MLB: Vorschau auf die zweite Saisonhälfte: Das verflixte siebte Jahr der Twins?

Das All-Star Game in Miami ist Geschichte, die zweite Saisonhälfte vor der Tür. SPOX wagt eine kleine Standortbestimmung: Schaffen es die Chicago Cubs noch in die Playoffs? Was ist mit Max Kepler und den Minnesota Twins? Und wer kann die Los Angeles Dodgers und Houston Astros aufhalten? Außerdem: Playoff-Rennen, Homeruns - und Tim Tebow.

Das All-Star Game in Miami ist Geschichte, die zweite Saisonhälfte vor der Tür. SPOX wagt eine kleine Standortbestimmung: Schaffen es die Chicago Cubs noch in die Playoffs? Was ist mit Max Kepler und den Minnesota Twins? Und wer kann die Los Angeles Dodgers und Houston Astros aufhalten? Außerdem: Playoff-Rennen, Homeruns - und Tim Tebow.

Chicago Cubs: Kommt der Titelverteidiger noch in die Playoffs?

Es wäre nicht das erste Mal, dass der Gewinner der World Series im Jahr darauf die Postseason verpasst - Baseball ist zu unberechenbar, die wenigen Playoff-Plätze sind hart umkämpft. Aber dass die Cubbies zum All-Star-Break bei einer negativen Bilanz stehen würden (43-45), damit hatten die wenigsten gerechnet. Zumal es sich nicht um eine Verletzungsseuche handelt, und eigentlich hat man in der Offseason auch nicht wirklich viel Talent verloren.

Trotzdem steht Chicago derzeit in der NL Central gleichauf mit den Cardinals, die überraschend starken Milwaukee Brewers (50-41) sind schon 5,5 Spiele weg. Auf die Wildcards fehlen aufgrund der starken NL West sogar gleich 7,5 Spiele. Das ist bei über 70 verbleibenden Spielen durchaus aufzuholen, aber die Durchhalteparolen von Manager Joe Maddon klingen so langsam hohl. Fakt ist: Die Cubs haben in fast jedem Bereich abgebaut.

Ein Batting Average von .239 bedeutet Platz 28 von 30 Teams, die Defense, gerade im Outfield, ist um einiges schlechter geworden. Auch in der Rotation hapert es gehörig: Jon Lester (4.25 ERA) gab im letzten Spiel vor der Pause gleich zehn Runs im ersten Inning ab, genau wie er haben Jake Arrieta (4.35 ERA) und John Lackey (5.20 ERA) jeweils über eine Meile Geschwindigkeit bei ihrem Fastball verloren. Lediglich der gute Bullpen hält den Laden zusammen - es ist kein Wunder, dass Closer Wade Davis der einzige All-Star des Teams war.

Die Vorzeichen sind also nicht gut, auch wenn das Talent für einen Run da ist. Vielleicht ein gutes Omen: Im Vorjahr verlor man vor dem All-Star Game 15 von 21 Spielen, fand danach aber wieder in die Spur und gewann den ersten Titel nach 108 Jahren. "Wir sehen mittlerweile, und vielleicht können wir deshalb noch eine Schippe drauflegen", so Davis. Der Trade von Jose Quintana ist sicherlich ein Anfang!

Minnesota Twins: Krönen Max Kepler und Co. ihre Saison?

Die Cleveland Indians (47-40) sind mittlerweile an den Twins (45-43) vorbeigezogen, auch die Kansas City Royals (44-43) sind wieder dran: Die Konkurrenz für Max Keplers Team in der AL Central ist enorm. Noch ist man voll im Playoff-Rennen, hat nur ein Spiel Rückstand auf einen Wildcard-Spot: Die erste Postseason-Teilnahme seit sieben Jahren winkt.

Aber richtet man den Blick auf die Zahlen hinter der ordentlichen Bilanz, sieht es schon düsterer aus für die Twins: Das Run Differential von -60 ist das viertschlechteste der American League, die Heimschwäche (20-28) gehört auch endlich abgestellt. Die Rotation (4.95 ERA, Platz 26) und der Bullpen (4.83 ERA) sind beide unterdurchschnittlich. Irgendwann reicht ein Ervin Santana eben nicht mehr, kein Wunder also, dass sich das Team laut FOX Sports nach Verstärkung zur Trade Deadling umschaut, um das Starting Pitching zu verstärken.

Und Max Kepler? Der deutsche Right Fielder hat sich im Vergleich zum letzten Jahr noch einmal gesteigert, das Average etwa steht derzeit bei .266 (2016: .235). Gegen Rechtshänder ist es sogar ein formidables .305 Average. Allerdings sieht er gegen Linkshänder immer noch kein Land (.143 Average, kein Homerun in 70 At-Bats). Er wird wohl auch in der zweiten Saisonhälfte gegen Lefties auf der Bank beginnen und seinen Teamkollegen die Daumen drücken.

Los Angeles Dodgers und Houston Astros in der World Series?

Seit 2010 haben nur drei Teams mindestens 100 ihrer 162 Saisonspiele gewonnen. Die Dodgers (61-29) und Astros (60-29) halten derweil Kurs auf 110 bzw. 109 Siege. Schaut man sich ihr Run Differential an (+163 / +162), stehen sie zu diesem Saisonzeitpunkt auf Platz vier und Platz fünf. All-time.

Sorry an die Konkurrenz, aber die Dodgers und Astros sind ganz klar die beiden besten Teams in der MLB, gut möglich, dass man sich am 24. Oktober zu Spiel 1 der World Series gegenübersteht. Wie ist es dazu gekommen?

Nach Jahren mit hohen Draft Picks steckt das Lineup der Astros plötzlich voller Spitzenhitter und lässt gegnerischen Pitchern fast überhaupt keine Pause. Fünf All-Stars hat das Team nach Miami geschickt, mit George Springer, Carlos Correa und Jose Altuve hat man gleich drei bona fide MVP-Kandidaten an Deck. Das Team bringt Power an den Ball, verzeichnet gleichzeitig aber sehr wenige Strikeouts.

Und die Astros hatten einige Verletzungen in der Pitching Rotation zu verzeichnen, könnte in diesem Bereich (fünftbestes ERA der Liga) also noch zulegen. Mit einem Vorsrpung von 16,5 Spielen (!) in der AL West sind die Playoffs bereits fix, das Farmsystem ist für eventuelle Trades prall gefüllt.

Trotzdem sind die Dodgers für die meisten Experten das bessere Team - nicht nur für Alyssa Milano. Nach einem 10-12-Start legte das Team nämlich in den letzten beiden Monaten einen 51-17-Run hin. Drei Viertel aller Spiele zu gewinnen, das ist in der Major League Baseball einfach unerhört. Bei den Runs, Homeruns und OPS (On-Base-Percentage plus Slugging) gehört man in der NL zu den Top 3, Justin Turner (.377 Average) und Rookie Cody Bellinger (25 Homeruns) prügeln die Füllung aus dem Ball.

Und das Pitching? Du liebe Zeit, viel Spaß in den Playoffs mit Clayton Kershaw und Alex Wood. Zusammen stehen die beiden Asse bei einem ERA unter 2 und 24 Siegen bei nur zwei Niederlagen. Außerdem hat man in Kenley Jansen den wahrscheinlich besten Closer der National League im Bullpen sitzen. Perfekte Voraussetzungen für die Postseason.

Playoff-Rennen: Wer spielt im Oktober, wer hat Heimvorteil?

Achtung, weil es vielleicht noch nicht alle realisiert haben: Zum ersten Mal spielen die Teams nicht nur um Heimvorteil in den ersten Playoff-Runden, sondern auch um den Heimvorteil in der World Series. Heißt: Die Dodgers und Astros haben gleichzeitig auch ein potenziell extrem wichtiges Fernduell laufen, selbst wenn der Top-Seed in der eigenen Liga irgendwann eingetütet sein sollte.

Wie sieht es hinter dem Führungsduo aus? Die Washington Nationals (10,5 Spiele Vorsrpung) haben ihre NL East derzeit im Sack, Milwaukee (5,5 Spiele) und die Dodgers (7,5 Spiele) ordentlichen Vorsprung in ihren Divisions. Auch die Wildcards sind derzeit noch fest in der Hand der Diamondbacks (53-36) und Rockies (52-39), den Cubs fehlen wie gesagt schon 7,5 Spiele. Gut möglich also, dass es nur noch in der Central bei einer Schwächephase der Brewers richtig spannend wird.

Aber in der American League, da brennt der Baum! Die Astros sind wohl durch, aber in der AL Central stecken die Twins im Dreikampf, und auch in der AL East liegen die Red Sox, Yankees und Rays nur 3,5 Spiele auseinander. Gut möglich, dass zwei Divisions bis zum Ende spannend bleiben.

Und das Wildcard-Race erst! Da streiten sich mindestens neun Teams um zwei Tickets, zwischen den Yankees (45-41) und Blue Jays (41-47) ist der Unterschied nicht unüberwindbar groß. Eigentlich ist noch kein einziges Team in der AL wirklich aus dem Rennen, selbst den White Sox (38-49) fehlen "nur" 7,5 Spiele auf einen Platz in der Postseason.

Das verspricht auch eine extrem spannende Trade Deadline: Wer selbst noch Hoffnungen hat, verkauft vielleicht keine Leistungsträger, sondern schlägt selbst noch einmal auf dem Markt zu. Und bei vielen potenziellen Bewerbern könnte etwa ein "Lights-Out-Reliever" einen extrem hohen Erlös liefern. Es wird spannend: Wer setzt noch einmal aufs Ganze?

Homeruns, Rückkehrer - und Tim Tebow?

  • 5.693 Homeruns sind die Saisonbestmarke, die es zu schlagen gilt. Und die dürfte pulverisiert werden: Über 6.100 Homeruns sollten die 30 Teams unter sich aufgeteilt haben, wenn es so weiter geht. Zehn Teams halten derzeit Kurs auf Franchise-Rekorde in dieser Kategorie, persönliche Career Highs werden schon jetzt fast täglich erzielt. Über 42 Prozent aller Runs werden derzeit durch den Long Ball erzielt. Natürlich ist auch das Rekord. Bleibt die Frage: Wer greift die Marke von 50 Homeruns an - oder kommt sogar einer an die 60 ran?
  • Zwei Superstars stehen nach langen Verletzungspausen in den Startlöchern: AL-MVP Mike Trout bereitet sich auf seine Rückkehr zu den Los Angeles Angels vor und könnte den MVP-Award in seiner Liga, auf dessen Name derzeit "Aaron Judge" steht, vielleicht noch einmal spannend machen. Außerdem ist er für die Playoff-Hoffnungen der Halos natürlich enorm wichtig. Ob Pitcher und World-Series-MVP Madison Bumgarner die verkorkste Saison der San Francisco Giants (34-56) noch retten kann, ist dagegen eher fraglich.
  • Tebow Time? Mal ehrlich: Mit der Postseason haben die New York Mets (39-47) angesichts von schon 10,5 Spielen Rückstand auf die zweite Wildcard nichts mehr zu tun. Das verspricht eher langweiligen Herbst-Baseball im Big Apple. Was läge da näher, als Tim Tebow eine Chance zu geben? Der Volksheld könnte seine Fähigkeiten in der Big League unter Beweis stellen, viel kaputtzumachen gäbe es nicht - und das eine oder andere Ticket zusätzlich würden die Mets ganz sicher verkaufen ...

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