Mobbing: Was zu tun ist, wenn euer Kind andere im Internet oder in der Schule mobbt

Mobbing ist eine bekannte Problematik, vor allem unter Kindern und Jugendlichen. Aber was ist zu tun, wenn das eigene Kind andere mobbt?

(Bild: CREATISTA/Shutterstock)
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Wenn ihr an Kinder und Mobbing denkt, stellt ihr euch vielleicht Beschimpfungen auf dem Spielplatz oder einen Streit im Schulbus vor. Aber Mobbing kann überall vorkommen, und es ist wahrscheinlich häufiger, als ihr denkt.

In einer Umfrage in den USA aus dem Jahr 2017 gab einer von fünf 12- bis 18-jährigen Schülern an, in der Schule gemobbt worden zu sein. Und in einer Umfrage unter 9- bis 12-jährigen Schülern aus dem Jahr 2020 gab etwa die Hälfte an, in der Schule gemobbt worden zu sein, während etwa 15 Prozent angaben, Cybermobbing erlebt zu haben.

Es kann schwierig sein zu wissen, wie man reagieren soll, wenn das eigene Kind gemobbt wird. Was aber, wenn euer Kind oder Jugendlicher das Problem selbst verursacht? Wichtig zu wissen: Selbst wenn euer Kind bereits in Mobbinghandlungen verwickelt ist, könnt ihr Maßnahmen ergreifen, um diese zu stoppen oder zu verhindern.

Ein Autor von Erziehungsratgebern und ein Kinder- und Jugendpsychiater geben Ratschläge, wie ihr damit umgehen könnt, wenn ihr feststellt, dass euer Kind andere mobbt, sei es online oder persönlich.

Seid achtsam

Wenn euer Kind persönlich schikaniert wird, erfahrt ihr vielleicht nicht immer von der Schule oder anderen Eltern davon. Titania Jordan, die Autorin von "Parenting in a Tech World", schlägt vor, die Schule und die Betreuer eures Kindes zu bitten, euch über Mobbingverhalten zu informieren. Es kann auch hilfreich sein, das Gleiche mit den Eltern der Freunde eures Kindes zu tun.

Es könnte sogar noch schwieriger sein, herauszufinden, ob euer Kind in Cybermobbing verwickelt ist. Larry Mitnaul, Kinder- und Jugendpsychiater aus Kansas, empfiehlt einen proaktiven Ansatz, um Anzeichen von Mobbing zu erkennen.

"In diesem Zeitalter der Erziehung durch Bildschirme ist es hilfreich, wenn wir in diesen Bereichen wachsam sind, damit wir erkennen können, wenn unsere Kinder gemein sind, Zwang ausüben oder sich einschüchtern lassen", sagt er.

Jordan sagt, dass es wichtig ist zu verstehen, welche Arten von Mobbing im Internet vorkommen können: Cybermobbing kann direkte Belästigungen beinhalten, wie das Versenden von verletzenden Textnachrichten oder das Hinterlassen von negativen Kommentaren in sozialen Medien, aber auch das Posten von peinlichen Fotos von anderen oder der Ausschluss anderer von einem Spiel oder einer Unterhaltung.

Bleibt ruhig

Es ist erschütternd, herauszufinden, dass euer Kind Mobbing betreibt. Aber eine heftige emotionale Reaktion kann euer Kind davon abhalten, sich euch gegenüber zu öffnen und zu erklären, was mit ihm los ist und warum es tut, was es tut. "Ruhig zu bleiben kann euch helfen, ein offenes Gespräch darüber zu führen, warum Mobbing nicht akzeptabel ist und wie ihr die Situation verbessern könnt", so Jordan.

Atmet ein paar Mal tief durch und nehmt euch bei Bedarf ein paar Minuten Zeit für euch selbst, damit ihr in Ruhe auf euer Kind zugehen könnt. Jordan schlägt vor, euer Kind zunächst wissen zu lassen, dass ihr es bedingungslos liebt, bevor ihr ihm Fragen zu der Situation stellt oder ihm die Schwere seines Verhaltens erklärt.

Redet über das Verhalten

Mitnaul schlägt vor, die Situation mit eurem Kind und gegebenenfalls mit einem anderen Erwachsenen, der mit euch zusammenlebt, zu besprechen. Lasst euer Kind wissen, dass ihr wisst, was vor sich geht, und dass ihr es verstehen wollt, damit ihr Abhilfe schaffen könnt.

"Versucht, den Kontext des Geschehens zu verstehen, damit ihr wisst, wie ihr die nächsten Schritte angehen könnt", so Mitnaul. Fragt zum Beispiel, ob das Mobbing einmalig oder andauernd auftrat und warum euer Kind es ausgelöst hat.

Sobald ihr mehr über das Geschehen erfahren habt, sprecht mit eurem Kind darüber, warum das Verhalten unangemessen und schädlich ist. Passt das Gespräch an das Alter eures Kindes an. "Ein jüngeres Kind versteht vielleicht noch nicht, welches Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen erwartet wird, daher ist dies eine gute Gelegenheit, ihm die Tragweite seiner Handlungen zu verdeutlichen", so Mitnaul.

Unabhängig von der Entwicklungsphase eures Kindes solltet ihr sein Einfühlungsvermögen fördern, indem ihr es auffordert, sich vorzustellen und auszudrücken, wie sich die andere Person gefühlt hat.

Schlagt neue Methoden vor

Kinder mobben aus vielen Gründen, die von einfachen Missverständnissen bis hin zu Ängsten und geringem Selbstwertgefühl reichen. Nachdem ihr erfahren habt, warum euer Kind gemobbt hat, und erklärt haben, warum Mobbing nicht akzeptabel ist, solltet ihr versuchen, eurem Kind Hilfsmittel an die Hand zu geben, mit denen es ähnliche Situationen besser bewältigen und Mobbing verhindern kann, so Mitnaul.

"Vielleicht sagt euer Kind zum Beispiel: 'Ich war unhöflich zu Sally, weil sie mich immer ansieht, als wäre ich dumm'", sagt er. In diesem Fall solltet ihr eurem Kind klarmachen, dass die Klassenkameradin es vielleicht nicht absichtlich so angesehen hat und dass es, wenn es verärgert ist, eine Lehrkraft um Hilfe bitten kann.

Wenn euer Kind aufgrund von Ängsten oder geringem Selbstwertgefühl gemein zu anderen war, könnt ihr gemeinsam an diesen Dingen arbeiten und bei Bedarf die Hilfe eines Schulmitarbeiters oder eines Arztes in Anspruch nehmen.

Seid konsequent

Eurem Kind zu zeigen, dass seine Handlungen Konsequenzen haben - und dass seine Handlungen andere Menschen beeinflussen können - ist eine weitere Möglichkeit, Mobbing zu stoppen. Ermutigt euer Kind, sich bei der Person zu entschuldigen, die es verletzt hat, sei es persönlich oder durch eine Nachricht. "Helft den Kindern zu üben, sich für ihre Handlungen zu entschuldigen, damit sie die Beziehung wiederherstellen können", so Mitnaul.

Ihr könnt auch über eine Konsequenz zu Hause nachdenken, zum Beispiel, indem ihr eurem Kind eine Aktivität, die es mag, für eine bestimmte Zeit entzieht. Mitnaul sagt, dass Kinder oft Mobbing-Verhaltensweisen nachahmen, die sie im Internet gesehen haben, sodass es hilfreich sein kann, die Bildschirmzeit nach dem Vorfall zu begrenzen oder zu überwachen.

Obwohl Disziplin ein wirksames Mittel ist, um unerwünschtes Verhalten zu unterbinden, empfiehlt Mitnaul auch positive Verstärkung. "Belohnt euer Kind für ein Verhalten, das ihr euch wünscht, wie zum Beispiel ein liebevolles oder hilfsbereites Verhalten gegenüber einem Geschwisterkind", sagt er.

Sucht euch Hilfe, wenn ihr sie benötigt

Wenn das Mobbing immer wieder auftritt oder ihr euch mit dem negativen Verhalten eures Kindes zu Hause, in der Schule oder im Internet überfordert fühlt, ist es vielleicht an der Zeit, Unterstützung zu suchen. Mitnaul schläft vor, eure Bedenken dem Arzt eures Kindes mitzuteilen, der euch Empfehlungen für das weitere Vorgehen geben kann.

Laut Mitnaul kann ein Kinderarzt euer Kind nicht nur auf psychische oder verhaltensbedingte Probleme untersuchen, sondern auch Strategien empfehlen, die ihr zu Hause ausprobieren könnt, oder euch an einen Spezialisten wie einen Therapeuten oder Psychiater verweisen.

Packt die Schuldgefühle beiseite

Wenn das Verhalten eures Kindes nicht mit den Werten eurer Familie übereinstimmt, fühlt ihr euch vielleicht schuldig. Euch sollte bewusst sein, dass das Verhalten eures Kindes nicht unbedingt ein Spiegelbild eurer Erziehung oder sogar seines Charakters ist.

Jordan betonte, dass auch gute Menschen - insbesondere Kinder, deren Gehirn noch nicht voll entwickelt ist - schlechte Entscheidungen treffen können. Nutzt diese Gelegenheit, um darüber nachzudenken und eurem Kind zu vermitteln, was euch als Elternteil am wichtigsten ist. "Ihr habt den größten Einfluss auf das Leben eures Kindes", sagt Mitnaul. "Versucht also, eure Schuldgefühle als Chance für eine tiefere Verbindung zu nutzen.

Dieser Artikel wurde von Meltem Sertatas aus dem Englischen übersetzt. Den Originaltext findet ihr hier.

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