Modekette in der Kritik, weil sie sich über Menschen mit Down-Syndrom lustig macht

Die Multi-Level-Marketing Modemarke LulaRoe weigert sich, sich von einem freien Verkäufer zu trennen, der sich über Menschen mit Behinderungen lustig gemacht hat. Dadurch hat das Unternehmen eine Partnerschaft mit einer Down-Syndrom-Interessenvertretung verloren und bekam einen Shitstorm in den sozialen Medien.

„Wir werden uns auch weiterhin für Down-Syndrom-Bildung und -Engagement stark machen“, stand in einer Stellungnahme der LulaRoe-CEOs Mark und DeAnne Stidham, die an Yahoo Lifestyle geschickt wurde.

„Dies ist ein Thema, das sehr persönlich ist, uns sehr am Herzen liegt und wichtig für unsere Familie und die gesamte LuLaRoe Gemeinschaft ist.“

Der Eklat begann am Mittwoch, als Verkäufer Robert Budenbender einen Livestream-Verkauf aufnahm, in dem er sich scheinbar über eine behinderte Person lustig machte. „Mein Name ist Robert und ich bin behindert“, sagte er.

Robert Budenbender schien sich in einem Livevideo, das er für seine Kunden erstellte, über Menschen mit Behinderungen lustig zu machen. Quelle: YouTube/Robert Budenbender

Social Media User, manche davon Eltern von Kindern mit Down-Syndrom, äußerten ihr Entsetzen über Budenbenders Verhalten und riefen zu einem Boykott des Unternehmens auf. Manche Käufer kündigten ihren Vertrag mit LulaRoe.


Es ist offiziell. Ich werde kein Unternehmen ohne moralischen Kompass unterstützen.


@LuLaRoe lügt, betrügt und ist voller Gier. Ihre Stellungnahme ist falsch. NDSS hat gekündigt, nicht umgekehrt. #boycottlularoe


Was noch schlimmer ist, die Gründer haben eine Enkeltochter mit Down-Syndrom. Wie wird sie sich wohl fühlen, wenn sie das erst einmal begreift. @LuLaRoe – euer Unternehmen sollte Menschen vor Profit stellen. @NDSS hat die richtige Entscheidung getroffen.

Das Leggins-Modehaus, das in der Vergangenheit beschuldigt wurde, in ein „Schneeballsystem verwickelt zu sein, hatte eine Kooperation mit der “National Down Syndrome Society” und spendete einen Dollar von jedem Verkauf an die Organisation. Und als DeAnnes Enkelin Scarlett mit Down-Syndrom auf die Welt kam, benannte LulaRoe ein Design nach dem kleinen Mädchen und zeigte sie sogar in einer Werbung.


Und an die wundervolle kleine Lady, nach der dieses niedliche Kleid benannt ist, Happy Birthday Scarlett! Du bringst allen so viel Freude und wir sind so dankbar für das vergangene Jahr und viele weitere, die noch kommen werden.

Da steckt bittere Ironie hinter diesem Bild, das das Engagement für „soziale Verantwortung“ der Marke bewirbt. Quelle: LulaRoe

Am Donnerstag nahmen Robert und seine Frau Taya Budenbender gemeinsam mit Tayas Schwester, die am Down-Syndrom leidet, ein 16-minütiges Entschuldigungs-Video auf. In der Aufnahme, die von einer dritten Person auf YouTube hochgeladen wurde, sagte Robert, dass es „keine Entschuldigung“ für sein Verhalten gebe, das „aus dem Zusammenhang gerissen“ sei. Er bestand auch darauf, dass sein Verhalten nicht seine wahren Gefühle reflektiere und dass dies „nicht sehr nett“ war.

Taya erklärte auch, dass der Humor ihres Ehemannes niemanden in der Familie – inklusive ihrer Schwester – mehr überrasche und diese mit der gleichen Art von Humor zurückschieße. Aber „als wir das Video sahen, verstanden wir, dass es beleidigend war und es tat uns im Herzen weh“, sagte sie. „Wir wissen, wir ihr euch fühlt.“

Am Freitag veröffentlichten Gordon Spoor (Leiter) und Sara Hart Weir (Präsidentin und CEO der National Down Syndrome Society) eine gemeinsame Stellungnahme auf Facebook, in der sie das Video verurteilten.

„In den vergangenen 24 Stunden haben wir von der National Down Syndrome Society erfahren, dass ein Online-Video eines freien Verkäufers von LuLaRoe, das sich über eine behinderte Person lustig macht, auf YouTube gepostet wurde“, stand in der Stellungnahme. „Dieses Video ist untragbar und vertieft die Stigmata, gegen die wir tagtäglich bei der NDSS kämpfen nur noch weiter. Während wir die Entschuldigung dieser Person und die bisherige Unterstützung von LuLaRoe schätzen, müssen wir unser Leitbild aufrechterhalten und unsere Kooperation und jede weitere Zusammenarbeit mit LuLaRoe umgehend beenden.“

Robert wurde als unaufrichtig und eigennützig verurteilt. Quelle: YouTube/Rbert Budenbender

Am selben Tag veröffentlichte LulaRoe eine eigene Stellungnahme auf Facebook, in der sie erklären, dass Budenbender zwar ein „inakzeptables und taktloses Verhalten“ an den Tag gelegt habe, aber seine Entschuldigung aufrichtig sei und der „unglückliche Vorfall“ als Anlass für eine Schulung für Feinfühligkeit und Toleranz genutzt werde. „Wir glauben nicht, dass die beste Reaktion auf seine Handlungen, für die er sich umfänglich entschuldigt hat, das Schließen seines Geschäfts und die Bedrohung seiner Möglichkeit, für seine Familie zu sorgen, ist“, stand in der Stellungnahme.

Auf die Anfrage nach einem Kommentar verwies die NDSS Yahoo Lifestyle auf ihre Facebook-Seite und Budenbender reagierte gar nicht auf eine Interviewanfrage. Aber laut BuzzFeed, wo ein Screenshot einer privaten Facebook-Gruppe LulaRoe mit Taya und Bobby Budenbender VIPS veröffentlicht wurde, schrieb Taya zu dem Eklat: „Hater werden immer hassen. Und sie hassen gerade immens.“

„Es ist extrem enttäuschend, dass irgendjemand heutzutage und in dieser Zeit denkt, dass es akzeptabel sei, sich über jemanden mit einer geistigen Behinderung lustig zu machen“, erklärte Margaret Nygren, Executive Director und CEO der American Association on Intellectual and Developmental Disabilities, gegenüber Yahoo Lifestyle. „Hoffentlich werden diese Person und andere als Resultat der Aufmerksamkeit, die das Video auf dieses Thema gelenkt hat, in Zukunft besser nachdenken.“

Im vergangenen Jahr geriet LulaRoe in die Schlagzeilen, weil das Unternehmen des Einsatzes eines Schneeballsystems beschuldigt wurde. Dies führte zu einer Klage in Höhe von einer Milliarde Dollar gegen die Firma, weil CEO Mark Stidham die Kritiker „Schweine“ genannt hatte – und weil sie Leggings herstellten, die „reißen wie nasses Toilettenpapier“.

Elise Solé