MLP-Patriarch verabschiedet sich mit 80 aus dem Aufsichtsrat


Auf ausgedehnte Ausführungen verzichtet er zum Abschied. Mit großer Freude blicke er heute auf die Erfolgsgeschichte von MLP zurück, „auch wenn es dabei mitunter schwierige Phasen gab“, ruft Manfred Lautenschläger den versammelten Aktionären auf der Hauptversammlung des Finanzvertriebsunternehmens in Wiesloch zu.

Nur knappe drei Seiten umfasst seine Rede. Das Publikum im Saal und der grauhaarige, 79-jährige Manager mit dem Dreitagebart wissen jedoch, dass dessen knappe Worte eine Zäsur markieren: Nach fast 50 Jahren nimmt Lautenschläger Abschied von dem Unternehmen, das er einst mitgeschaffen hat.

Lautenschläger gibt sein Aufsichtsratsmandat an diesem Donnerstag ab. „Ich werde in diesem Jahr 80, das ist auch für einen Aufsichtsrat ein biblisches Alter“, sagte er vor wenigen Tagen. Aus Anerkennung ernennt ihn MLP am Donnerstag zum Ehren-Aufsichtsratsvorsitzenden, was ihm weiter einen Gaststatus im Kontrollgremium garantiert.

Es ist der langsame Abschied eines Patrons. Den Vorstandsvorsitz hatte er vor zwanzig Jahren aufgegeben, den Aufsichtsratssitz vor zehn. Doch die Familie bleibt der wichtigste Aktionär des Finanzvertriebs. Ihr gehören mehr als 29 Prozent der Anteile, dazu gehören etwa vier Prozent, die Lautenschläger seiner Stiftung überlassen hat.

Und die nächste Generation der Familie steht für den Aufsichtsrat bereits parat: Am Donnerstag stellte sich Manfred Lautenschlägers 38-jähriger Sohn Matthias für das MLP-Kontrollgremium zur Wahl. Es sind große Fußstapfen, in die er tritt.

Fünf Jahre hintereinander hatte die Presse in den Neunzigerjahren MLP zum „Unternehmen des Jahres“ gekürt, die Firma notierte im Dax 30. Dann folgten schwere Rückschläge: 1980 wird eine Krebserkrankung bei Lautenschläger diagnostiziert, 2002 zerstören bei MLP umstrittene Bilanzierungen und Razzien in der Zentrale viel Vertrauen. Das Unternehmen fliegt aus dem Dax – und es erreichte seither nie wieder alte Höhen. „Diese Krisenjahre haben uns reifen lassen“, stellte Lautenschläger nun fest.

Karriere auf Umwegen

Geld, sagt der Volljurist, sei dabei nie sein wichtigster Antrieb gewesen. Diese Woche erklärte er, andere Reiche dazu bewegen zu wollen, etwas für die Gesellschaft zu tun, die ihren Aufstieg ermöglicht habe.

So war auch dem Polizistensohn Lautenschläger die Karriere nicht in die Wiege gelegt: Drei Jahre arbeitet er in einer Heidelberger Diskothek als DJ und Türsteher, bevor er Jura studiert. Nach dem Abschluss hat er dann schon einen Job als Gerichtsreferendar, als er 1971 auf den Versicherungsvertreter Eicke Marschollek trifft.


Gemeinsam entwickeln sie ein neues Geschäftsmodell, eine speziell auf Akademiker ausgerichtete Versicherungs- und Finanzberatung. Sie gründen die Finanzberatung Marschollek, Lautenschläger und Partner KG, aus der MLP entsteht. 30 Prozent Wachstum bei Umsatz und Gewinn sind in Boomzeiten für MLP keine Seltenheit – der Gründer dankt seinen Mitarbeitern ihre gute Arbeit mit Gratisaktien – 1988 folgt der Börsengang. Einen Übernahmeversuch des Rivalen AWD wehrt Lautenschläger später ab. Er will lieber eigenständig bleiben.

 „Die Weichen für das fortwährende Engagement meiner Familie und mein eigenes bei MLP“ seien gestellt, ruft Lautenschläger den Aktionären zu. Ganz loslassen wird er MLP daher nicht: Auch nach dem Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat behält der neue Ehrenvorsitzende sein Büro in der Firmenzentrale in Wiesloch. Vorstandschef Uwe Schroeder-Wildberg sollte sich also nicht allzu sehr wundern, wenn er in den Gängen der Zentrale weiter einem sehr vertrauten Gesicht begegnet.