MLB: Die Kunst, einen (teuren) Spieler loszuwerden

Die Boston Red Sox haben vor wenigen Wochen für einen Paukenschlag gesorgt, indem sie mit Hanley Ramirez einen ihrer Starter vor die Tür gesetzt haben - obwohl es dafür keinen offensichtlichen sportlichen Grund gab. Die Minnesota Twins wiederum fanden einen kreativen Weg, einen ihrer Stars loszuwerden. SPOX blickt auf Mittel und Wege, wie sich MLB-Teams dieser Tage von teuren Spielern trennen.

Die Boston Red Sox haben vor wenigen Wochen für einen Paukenschlag gesorgt, indem sie mit Hanley Ramirez einen ihrer Starter vor die Tür gesetzt haben - obwohl es dafür keinen offensichtlichen sportlichen Grund gab. Die Minnesota Twins wiederum fanden einen kreativen Weg, einen ihrer Stars loszuwerden. SPOX blickt auf Mittel und Wege, wie sich MLB-Teams dieser Tage von teuren Spielern trennen.

Will man in der NFL einen Spieler loswerden, geht dies in der Regel schon dadurch, ihn simpel zu entlassen, weil dessen Vertrag ohnehin nicht garantiert ist. Und ist es doch mal ein größerer Teil des Gehalts garantiert, greift man eben zum Trade. Das beste Beispiel hierfür ist sicherlich die Quasi-Abschiebung von Quarterback Brock Osweiler, der vor der letzten Saison samt eines Zweitrundenpicks von den Houston Texans nach Cleveland getradet wurde.

Die Browns - mit schier unendlichem Cap Space ausgestattet, schluckten prompt das Jahresgehalt in Höhe von 16 Millionen Dollar, um einen weiteren Draftpick zu erhalten. Anschließend entließen sie den Spieler noch vor Saisonbeginn und bezahlten ihn dafür, nicht für sie spielen.

Doch was hat diese Anekdote eigentlich mit der MLB zu tun? Nun, ist erster Linie zeigt sie, wie in einer anderen US-Profiliga mit Spielern umgegangen wird, die zwar noch großes Geld kosten, aber eigentlich weg müssten.

Im Baseball hingegen verfuhr man bislang so, dass man in solchen Fällen eben zum Trade griff nach dem Motto: "Gebt uns euer teures Problemkind und ihr nehmt dafür unsers." In und gegenüber den Medien wird dann immer bedeutungsschwanger davon gesprochen, dass betroffenem Ex-Star ja vielleicht ein Tapetenwechsel guttun würde. Vielleicht fände er dann ja zu alter Stärke zurück.

Minnesota Twins trennen sich von Phil Hughes kreativ

Doch es geht natürlich auch anders. So gesehen bei den Minnesota Twins. Diese trennten sich vor kurzem vom langjährigen Pitcher Phil Hughes, der einst mit großen Hoffnungen verknüpft aus New York importiert wurde, wo er zumindest in Ansätzen größeres Potenzial gezeigt hatte.

In dieser Spielzeit und nach zahlreichen Operationen war klar, dass Hughes nicht mehr unbedingt die einstigen Ansprüche würde erfüllen können. Nach schwachem Start in der Rotation wurde der Rechtshänder schließlich in den Bullpen verfrachtet, war also nur noch Einwechsel-Pitcher. Ein teurer noch dazu - mit 13,2 Millionen Jahresgehalt 2018 und 2019.

Was also tun? Naheliegend wäre natürlich eine Entlassung gewesen. Er wurde "designated for Assignment", das heißt, es standen nur noch ein Trade und eine Entlassung zur Wahl. Die Entlassung hätte bedeutet, dass die Twins die komplette Restsumme in Höhe von rund 18 Millionen Dollar an Gehalt hätten schlucken müssen.

Ein herkömmlicher Trade jedoch war nicht möglich, wer wollte schon einen abgehalfterten ehemaligen Jungstar, der noch dazu extrem teuer ist? Und selbst die Übernahme von großen Teilen des noch ausstehenden Gehalts - mehr als 20 Millionen Dollar - war für mögliche Interessenten noch immer kein Grund, anzubeißen.

San Diego Padres bekommen Draftpick und Cash

Also griff man in Minnesota zum Äußersten und legte auch noch einen recht hohen Draftpick - technisch gesehen ein Zweitrundenpick - mit ins Paket, was dann die San Diego Padres auf den Plan rief. Die befinden sich bekanntlich im Rebuild und da ist ein zusätzlicher Second-Rounder sehr attraktiv. Essenziell zum Freundschaftspreis von etwa fünf bis sechs Millionen Dollar - Minnesota schickte noch 14,5 Millionen Dollar in Cash an die Westküste. Kann man machen, wenn man gut scoutet und weiß, was man tut im Draft.

Es geht jedoch auch anders, wie die Boston Red Sox nun bewiesen. Sie nämlich haben Hanley Ramirez recht überraschend "DFA'd" und es kam dann auch tatsächlich zur Entlassung, die jeder erwartet hatte. Die Red Sox müssen also für das Jahresgehalt in Höhe von 22 Millionen Dollar aufkommen.

Wie schon vor der Saison feststand, hätte sich der Vertrag des First Basemans beim Erreichen von 497 Plate Appearances in diesem Jahr automatisch für weitere 22 Millionen Dollar bis Ende 2019 verlängert. Ein Risiko, dass man nicht eingehen wollte. Also wurde prompt erklärt, dass es eine Entscheidung des Managers Alex Cora gewesen sei, ihn zu entlassen, nicht etwa des Front Offices.

Die Company Line: Ramirez sei sicherlich nicht so gerne Bankdrücker und hätte rebellieren können. Und Mitch Moreland sei ja defensiv ohnehin viel besser, hat es geheißen. Die drohende Vertragsverlängerung spielte offiziell dagegen überhaupt keine Rolle.

MLB dringt in ungewohntes Terrain vor

Draftpick-Trades, um teure Problemfälle loszuwerden, Entlassungen ohne sportlich auf den ersten Blick ersichtlichen Grund unter Inkaufnahme massiver Gehaltsweiterzahlungen - die MLB dringt hier in ein ungewohntes Terrain vor, das anderswo zwar fast schon zum Alltag gehört, im Baseball aber ungewohnt ist.

Eine Entwicklung, die sicherlich kaum jemandem gefallen dürfte, speziell vor dem Hintergrund der ohnehin schon angespannten Situation zwischen der Spielergewerkschaft MLBPA und der Liga. Immer noch fühlen besonders die Spieler die Nachwehen des äußerst zähen Free-Agent-Marktes im Winter.

Fangen Teams nun also an, Spieler dermaßen plump abzuschieben, dann steigen die Chancen auf einen Streik, wenn in ein paar Jahren Verhandlungen für den nächsten Grundlagenvertrag anstehen. Den letzten Streik gab es im Jahr 1994. Er war lang, hart und rückte den Sport in ein ganz schlechtes öffentliches Licht. Eine Situation, die man sicherlich kein zweites Mal haben will.

Dieser Artikel wurde ohne vorherige Ansicht durch die Major League Baseball veröffentlicht.

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