Moderna wächst rasant – doch der Umsatz des Unternehmens hängt fast ausschließlich vom Impfstoff ab

·Lesedauer: 3 Min.

In der Hauptlobby des weitläufigen Campus des Biotech-Unternehmens Moderna sind Körbe mit Stecknadeln gefüllt, die für die Meilensteine des Arzneimittelherstellers stehen: die Lieferung von zuerst 100 Millionen und dann 200 Millionen Dosen seines Coronavirus-Vakzins. Bis zum Ende des Jahres sollen es eine Milliarde werden.

Vor der Pandemie hatte das Unternehmen noch nie ein zugelassenes Medikament hergestellt. Dann kam Corona und Moderna entwickelte in Rekordzeit einen Impfstoff, der auf der neuen mRNA-Technologie basiert. Mehr als 60 Millionen Menschen in den USA haben inzwischen eine vollständige Impfung mit dem Vakzin erhalten und es ist keine Übertreibung, zu sagen, dass die Arbeit des Unternehmens dazu beigetragen hat, Hunderttausende von Leben zu retten. „Ich glaube wirklich, dass das Unternehmen das Unmögliche möglich gemacht hat“, sagt Huijuan Li, Vice President Analytical Development bei Moderna.

Das nächste Kapitel von Moderna bleibt jedoch offen. Insbesondere da sich die Bewertung des Unternehmens an der Böse den 100 Milliarden US-Dollar nähert. Steht Moderna an der Spitze einer größeren medizinischen Revolution oder bleibt der Impfstoff ein Ausnahmeerfolg?

mRNA als Schlüssel zum Erfolg

Die Führungskräfte von Moderna argumentieren, dass das Unternehmen durch den Erfolg der mRNA-Technologie darauf vorbereitet ist, Dutzende neuer Medikamente herzustellen. Allerdings wird aktuell – im Gegensatz zur Situation bei anderen großen US-Pharmaunternehmen – der Umsatz fast ausschließlich von einem einzigen Produkt bestimmt: dem eigenen Coronavirus-Impfstoff.

Das Vakzin von Moderna basiert dabei auf der gleichen Technologie wie der Impfstoff von Biontech/ Pfizer. Die Vakzine enthalten Informationen aus der mRNA, darunter den Bauplan eines bestimmten Virusmerkmals. Dank dieser Information kann der Körper das benötigte Antigen selbst produzieren. Die von Moderna und Biontech entwickelten Impfstoffe gegen das Coronavirus sind die ersten mRNA-Impfstoffe, die in der Öffentlichkeit eingesetzt werden. Ihr Vorteil: Sie sind leichter herzustellen als herkömmliche Impfstoffe und lassen sich schneller an Mutationen anpassen.

An der Wall Street legte das Unternehmen durch den Impf-Erfolg einen steilen Höhenflug hin. Der Wert von Moderna verzehnfachte sich im vergangenen Jahr. Für 2021 rechnet der Arzneimittelhersteller mit einem Umsatz von 18,4 Milliarden US-Dollar. Doch Anleger und Analysten zögern bereits. Erwartet wird ein Umsatzrückgang der „unvermeidlich ist und heftig sein könnte“, sobald die Pandemie im Griff ist, wie Branchenexperte Max Nisen von „Bloomberg“ voraussieht.

Doch durch den großen Impfstoff-Erfolg stehen dem Pharmaunternehmen alle Türen offen. Mit der mRNA-Technologie versucht Moderna nun auch, eine Vielzahl anderer Krankheiten wie Krebs zu bekämpfen und entsprechende Medikamente oder Behandlungen zu entwickeln. „Dieser Prozess hat unser Verständnis der mRNA-Technologie und der Anwendung in Impfstoffen wirklich gestärkt“, sagt Li über das Vakzin seines Unternehmens.

Modernas Mega-Campus in Norwood

Modernas Sitz in Norwood.
Modernas Sitz in Norwood.

Im Jahr 2018 eröffnete Moderna sein Forschungszentrum Norwood im US-Bundesstaat Massachusetts. Das Unternehmen zog in eine 200.000 Quadratmeter große Anlage, die früher Polaroid-Bilder herstellte. Mitten in der Pandemie expandierte Moderna weiter und verlegte viele der Forschungsteams in ein zweites Gebäude in Norwood, das jetzt als Moderna Technology Center North bezeichnet wird. Der Bau eines dritten Gebäudes im Osten der Anlage ist ebenfalls geplant. Norwood wird dank Moderna zum Mega-Campus.

Um der Immobilienexpansion gerecht zu werden, führte Moderna einen Einstellungsmarathon durch und hat die Mitarbeiterzahl während der Pandemie auf 1.500 Angestellte verdoppelt. Ungefähr 800 davon sind in Norwood ansässig. Ein Sprecher des Unternehmens sagte, dass es bis zum Ende des Jahres 1.200 werden sollen. Der offensichtliche Treiber dieses Wachstums war auch hier der hauseigene Coronavirus-Impfstoff. Das ursprüngliche Norwood-Gebäude – die alte Polaroid-Fabrik – wurde ausgebaut und mit Ausrüstung gefüllt, bis es „aus allen Nähten platzte“, wie einer der Moderna-Wissenschaftler es beschrieb.

Doch das Unternehmen steht auch vor einer wissenschaftlichen Unbekannten. Die Grenzen der mRNA-Technologie sind noch nicht erforscht. Funktioniert der Ansatz am besten bei Viruserkrankungen, die eine schnelle Reaktion erfordern, oder können mRNA-Medikamente Krebs, seltene Krankheiten und sogar Herzerkrankungen erfolgreich behandeln? Moderna führt dazu aktuell klinische Studien für eine Reihe von Medikamenten durch. Fest steht: Das Potenzial ist da. Modernas Stellung in der Pharmaindustrie hängt davon ab.

Dieser Artikel wurde von Klemens Handke aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original findet ihr hier.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.