Mogelte der Gucci-Chef sein Millionengehalt an der Steuer vorbei?

Er hat gut lachen: Gucci-Chef Marco Bizzarri soll Millionen Euro am Fiskus vorbeigemogelt haben. (Bild: ddp)

Acht Millionen Euro Nettogehalt pro Jahr hatte Marco Bizzarri bei Gucci rausgeholt. Jetzt kommt ans Licht, mit welchen ausgeklügelten Steuertricks der Konzern die Abgaben umging. So könnte die Firma über 50 Millionen Euro gespart haben.

Nach den Enthüllungen der Panama- und Paradise-Papers wundert sich eigentlich niemand mehr über das unmoralische Verhalten von Großkonzernen und Millionären. Doch selten war ein solch detaillierter Einblick in die Manöver internationaler Unternehmen möglich wie im aktuellen Gucci-Fall. Wie sich der Gucci-Chef Marco Bizzarri jahrelang durch europäische Steuerlöcher gedrückt hatte, enthüllen interne Dokumente, die von „Mediapart“, dem „Spiegel“ und anderen Partnern des Journalistennetzwerks European Investigative Collaborations (EIC) ausgewertet wurden.

Die Facebook-Abrechnung: Das Social Network steckt in der ersten großen Krise

Demnach hatte der Chef des Luxuslabels im Jahr 2014 mit dem Mutterhaus Kering ein Nettogehalt von acht Millionen Euro jährlich ausgehandelt. Nach einem Treffen zwischen Bizzarri und Kering-Patron François-Henri Pinault, Chef der französischen Eigentümerfamilie, bestätigte ein Vertrauter von Pinault das Angebot via E-Mail: “Du wirst in dem angehängten Dokument sehen, dass die Gehaltsteile angesichts deines Status als Nicht-Resident in Italien eine geschätzte Totalvergütung von 8.041 K Euro als Nettogehalt ergeben.” 8.041 K, das sind 8,041 Millionen Euro. Doch den Konzern sollte das Chef-Gehalt mit allen Nebenkosten nur 9,5 Millionen Euro kosten. Das geht laut „Spiegel“ aus einem Anhang der Mail hervor.

Der Trick: Bizzarri bekam zwei Arbeitsverträge. Einen über 2,5 Millionen Euro in Italien, den anderen über 5,5 Millionen Euro in Luxemburg. Auf letzteren mussten weder das Unternehmen noch der Gucci-Chef Lohnsteuer bezahlen. Fällig wurden aufgrund seines offiziellen Wohnsitzes in Tessin nur 146.000 Euro Pauschalbesteuerung in der Schweiz – lediglich 2,5 Prozent seines jährlichen Einkommens. Auch die Sozialabgaben auf sein Luxus-Gehalt beliefen sich laut „Spiegel“ auf lächerliche 91.000 Euro, die nicht einmal zwei Prozent seines Jahresgehalts ausmachen.

Für “Zombie-Jäger”: Tesla-Chef Elon Musk verkauft Flammenwerfer

Unterdessen soll Bizzarri seine Steuern übrigens wieder in Italien bezahlen. Dort habe er auch freiwillig Millionen nachgezahlt, berichtet unter anderem der „Spiegel“. Dass dies ein Akt der Reue war, bezweifeln diverse Medien. Sie gehen vielmehr davon aus, dass die Angst, das riskante Steuerspiel könne auffliegen, dahintersteht. Wie der „Spiegel“ mutmaßt, könnten die Firma und der Gucci-Chef mit ihren Steuertricks mehr als 50 Millionen Euro gespart haben.

Sehen Sie im Video: Hier liegt das Geld auf der Straße