MLB: Preview: Asse im Ärmel & Schach im Bullpen

Die Playoffs der MLB gehen in die nächste Runde! Den Anfang macht am Donnerstag die American League Division Series mit dem Duell der Houston Astros gegen die Boston Red Sox. Am selben Abend empfangen die Cleveland Indians den Rekordchampion, die New York Yankees. Wer hat die besseren Chancen auf den Einzug in die League-Finals? SPOX wagt Prognosen.

Die Playoffs der MLB gehen in die nächste Runde! Den Anfang macht am Donnerstag die American League Division Series mit dem Duell der Houston Astros gegen die Boston Red Sox. Am selben Abend empfangen die Cleveland Indians den Rekordchampion, die New York Yankees. Wer hat die besseren Chancen auf den Einzug in die League-Finals? SPOX wagt Prognosen.

Seite 1: Houston Astros vs. Boston Red Sox

Houston Astros (101-61) - Boston Red Sox (93-69)

Ausgangslage: Nachdem man in der letzten Saison aufgrund des Fehlstarts die Playoffs verpasste, stellten die Astros anno 2017 früh die Weichen in Richtung Postseason. So stark war die Truppe von Manager A.J. Hinch, dass der Vorsprung in der AL West geradezu absurde Dimensionen annahm, und vor dem All-Star Break wurde unter den Experten eifrig diskutiert, wer denn nun besser ist: die Astros oder die Dodgers. Gerade offensiv war Houston eine Macht, angetrieben von Second Baseman und MVP-Favorit Jose Altuve.

Im Sommer leistete man sich dann einen Durchhänger, auch weil Stars wie Shortstop Carlos Correa zwischenzeitlich ausfielen - und plötzlich zogen die Indians mit ihren 22 Siegen in Folge doch noch vorbei. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Astros bockstark sind und mit reichlich Rückenwind in der Postseason angekommen sind. 14 der letzten 17 Spiele hat man gewonnen, Neuzugang Justin Verlander hat in Houston darüber hinaus noch einmal ganz neue Euphorie entfacht.

Die Red Sox haben zum ersten Mal in ihrer Geschichte den Titel in der AL East verteidigt, leicht war es aber angesichts der überraschend widerspenstigen Yankees nicht. Im Gegensatz zum Rest der Liga ging der Trend bei den Red Sox nicht in Richtung "Homeruns, Homeruns und noch mehr Homeruns". Stattdessen setzte man viel auf die Dynamik der jungen wilden in der Offense. Beim Pitching baute derweil der eine oder andere Leistungsträger der vergangenen Saison, wie z.B. Cy-Young-Gewinner Rick Porcello, deutlich ab.

Insgesamt ist die Stimmung der Red Sox Nation also nicht sonderlich gut, zumal man in der letzten Serie der Regular Season drei von vier Spielen gegen Houston verloren hat. Aber Manager John Farrell weiß nun, was auf ihn und seine Truppe zukommt. Und es ist ja nicht so, als hätte Boston keine Stärken: Ace Chris Sale ist der Strikeout-König, der Bullpen ist stark, die Defense ebenfalls.

Players to watch: Bei den Astros richten sich alle Augen auf Justin Verlander. Der 34-Jährige schien eigentlich schon dazu verdammt, den Spätherbst seiner Karriere im Rebuild der Detroit Tigers zu verschwenden - doch dann wurde er doch noch nach Houston abgegeben, nur Minuten vor dem Ende der Playoff-Kader-Deadline am 31. August.

Seitdem ist die bessere Hälfte von Model Kate Upton ein ganz neuer Mensch: In fünf Starts für sein neues Team ließ er gerade mal vier Runs zu (alle durch Solo-Homeruns), das bedeutete einen mikroskopisches ERA von 1.06. Sein Fastball geht manchmal immer noch an die 100 Meilen heran, er ist die perfekte Mischung aus Ace und "Workhorse", kann also auch locker 100+ Pitches werfen und lange im Spiel bleiben.

Auf der Gegenseite sind sich alle einig: Wenn die Red Sox eine Chance haben wollen, dann muss es über Chris Sale gehen. Der dürre Lefty, vor der Saison aus Chicago gekommen, kam in Boston sofort wunderbar zurecht und setzte in Sachen Innings und Strikeouts MLB-Bestmarken, gerade sein Slider beschert dem gegnerischen Lineup Alpträume.

Da die übrige Rotation bei den Red Sox niemanden wirklich vom Hocker haut, müssen in den Spielen mit Sale auf dem Mound Siege her. Nicht umsonst hat Farrell angedeutet, ihn trotz "Short Rest" auch in Spiel vier der Serie einzusetzen. Aber Vorsicht: Ist Sale gut drauf, kann der Hitter einpacken. Der 28-Jährige hatte jedoch gerade in der zweiten Saisonhälfte auch den einen oder anderen Aussetzer drin ...

Prognose: Das Duell Verlander - Sale geht auf dem Papier unentschieden aus. Danach haben die Astros mit Dallas Keuchel aber ein weiteres Ass im Ärmel, das den Red Sox abgeht. Zudem hat das Lineup mit Altuve, Correa oder auch Leadoff-Hitter George Springer viel mehr Power zu bieten als das aus Beantown. Die Red Sox haben im Bullpen zwar Vorteile, gerade mit Ex-Starter David Price, doch was nützt das, wenn die Starter schon früh verhauen werden? Astros in 4.

Seite 2: Cleveland Indians vs. New York Yankees

Cleveland Indians (102-60) - New York Yankees (91-71)

Ausgangslage: Die Indians kamen eigentlich erwartungsgemäß in die Playoffs. Nachdem man im letzten Jahr den Chicago Cubs nach 3-1-Führung in der World Series unterlegen war, hat man sich auf Wiedergutmachung geeinigt: Heuer soll Cleveland der ganz große Coup gelingen. Der erste Schritt mit dem Playoff-Einzug wurde in beeindruckender Manier gemeistert. Unter anderem durch einen neuen AL-Rekord von 22 Siegen in Serie gewannen die Indians die AL Central mit 17 Spielen Vorsprung auf die Minnesota Twins.

In New York hingegen ist man von der eigenen Leistung in dieser Saison ein Stück weit überrascht. Eigentlich war ein Umbruch im Big Apple geplant, der Kader war zu teuer und die Spieler zu alt, weshalb die Jungen in New York heuer eine Chance bekamen. Die Verantwortlichen der Yankees rechneten damit, dass eine solche Umstrukturierung einige Jahre dauert, diese Zeit wollte man sich selbst auch geben. Aber durch den herausragenden Rookie Aaron Judge sind die Bronx Bombers dem eigentlichen Plan voraus.

In den Playoffs geht es über die kurzen Distanzen, die erste Hürde haben die Yankees bereits genommen. Nach einem wilden Beginn mit einem schnellen 0:3-Rückstand schlugen die Yankees in der Wild Card Minnesota mit einem bärenstarken Bullpen, der in 8 2/3 Innings gerade einmal einen Run zuließ. Auf der anderen Seite stellt Cleveland aber den besten Bullpen der Regular Season: ein ERA von 2.89 über die gesamte Saison ergibt Platz eins, der Bullpen aus der Bronx ist mit 3.34 ERA Dritter.

Das direkte Duell in der Regular Season haben die Indians mit 5-2 für sich entschieden. Drei Siege waren Teil der Rekordserie Ende August, allesamt auswärts im Yankee Stadium. Anfang August entführten die Yankees noch zwei Siege aus Cleveland, als sie die Indians in zwei aufeinanderfolgenden Spielen mit 2:1 und 8:1 mit einem staken Bullpen neutralisierten.

Players to watch: Corey Kluber ist seit Mai der stärkste Pitcher beider Ligen, aus dem September nimmt er eine Bilanz von 5-0 mit einem lächerlich niedrigen ERA von 0.84 mit. Trotzdem wird Trevor Bauer das erste Spiel gegen die Yankees pitchen, da Manager Terry Francona in einem eventuellen fünften Spiel Kluber zur Verfügung haben möchte. Ein klares Zeichen für die hohen Ansprüche, die die Indians an sich selbst stellen. Wenn the Tribe die Division Series bereits vor Game 5 für sich entscheiden, könnte Cleveland zum Beginn der ALCS auf einen erholten Kluber zurückgreifen.

Der große Star der Yankees in dieser Saison ist Aaron Judge. Zunächst hatte er den Yankees mit einem herausragenden September überhaupt zum Playoff-Einzug verholfen. Viele waren sich nicht sicher, wie der 2,01-Meter-Hüne mit dem Druck der Playoffs umgehen würde, doch Judge hat auch in der Wild Card geliefert: Gegen die Twins zeigte er unter anderem mit einem 2-Run-Homer, dass er an der Plate nur schwer zu schlagen ist.

Die Indians können im Bullpen nach überstandener Knieverletzung außerdem wieder auf Andrew Miller zählen. Miller war in den vergangenen Playoffs die Geheimwaffe der Indians, denn er konnte zu gefühlt jeder Spielsituation eingewechselt werden und mehrere dominante Innings pitchen. Der Bullpen der Indians musste in der Regular Season die wenigsten Innings pitchen, könnte also ein wenig frischer sein.

Außerdem ist die Offense der Indians heuer um einiges stärker als noch im Oktober 2016. Edwin Encarnacion war eine ebenso exzellente Verstärkung wie Jay Bruce, zudem ist Michael Brantley im Vergleich zu den letzten Playoffs fit.

Prognose: Der Gamble, Bauer starten zu lassen, wird aufgehen. Beide Bullpens sind immens stark, es wird vermutlich auf die Starter ankommen, da scheinen die Indians die deutlich stärkere Rotation zu haben. Zudem ist Clevelands Lineup heißer als in 2016. Kluber wird kein Game 5 pitchen müssen, Francona steht nach der Division Series als Genie da. Indians in 4.

Dieser Artikel wurde ohne vorherige Ansicht durch die Major League Baseball veröffentlicht.

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