MLB: Durch den wilden Westen in den heißen Herbst

Das All-Star Game ist vorbei, die zweite Saisonhälfte steht vor der Tür. Zeit einen Blick auf die Lage der Liga zu werfen. Wie steht es in den Divisions, wer hat noch Hoffnungen auf die Wildcards und was passiert bis zur Trade Deadline? SPOX liefert mögliche Antworten.

Das All-Star Game ist vorbei, die zweite Saisonhälfte steht vor der Tür. Zeit einen Blick auf die Lage der Liga zu werfen. Wie steht es in den Divisions, wer hat noch Hoffnungen auf die Wildcards und was passiert bis zur Trade Deadline? SPOX liefert mögliche Antworten.

Seite 1: Playoff-Rennen in der American League

MLB: Die Playoff-Rennen im Überblick

American League East

In der American League East herrschen recht klare Verhältnisse, denn sowohl die Red Sox als auch die Yankees sind auf bestem Wege in die Playoffs. Glaubt man FanGraphs, dann liegt die Wahrscheinlichkeit, dass beide in die Playoffs kommen, bei schlanken 100 Prozent!

In welcher Reihenfolge das dann passiert, also wer die Division gewinnt und wer folglich ins ungeliebte Wildcard Game muss, ist dagegen noch ziemlich offen. Die Red Sox führen nach einer unglaublich konstanten ersten Saisonhälfte mit 4 ½ Spielen vorm Erzrivalen, der aber noch ein paar Nachholspiele auf dem Zettel hat.

Insgesamt können wir uns auf einen atemberaubenden Schlussspurt gefasst machen, zumal beide Teams noch zehn Mal gegeneinander spielen (die Begegnung am 4. August zeigt SPOX im LIVESTREAM FOR FREE). Bei den Yankees kommen in Kürze die Leistungsträger Gary Sanchez und Gleyber Torres zurück, bei den Red Sox wiederum bangen sie um die Pitcher Drew Pomeranz, Eduardo Rodriguez und Steven Wright. Zudem planen beide, sich noch auf dem Trademarkt zu verstärken.

Team Siege Niederlagen Siegquote Games behind Playoff-Wahrscheinlichkeit (in Prozent)
Red Sox 68 30 .694 - 100
Yankees 62 33 .653 4,5 100
Rays 49 47 .510 18 1,3
Blue Jays 43 52 .453 23,5 0,4
Orioles 28 69 .289 39,5 0

American League Central

Eigentlich schien in der Central-Division der AL bereits die Messe gelesen zu sein, doch dann passierte etwas Überraschendes auf dem Weg zum All-Star Break: Die Indians fingen an zu schwächeln und die Twins plötzlich Feuer. Bis zum Break gewannen Max Kepler und Co. acht ihrer letzten zehn Spiele und verkürzten den Abstand zu Cleveland auf "nur" noch 7 ½ Spiele.

Das ist immer noch eine Menge Holz, aber die Twins zeigten bereits im Vorjahr, dass man sie nicht verfrüht abschreiben sollte. Damals starteten sie eine furiose Aufholjagd in der zweiten Hälfte und ergatterten sensationell noch eine Wildcard - trotz Ansätzen eines Firesales wohlgemerkt.

Man sollte allerdings nicht vergessen, dass die Indians in Kürze ihren "Fixer", Top-Reliever Andrew Miller, zurückerwarten. Sein Ausfall hatte maßgeblichen Anteil an den Problemen der Indians, die gerade im Bullpen derzeit gewaltig schwächeln. Millers Rückkehr dürfte dann eine enorme Verstärkung sein.

Team Siege Niederlagen Siegquote Games behind Playoff-Wahrscheinlichkeit (in Prozent)
Indians 52 43 .547 0 98,5
Twins 44 50 .468 7,5 2,4
Tigers 41 57 .418 12,5 0
White Sox 33 62 .347 19 0
Royals 27 68 .284 25 0

American League West

Im Westen nichts Neues: Die Houston Astros eilen allmählich der Konkurrenz davon. Stand jetzt sind es fünf Spiele auf die Mariners, doch tendenziell wird der Vorsprung sich eher noch vergrößern, zu gut erscheinen die Champions im Vergleich zur direkten Konkurrenz.

Bemerkenswert ist allerdings, dass die West die einzige Division in der American League ist, die vier Teams mit positiven Bilanzen stellt. Ein Sachverhalt, von dem sich gerade die Angels mit ihren 14 Spielen Rückstand nicht viel kaufen können.

Team Siege Niederlagen Siegquote Games behind Playoff-Wahrscheinlichkeit (in Prozent)
Astros 64 35 .646 - 100
Mariners 58 39 .598 5 65,7
Athletics 55 42 .567 8 29
Angels 49 48 .505 14 2,8
Rangers 41 56 .423 22 0

American League Wildcard

Wie bereits erwähnt, wird an den Yankees wohl kein Weg vorbeiführen, zu komfortabel liegen sie schon vorne. Dahinter jedoch ist vieles möglich. Die Mariners belegen aktuell die zweite Wildcard, doch sitzen ihnen vor allem die A's im Nacken. Die Rays und Angels sind theoretisch auch noch da, aber das Hauptaugenmerk sollte schon auf Oakland liegen, schließlich spielen sie noch zehn Mal gegen die M's, können also am ehesten aktiv ins Rennen eingreifen.

Die Rays sind insofern bemerkenswert, als dass sie sich in der Nähe zur Wildcard halten, obwohl ihre Offense sie sehr häufig im Stich lässt. Bei den Angels wiederum heißt der Grund zur Hoffnung Shohei Ohtani, der allerdings wohl nur noch als Hitter eingreifen wird. Problematisch ist dagegen die Tatsache, dass etliche gute Starting Pitcher verletzt sind und nicht mehr zurückkommen werden.

Seite 2: Playoff-Rennen in der National League

National League East

Eine der spannendsten Konstellationen überhaupt finden wir in diesem Jahr in der NL East vor. Die Phillies und Braves, Teams, die durchaus als Überraschungen durchgehen, liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das aus neutraler Sicht hoffentlich bis zum Ende spannend bleibt. Dahinter lauern die Nationals, die mit ihrer .500-Bilanz alles andere als zufrieden sein dürften.

Man wird das Gefühl nicht los, dass die Nationals immer noch kurz vor einem Durchbruch in diesem Jahr stehen. Kommt dieser, sind sie immer noch die Besten in dieser Division. Doch der muss auch kommen, sonst wird es eine traurige potenziell letzte Saison in der Hauptstadt für Superstar Bryce Harper - der ebenfalls noch fernab seiner Topform agiert.

Team Siege Niederlagen Siegquote Games behind Playoff-Wahrscheinlichkeit (in Prozent)
Phillies 53 42 .558 - 46,7
Braves 52 42 .553 0.5 36,8
Nationals 48 48 .500 5,5 60,6
Marlins 41 57 .418 13,5 0
Mets 39 55 .415 13,5 0,2

National League Central

Nennen wir es noch einen Dreikampf? Die Cubs und Brewers werden sich noch länger ein enges Rennen liefern, doch was machen die Cardinals? Nach durchwachsener bisheriger Saison und dem Rausschmiss von Manager Mike Matheny steht nun alles auf dem Prüfstein in Missouri.

Der Abstand von 7 ½ Spielen auf die Cubs ist noch nicht allzu groß, wenn man bedenkt, dass direkt zum Start in die zweite Hälfte eine Fünf-Spiele-Serie im Wrigley Field ansteht. Holt man hier etwas, dann ist das Rennen wieder offen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass nach der Serie die Messe gewissermaßen gelesen wäre.

Darüber hinaus darf man die Pittsburgh Pirates (9 Spiele zurück) zumindest noch als Dark Horse bezeichnen. Wenn ihnen eine substanzielle Siegesserie gelänge, wäre vielleicht doch noch was drin. Und wenn die Reds ihren Saisonstart nicht so dermaßen gegen die Wand gefahren hätten, wären auch sie noch ein Playoff-Anwärter. In jedem Fall schicken sie sich an, mit ihrer durchaus brauchbaren Truppe bis zum Ende als formidabler Spielverderber zu fungieren.

Team Siege Niederlagen Siegquote Games behind Playoff-Wahrscheinlichkeit (in Prozent)
Cubs 55 38 .591 - 97,8
Brewers 55 43 .561 2,5 47,7
Cardinals 48 46 .511 7,5 23,8
Pirates 48 49 .495 9 6,6
Reds 43 53 .448 13,5 0,2

National League West

Vier Teams dürfen sich noch legitime Hoffnungen auf die Playoffs machen. Tabellarisch gesehen ist dies das engste Playoff-Race von allen in diesem Jahr. Aber: Die Los Angeles Dodgers haben nach schwachem Start wieder in die Spur gefunden und sind nach dem Machado-Trade nun wohl kaum noch zu stoppen.

Umgekehrt muss sich die Konkurrenz aber an die eigene Nase fassen. Nachdem die Dodgers in die Saison gestolpert waren, sah es kurz mal so aus, dass die Diamondbacks und vielleicht Rockies das Zeug dazu hätten, davonzuziehen. Doch beide fingen dann selbst an zu schwächeln und so kamen die Dodgers immer näher. Nun scheinen sie nicht mehr zu stoppen zu sein.

Die Schwächephasen der D-Backs und Rockies machten es indes auch möglich, dass die Giants im Rennen blieben. Sie darf man nun auch nicht aus den Augen verlieren, denn mit Madison Bumgarner, Johnny Cueto und Jeff Samardzija sind nun alle drei Top-Starter des Teams wieder gesund. Das dürfte dem Team aus der Bay Area ebenfalls nochmal einen Schub geben.

Team Siege Niederlagen Siegquote Games behind Playoff-Wahrscheinlichkeit (in Prozent)
Dodgers 53 43 .552 - 95
Diamondbacks 53 44 .531 0,5 48,7
Rockies 51 45 .531 2 20,9
Giants 50 48 .510 4 15,1
Padres 40 59 40,4 14,5 0

National League Wildcard

Im Gegensatz zur AL ist das Rennen um die Wildcard in der NL weit offen. Basierend auf den Abständen würde ich aktuell nicht mal die Padres gänzlich ausschließen, obgleich da schon viel richtig laufen müsste.

Doch da es bis Pittsburgh nur 5 ½ Spiele sind, besteht für mindestens elf der 15 Teams dieser Liga noch berechtigte Hoffnung auf die Playoffs, was äußerst bemerkenswert ist. Es zeugt vielleicht nicht unbedingt von unglaublich hohem Niveau in der Spitze, aber dafür ist das Feld ausgeglichen besetzt, für Spannung ist also gesorgt.

Seite 3: Situation vor der Non-Waiver Trade Deadline

Non-Waiver Trade Deadline

Die Tatsache, dass elf von 15 Teams noch Hoffnungen auf die Playoffs in der NL haben - in der AL sind es immerhin noch deren acht - macht den Trade-Markt zu einer schwierigen Angelegenheit. Das Prinzip ist klar: Wer Hoffnung hat, wird eher versuchen, seine Chancen durch Trades zu verbessern, anstatt das Jahr als verloren anzusehen und bestimmte Assets zu veräußern.

Das wiederum wird für eine Vielzahl von "Buyers" und einen Mangel an "Sellers" sorgen. Das stärkt die Position der wenigen Sellers deutlich, wird aber auch sonderlich viel Aktivität blockieren, schließlich sind Teams heutzutage nicht mehr ganz so freigiebig, was ihre eigenen Prospects betrifft.

Allerdings hat das die Orioles und Dodgers nicht vom Machado-Trade abgehalten. Gleiches galt für die Nationals und Royals, die schon vor Wochen den Herrera-Deal eingefädelt hatten.

Doch wie viel wird jetzt noch bis zum 31. Juli passieren? Alles hängt davon ab, wie die kommenden knapp zwei Wochen für die Teams verlaufen, die an der Schwelle zur Hoffnungslosigkeit stehen. Sollten sie diese nämlich dann überschritten haben, würde es am Ende doch noch mehr Teams geben, die zu Trades bereit wären.

Generell gesagt dürften aber die üblichen Verdächtigen wieder aktiv sein. Die Red Sox etwa suchen Verstärkung für den Bullpen, die Yankees wollen ihre Rotation verbessern. Die Dodgers sind auch nach dem Machado-Transfer noch nicht perfekt aufgestellt und die Astros dürften sich erneut nach Relievern umsehen.

Auf der anderen Seite des Spektrums finden sich Teams wie die Royals - was wird aus Moustakas? -, Orioles (Jones, Britton, Gausman?) oder auch die Mets. Letztere werden zwar kaum Syndergaard oder deGrom anfassen, doch ein Reliever wie Jeurys Familia scheint verhandelbar.

Da Machado vom Markt ist, sollte es keinen Deal mehr geben, der das Kräfteverhältnis in den Rennen grundlegend auf den Kopf stellen wird. Aber zahlreiche punktuelle Verstärkungen sind durchaus noch möglich.

MLB: Die zweite Saisonhälfte wird heiß

Die vielen engen Playoff-Rennen sind vielleicht nicht unbedingt von Vorteil für Teams, die sich zur Deadline verstärken wollen, aber für den Zuschauer umso mehr. Uns steht nämlich ein heißer Rest-Sommer und ein außerordentlich heißer Herbst bevor.

Getoppt wird das Ganze natürlich von den im Oktober startenden Playoffs, doch bis dahin darf man sich eigentlich nicht zurücklehnen und sollte besonders genau hinschauen. Wöchentlich können sich die Konstellation nun schon grundlegend ändern. Sei es durch längere Siegesserien, Schwächephasen oder eben Verletzungen namhafter Stars.

Die MLB-Saison geht jetzt erst so richtig los.

Dieser Artikel wurde ohne vorherige Ansicht durch die Major League Baseball veröffentlicht.

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