MLB: SPOX-Kommentar zur MVP-Wahl 2017: Wertvollster Spieler - für wen?

Die BBWAA hat ihre MVP Awards an Jose Altuve und Giancarlo Stanton vergeben. Die Wahl in der AL fiel eindeutig aus, die in der NL war hauchdünn. Doch waren die Sieger gerechtfertigt? Und nach welchem System wird überhaupt gewählt? Macht das alles Sinn? Ein Kommentar von SPOX -Redakteur Marcus Blumberg.

Die BBWAA hat ihre MVP Awards an Jose Altuve und Giancarlo Stanton vergeben. Die Wahl in der AL fiel eindeutig aus, die in der NL war hauchdünn. Doch waren die Sieger gerechtfertigt? Und nach welchem System wird überhaupt gewählt? Macht das alles Sinn? Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Marcus Blumberg.

MVP steht für Most Valuable Player. Doch wie bestimmen wir denn den Wert eines Spielers? Und vor allem: Für wen ist selbiger dann am wertvollsten? Die diesjährigen MVPs der MLB klären diese Frage eher nicht. Vielmehr bestätigen sie den lange vorherrschenden Eindruck, dass diese Wahl im Baseball keinem klaren Konzept folgt und vielmehr völlig willkürlich vonstattengeht.

Betrachtet man die Wahl in der NL in diesem Jahr, dann könnte man argumentieren, dass hier an die Tradition der 00er Jahre angeknüpft wurde. Die Wähler lösten sich los von tabellarischen Zwängen und wählten einfach den gefährlichsten Slugger in Stanton. Seine 59 Homeruns und 132 RBI waren die meisten in der MLB.

Seine Marlins? Die verpassten den Divisionssieg um 20 Spiele - die zweite Wildcard um 10! Auf Platz zwei der Wahl landete im Übrigen Joey Votto von den Cincinnati Reds. Er spielte eine statistisch gute, keine überragende Saison. Und sein Team lag in der Division 24 Spiele zurück, in der Wildcard 19. Selbstredend waren beide Teams unter .500 in der Saison. Wertvollster Spieler seines Teams? Ja, gilt für beide. Aber der Liga? Auf welcher Grundlage?

Verblüffend erscheint auch die Wahl in der American League. Die ganze Zeit über wird den Leuten auch von den Wählern dieser Awards eingetrichtert, wie wichtig und relevant Sabermetrics sind, und dass eben diese analytischen Daten den Wert eines Spielers viel besser belegen als etwa beschränkte Statistiken wie der Schlagdurchschnitt.

Und dann wählen eben jene Journalisten mit haushohem Vorsprung Altuve zum MVP. Ein Spieler, der bis auf einen hohen Schlagdurchschnitt (.346) und 204 Hits in keiner Metrik der Beste war in dieser Saison. Der klar geschlagene Aaron Judge führte die AL dagegen in Runs, Homeruns und Walks haushoch an, lag zudem auf Platz zwei bei OPS - mit fast 100 Punkten mehr als Altuve.

American League MVP: Sabermetrics sprechen für Judge

Aber diese Masse-Statistiken sind ja nichtssagend. Schauen wir also auf moderne Zahlen! Judge führte die MLB mit 8,2 Wins Above Replacement gemäß FanGraphs an, Altuve hatte immerhin 7,5. Theoretisch brachte Judge seinem Team also acht Siege mehr ein, die ein möglicher Ersatz nicht gesichert hätte. Heißt: Ohne Judge gewinnen die Yankees vielleicht nur 83 Spiele und müssen sogar um die Wildcard bangen. Verlieren die Astros dagegen Altuve, gewinnen sie die AL West immer noch locker mit zweistelligem Vorsprung.

WAR ist allerdings je nach Quelle unterschiedlich, schauen wir also auf "Weighted Runs Created Plus", was essenziell das Zutun eines Spielers zu erzielten Runs seines Teams unabhängig vom Ballpark berechnet. Hier liegt Judge bei 173 und damit 13 Runs vor Altuve. Dieses Spiel lässt sich munter fortsetzen und in aller Regel wird Judge mit besseren Zahlen dastehen.

Wie genau rechtfertigt man dann einen Vorsprung von 126 Punkten - oder 25 Erstplatz-Stimmen - in der MVP-Wahl? Natürlich kann man sich auf den Monat August stürzen und sagen, dass Judge da nur .215 schlug, Altuve .441, aber ist ein Monat ausschlaggebend, um einen MVP zu küren?

Unterm Strich ist es immer wieder verblüffend, wie die Wähler - die jedes Jahr rotieren - zu ihren Ergebnissen kommen. Manchmal entscheiden sie für den einfach besten Spieler, egal, was er konkret leistet - man blicke auf zahlreiche MVP-Triumphe der Herren Barry Bonds, Albert Pujols oder Mike Trout - oder man geht doch mal mit dem besten Spieler des Jahres - etwa Miguel Cabrera in seinem Triple-Crown-Jahr 2012. Oder man wählt einfach blind ins Blaue und klammert sich an Statistiken, die man eigentlich mittlerweile diskreditiert hat. Auch möglich ist der beste Spieler des besten Teams, wie es meist in der NFL passiert.

Es fehlt die klare Linie in der MVP-Wahl der MLB. Was letztes Jahr als Maßstab galt, muss dieses Jahr keine Rolle mehr spielen. Und es sollte auch keiner geschockt sein, wenn zum Beispiel Judge in ein, zwei Jahren gewählt wird, obwohl er dann vielleicht signifikant weniger geleistet haben könnte als dieses Jahr, weil irgendwer der Meinung sein könnte, er hätte es schon 2017 verdient gehabt. Auch so kam Mike Trout zum MVP im letzten Jahr.

Ich gehe nicht so weit zu sagen, die MVP-Wahl sei eine Farce, doch wirklichen Sinn ergibt sie zu selten. Zu vage scheint die Definition. Der wertvollste Spieler - aber wertvoll in welcher Weise? Wertvoll für wen?

Dieser Artikel wurde ohne vorherige Ansicht durch die Major League Baseball veröffentlicht.

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