MLB: New York Mets 2018: Der übliche Ritt auf der Rasierklinge

Die New York Mets des Jahres 2018 gehen mit der Zielsetzung ins neue Jahr, aus alten Fehlern zu lernen und die schwache Saison 2017 hinter sich zu lassen. Mithilfe von Daten und neuen Ansätzen soll der Erfolg zurückkehren, doch viel Spielraum bleibt erneut nicht.

Die New York Mets des Jahres 2018 gehen mit der Zielsetzung ins neue Jahr, aus alten Fehlern zu lernen und die schwache Saison 2017 hinter sich zu lassen. Mithilfe von Daten und neuen Ansätzen soll der Erfolg zurückkehren, doch viel Spielraum bleibt erneut nicht.

Die Geschichte der New York Mets 2017 ist relativ schnell erzählt. Sie starteten in die Saison als eines der besseren Teams in der Liga - auf dem Papier. Dieser Eindruck beruhte in erster Linie auf ihrer enormen Pitching Rotation, die - wenn fit - ihresgleichen sucht.

Doch fit waren eben alle nicht - jedenfalls nicht sonderlich lange. Und auch was die Positionsspieler betraf, zeichnete sich ein trauriges Spiel ab, was den Gesundheitszustand der Schlüsselspieler betraf. Und so beendeten die "Amazin's" die Saison abgeschlagen auf dem vierten Platz der National League East, 27 Spiele hinter den Washington Nationals.

2018 sehen die Mets auf dem Papier wie ein ordentliches Team, das aufgrund ihrer Pitching Rotation und ein paar Impact Bats durchaus für Furore sorgen kann - wenn alle fit bleiben!

Eine Woche vor Saisonstart scheint der Punkt Fitness durchaus erfüllt zu sein beim Team aus Queens. Die Rotation macht einen gesunden und fitten Eindruck, obgleich Neuzugang Jason Vargas den Saisonstart wohl mit einer Handverletzung verpassen wird. Da es sich aber um seine rechte Hand handelt, sollte er trotz Operation zügig wieder einsatzbereit sein.

Für den Moment heißt dies jedoch, dass sich den Mets ein seltener Anblick bieten könnte: Eine Rotation, in der Noah Syndergaard, Jacob deGrom, Matt Harvey, Steven Matz und Zack Wheeler allesamt und nacheinander pitchen würden.

New York Mets: Pitcher mit langen Krankenakten

Dabei liest sich gerade bei den Genannten außer deGrom die Krankenakte lang und schmerzlich. Harvey und Wheeler haben sich bereits einer Tommy John Surgery unterzogen, Harvey verpasste zudem noch weite Teile der Vorsaison mit einem Thoracic-Outlet-Syndrom. Syndergaard riss sich den Latissimus in seiner Wurfschulter und bei Steven Matz waren es diverse Verletzungen, die zu Operationen geführt haben.

Nun scheinen alle fit zu sein, was für einen neu entfachten Konkurrenzkampf sorgt, dessen Ausgang zumindest zum Saisonstart durch die Vargas-Verletzung zu verfälschen droht. Zumindest im ersten Turn der Rotation sollten somit sowohl Wheeler als auch Matz einen Start bekommen, anschließend muss wohl einer von beiden in den Bullpen.

Starting Pitcher Wurfhand Innings 2017 ERA+ 2017
Jacob deGrom Rechts 201 1/3 119
Noah Syndergaard R 30 1/3 144
Matt Harvey R 92 2/3 63
Zack Wheeler R 86 1/3 63
Steven Matz Links 66 2/3 70
Jason Vargas L 179 2/3 108

Dieser wiederum soll 2018 unter Neu-Manager Mickey Callaway anders eingesetzt werden als bisher. Callaway will aggressiver zu Werke gehen mit seinen Relievern und entsprechend vorsichtiger mit den Startern.

Nicht nur, weil er um deren Gesundheit besorgt ist, vielmehr, weil die Zahlen diese Herangehensweise suggerieren. "Dark Knight" Matt Harvey ist das beste Beispiel: 2017 ließ er beim ersten Turn durchs Lineup eine .871 OPS zu, beim zweiten Durchgang lediglich .823, doch beim dritten Turn schlugen seine Gegner 1.001 gegen ihn.

Ähnliche Tendenzen weisen auch seine Kollegen Matz, Vargas und Wheeler auf. Den Schluss, den die Mets daraus zogen, war der, dass diese Starter in aller Regel nur noch zwei Turns durchs gegnerische Lineup bekommen sollen.

Mets setzen auf zwei Maßnahmen zur Unterstützung der Pitcher

Um aber zugleich den Bullpen nicht nach und nach zu killen, was durch eine derart heftige Taxierung durchaus die Folge sein könnte, setzt man auf zwei Maßnahmen: Zum einen will Callaway die Saison mit acht Mann im Pen starten - üblicherweise sind es gerade in der National League sieben, da man fünf Bankspieler bevorzugt, um entsprechend häufig auf Pinch-Hitter zu setzen. Der andere Schritt ist einer, den man sich von den Houston Astros in den letzten Playoffs abgeguckt hat: Die Nutzung eines gelernten Starters im Bullpen.

Punkt eins lässt sich schon deshalb bewerkstelligen, weil mit Wilmer Flores ein Positionsspieler im Team steht, der fast beliebig eingesetzt werden kann. Nachdem er bislang nur im Infield unterwegs war, probierte man ihn nun auch im Outfield aus. Und er ist bereit, es mehr oder minder regelmäßig zu tun, auch wenn er zugab: "Es fühlte sich merkwürdig an", doch: "Ich bin immer gewillt, es zu tun."

Relief Pitcher Wurfhand Innings 2017 ERA+ 2017
Jeurys Familia Rechts 24 2/3 98
A.J. Ramos R 58 2/3 104
Anthony Swarzak R 77 1/3 187
Jerry Blevins Links 49 144
Paul Sewald R 65 1/3 93
Seth Lugo R 101 1/3 90
Hansel Robles R 56 2/3 86
Rafael Montero R 119 76

Eine Haltung, die Callaway entgegenkommt: "Es macht es leichter, deinen Bullpen so einzusetzen, wie wir es planen, wenn man Leute mit solch einer Flexibilität hat."

Punkt zwei wiederum soll mithilfe von Robert Gsellman oder Seth Lugo, später vielleicht sogar von Wheeler oder Mets realisiert werden. Die Idee ist klar: Einer von diesen eigentlichen Startern könnte für Harvey, der zweimal durchs Lineup ginge und dann vielleicht bis ins fünfte oder sechste Inning käme, eingewechselt werden, um dann selbst einmal durch das gegnerische Lineup zu gehen. Dann wären die Mets im siebten, vielleicht achten und könnten ihre Setup-Pitcher einsetzen.

Allerdings: "Wenn du einige Jungs im Pen haben willst, die dir eine gewisse Länge geben, dann musst du auch verstehen, dass sie nach einem langen Auftritt ein paar Tage raus sein werden", betonte Callaway, was ihn zur Schlussfolgerung führt: "Einen extra Pitcher dabei zu haben, würde helfen, wenn man diese Leute häufig einsetzen will."

Ist der Pitching-Ansatz der Astros auf lange Sicht praktikabel?

Grau ist zwar alle Theorie, doch das Beispiel der Astros, die mit Startern ihren defizitären Bullpen in den Playoffs und der World Series mehr als nur aufgehübscht hatten, zeigt, dass der Weg durchaus richtig sein kann. Die Frage ist nun allerdings, ob diese Herangehensweise über den Kurs einer langen Saison praktikabel ist. Auch die Astros werden diese Frage in den kommenden Monaten beantworten müssen.

Beantwortet werden muss auch die Frage, wie denn die Offensive ins neue Jahr geht. Auch hier war das Motto des Vorjahres "Last Man Standing" nach zahlreichen Verletzungen und letzten Endes auch Trades, da New York irgendwann Mitte des Jahres völlig zu Recht die Flinte ins Korn geworfen hatte. Letztlich machten nur sechs Spieler mehr als 100 Spiele. Shortstop Jose Reyes kam gar auf 145, der Bestwert im Team.

Von den übrigen Personen aus dem Klub der 100 sind bis auf Curtis Granderson alle wieder am Start, obgleich Michael Conforto die Saison aufgrund seiner Schulterverletzung aus dem Vorjahr auf der DL beginnen wird. Neu dabei sind Todd Frazier, der zuletzt in der Bronx tätig war sowie Adrian Gonzalez, der ebenfalls verletzungsbedingt 2017 kaum gespielt hat.

Brandon Nimmo und Juan Lagares teilen sich zu Beginn das Center Field, ehe Conforto zurückkehrt. Ansonsten scheinen alle Positionen vergeben. Auch deshalb, weil etwa aus dem Farmsystem nicht unbedingt massiv nachgeschoben wird. Die Mets verfügen mit Andres Gimenez über genau ein Top-100-Prospect, ein Shortstop, der wohl vorm nächsten Jahrzehnt keine MLB-Luft schnuppern wird. So erklärt sich dann auch, das im Spring Training Platz ist für einen Tim Tebow, der nun alles andere als ein Prospect ist.

New York Mets steht Ritt auf der Rasierklinge bevor

Alles in allem darf das Lineup aber durchaus als ordentlich bezeichnet werden. Gepaart mit einem produktiven Bullpen und einer gesunden Rotation der Extra-Klasse, könnten die Mets durchaus mal wieder eine Rolle spielen im Kampf um die Wildcard - die Division dürfte erneut einer Prozession der Nationals gleichen.

All das aber nur unter der Voraussetzung, dass die Hauptakteure auch fit bleiben. Etwas, was sie jetzt schon länger nicht mehr geschafft hatten. Etwas, das elementar wird für ein Team der Mets, das nicht wahnsinnig viel Spielraum zum Nachbessern hat. Wie üblich wird wohl auch diese Saison ein Ritt auf der Rasierklinge für die New York Mets.

Dieser Artikel wurde ohne vorherige Ansicht durch die Major League Baseball veröffentlicht.

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