Mobilfunk-Monopoly in den USA


Die Deutsche Telekom könnte die Hoffnung begraben müssen, ihr US-Geschäft durch eine Fusion mit dem Mobilfunkanbieter Sprint auf eine größere Basis zu stellen. Denn die japanische Sprint-Mutter Softbank hat offensichtlich andere Pläne, als mit den Deutschen einen Deal zu verabschieden.

Softbank könnte ein direktes Angebot für den US-Kabelnetzbetreiber Charter Communications abgeben, nachdem eine Ende vergangene Woche unterbreitete Offerte von Sprint von Charter abgelehnt worden war. Softbank ist Mehrheitseigentümer von Sprint.

Softbank-Eigentümer Masayoshi Son könnte ein Angebot im Namen von Softbank statt Sprint bereits in dieser Woche vorlegen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg am Montag unter Berufung auf Personen, die mit dem Vorgang vertraut seien.


Damit könnte dem am Sonntag bereits tot gewähnten Deal neues Leben eingehaucht werden. Vor Bekanntwerden des möglichen Angebots durch Softbank statt durch Sprint, hatte Charter noch mitgeteilt: „Wir verstehen, warum das Geschäft für Softbank interessant wäre, aber Charter hat keine Interesse daran, von Sprint gekauft zu werden.“

Die Softbank-Aktie hat im japanischen Handel 2,9 Prozent an Wert verloren. Die Gesellschaft hat einen Wert von 89 Milliarden Dollar an der Börse, der Kabelnetzbetreiber Charter ist mit 101 Milliarden Dollar Börsenwert sogar noch größer. Softbank lehnte einen Kommentar zu den Informationen ab.

US-Kabelnetzbetreiber und -Mobilfunkunternehmen kreisen derzeit immer wieder umeinander, weil die Zahl der Kunden wächst, die auf mobilen Geräten Videos schauen und das Internet nutzen. Eine Verbindung aus Firmen wie Charter und Sprint könnte aus einer Hand den kompletten Service bieten – von Breitband-Internet zu Hause bis zu mobilen Datentarifen. Damit wäre ein direkter Wettbewerb zu anderen Anbietern solcher Pakete wie AT&T und Verizon möglich.


Son hatte auch eine Fusion mit T-Mobile US, dem amerikanischen Mobilfunkgeschäft der Deutschen Telekom, ins Auge gefasst. Sprint hatte sogar öffentlich erklärt, dass ein Zusammenschluss mit T-Mobile sinnvoll sein könnte, um einen größeren Mobilfunker zu schaffen, um den Wettbewerb mit den beiden Platzhirschen auf dem US-Markt, AT&T und Verizon, anzuheizen. Aber der Plan sei nicht weiter verfolgt worden, nachdem der Wert des von Sprint kontrollierten Mobilfunk-Spektrums deutlich angestiegen sei.

Einen Softbank-Deal mit Charter könnte ein Abkommen erschweren, dass Charter mit dem Kabelnetzbetreiber Comcast geschlossen hat. Beide Firmen hatten im Mai beschlossen, bei einer Transaktion mit einem Mobilfunker zusammen zu arbeiten. Dadurch hätte Comcast wohl ein Mitspracherecht, sollte Charter doch mit Softbank beziehungsweise Sprint zusammengehen wollen.