly Ringwald als Claire in dem Film „The Breakfast Club“ aus dem Jahr 1985. (Bild: wenn)

Weiter schreibt sie: “Was sollen wir fühlen in Bezug auf Kunst, die wir sowohl lieben als auch ablehnen? Was, wenn wir in der ungewöhnlichen Position sind, bei ihrer Erschaffung mitgeholfen zu haben? Die Geschichte auszulöschen ist ein gefährlicher Weg, was Kunst betrifft – Veränderung ist wichtig, aber genauso wichtig ist es, sich an die Vergangenheit zu erinnern, an die Grenzüberschreitungen und die Barbarei, damit wir einschätzen können, wie weit wir schon gekommen sind und wie weit wir noch gehen müssen.”

John Hughes war unter anderem Regisseur von solchen Klassikern wie „Kevin – Allein zu Haus“, „The Breakfast Club“, „Ferris macht blau“ und „Allein mit Onkel Buck“. Er schrieb außerdem etliche Drehbücher. Trotz ihrer Kritik lobte Ringwald in ihrem Essay Hughes aber auch für sein Lebenswerk. Sie schreibt, ihm sei es wirklich wichtig gewesen, Teenager ernst zu nehmen und ihnen eine Stimme zu geben.