Modenschau mit Opfern von Säureangriffen in Indien

Weltweit sind tausende Frauen für ihre Rechte auf die Straße gegangen. Etwa in Madrid, Mexiko-Stadt und Istanbul demonstrierten sie anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen

In Indien hat es erstmals eine Modenschau mit Opfern von Säureangriffen gegeben. Neun Frauen mit durch Säure entstellten Gesichtern präsentierten am Samstag in Neu Delhi Kollektionen von indischen Top-Designern, keine von ihnen verdeckte ihr Gesicht. Die überlebenden Frauen der Angriffe waren nahezu alle von ihren Ehemännern oder nahen Familienmitgliedern attackiert worden.

"Ich war sehr nervös", sagte Model Meena Khatoon nach ihrem Auftritt der Nachrichtenagentur AFP. Aber sie habe eine Botschaft übermitteln wollen. Die Mutter eines kleinen Sohns war von ihrem Ex-Mann mit Säure angegriffen worden. "Die Leute haben oft weggeschaut, wenn ich auf die Straße gegangen bin", sagte sie. Aber sie müsse trotz allem ihr Leben und das ihres Sohnes aufbauen. Khatoon führt inzwischen einen Laden für Handy-Reparaturen.

Unterstützt wurde sie von der Organisation Make Love Not Scars ("Macht Liebe, keine Narben"), die auch die Haute-Couture-Schau in Neu Delhi organisierte. Die Gruppe hilft Überlebenden von Säureangriffen, ihr Leben wieder aufzubauen. Die Modeschau gebe den von der Gewalt gezeichneten Frauen die Möglichkeit, Selbstvertrauen wiederzugewinnen, hieß es.

Jedes Jahr werden hunderte dieser Angriffe gemeldet. Der Vizepräsidentin von Make Love Not Scars, Tania Singh, zufolge liegt die Dunkelziffer mutmaßlich in den Tausenden. Die regionalen Behörden würden nicht alle Fälle melden, und manche Frauen würden bei den Familien bleiben, von denen sie angegriffen wurden.